Morddrohungen von Islamisten Satire-Zeitung darf nicht mehr online gehen
Massiv beschädigt: Die Redaktionsräume von "Charlie Hebdo"
Foto: ALEXANDER KLEIN/ AFPParis - Leser der linksliberalen französischen Zeitung "Liberation" hielten an diesem Donnerstag eine ungewohnte Beilage in ihren Händen: vier Seiten von "Charlie Hebdo", der Satire-Zeitung, auf deren Redaktionsräume am Mittwoch ein Anschlag verübt worden war.
Man habe gedacht, dass es "mehr Respekt für unsere satirische Arbeit" geben würde, schreibt Stéphane Charbonnier, Chef von "Charlie Hebdo" in der Beilage.
Die Redaktionsräume der Zeitschrift waren bei dem Anschlag schwer beschädigt worden. Das Blatt hatte an dem Tag eine Sonderausgabe veröffentlicht, die sich mit dem Wahlsieg der Islamisten in Tunesien beschäftigte. Ihr Blatt hatten die Macher dafür in "Scharia Hebdo" umbenannt und den Propheten Mohammed symbolisch zu ihrem Chefredakteur ernannt. "Hundert Peitschenhiebe, wenn Sie sich nicht totlachen", war in einer Sprechblase auf dem Cover zu lesen, daneben eine Mohammed-Karikatur.
Die Satiriker machen also weiter, vorerst sind sie in der Redaktion von "Liberation" untergekommen, um ihre Arbeit fortzusetzen. Anders sieht es dagegen beim Betreiber der Internetseite der Satire-Zeitung aus. Der belgische Betreiber Host Bluevision wolle die Website wegen anhaltender Drohungen nicht mehr online stellen, sagte "Charlie Hebdo"-Redakteurin Valerie Manteau.
Auf der gehackten Website stand: "Kein Gott außer Allah"
Im sozialen Netzwerk Facebook hatten Tausende wütend auf die Ausgabe vom Mittwoch reagiert. Die Zeitung habe große Aufmerksamkeit erzielt, müsse aber auch mit Konsequenzen rechnen, schrieb einer. Dem belgischen Betreiber zufolge gab es auch Todesdrohungen.
Die satirische Zeitung will aber auch schon wieder bald online zu lesen sein. Entweder werde die Polizei den belgischen Betreiber beruhigen, so dass die Seite künftig wieder im Internet erreichbar sei, oder man werde sich einen anderen Betreiber suchen, sagte Redakteurin Manteau laut einem Bericht der französischen Zeitung "Le Figaro".
Derzeit ist noch unklar, wer am Mittwoch den Brandsatz - vermutlich ein Molotowcocktail - in das Gebäude der "Charlie Hebdo"-Redaktion schleuderte. Kurz nach dem Anschlag wurde auch die Internetseite gehackt, stundenlang waren auf der Seite die Worte "Kein Gott außer Allah" zu lesen.
Bereits 2006 hatte "Charlie Hebdo" mit der Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus Dänemark für Aufregung gesorgt.