Morde in Afghanistan "Kill-Team"-Gräuelfotos schockieren Karzai

Erstmals hat sich der afghanische Präsident Hamid Karzai zu Fotos geäußert, auf denen US-Soldaten mit getöteten Zivilisten posieren. Die grausamen Bilder des selbst erklärten "Kill Teams" schockierten und entsetzten ihn: "Die Welt muss endlich aufwachen."

Afghanischer Präsident Karzai: "Schockiert und entsetzt"
AFP

Afghanischer Präsident Karzai: "Schockiert und entsetzt"

Von , John Goetz und Shoib Najafizada


Kabul - Afghanistans Präsident Hamid Karzai hat sich rund zwei Wochen nach der Veröffentlichung von Gräuelbildern, die US-Soldaten bei ihrem Einsatz in Afghanistan zeigen, zu den Aufnahmen geäußert. Bei einer Rede vor Studenten in Kabul sagte der Präsident, die erstmals im SPIEGEL veröffentlichten Bilder hätten ihn getroffen. "Die Bilder von den getöteten Zivilisten haben mich geschockt und verletzt", sagte er. "Ich spreche diese Geschichte an, weil die Welt endlich aufwachen muss."

Die Aufnahmen aus Afghanistan zeigen US-Soldaten, die mittlerweile als "Kill Team" bekannt sind. Während ihrer Dienstzeit hatten sie Afghanen ohne Grund getötet und später Bilder von sich und den Leichen gemacht. "Ich habe die Geschichte in dem deutschen Magazin gesehen", sagte Karzai, "diese amerikanischen Soldaten haben junge Männer unserer Volkes aus Spaß getötet".

Karzai bezeichnete die Männer als Gruppe von zehn bis zwölf Männer, die offenbar Drogen genommen hätten. Die Äußerungen Karzais waren die erste öffentliche Reaktion der afghanischen Regierung auf die Bilder, die auch in Afghanistan für große Aufregung gesorgt hatten. Der Präsident war schon im Mai 2010 über die Existenz der Fotos informiert worden.

Veröffentlichung der Fotos fällt in sensible Zeit

Die internationalen Truppen und die US-Regierung hatten schon vor der Veröffentlichung mögliche gewaltsame Proteste und gezielte Attacken auf US-Soldaten, aber auch auf die internationale Schutztruppe Isaf, an der auch die Bundeswehr beteiligt ist, befürchtet. Deswegen hatten Washington und die US-Armee die afghanische Regierung in mehreren Top-Gesprächen bereits vorab über die Bilder informiert. Unter anderem sprach der Vize-Präsident Joe Biden mit Karzai. So sollte versucht werden, einen Wutausbruch der Kabuler Regierung zu verhindern.

Die US-Armee entschuldigte sich öffentlich: Die Bilder seien "abstoßend" und widersprächen "den Standards und Werten der US-Armee", hieß es. "Wir entschuldigen uns für das Leid, das diese Fotos verursachen." Für das amerikanisch-afghanische Verhältnis fallen die Ereignisse in eine besonders sensible Zeit: Denn Washington und Kabul verhandeln gerade über die Bedingungen der Stationierung permanenter militärischer US-Basen am Hindukusch.

Bereits vergangene Woche hat ein US-Militärtribunal den Soldaten Jeremy Morlock zu 24 Jahren Gefängnisstrafe verurteilt, vier weitere sind wegen Mordes angeklagt. Morlock hatte gestanden, Mitglied des "Kill Teams" zu sein und drei unbewaffnete Zivilisten in Afghanistan getötet zu haben.

US-Armee stellt 4000 Fotos sicher

Die Gruppe soll zwischen Januar und Mai 2010 die Zivilisten mit Gewehren und Granaten getötet haben. Laut Anklage nahmen einige der Männer außerdem Gebeine als Trophäen mit und ließen sich mit einem ihrer toten Opfer grinsend ablichten. Die Morde ließen sie demnach so aussehen, als hätten sie in Notwehr gehandelt. Dazu seien regelrechte Drehbücher entwickelt worden, berichteten Angeklagte. SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE hatten drei der Fotos veröffentlicht. Die Gruppe soll außerdem Drogen konsumiert und einen Afghanen verprügelt haben, als dieser sie anzeigen wollte. Auch SPIEGEL-TV berichtete über die Vorfälle.

Die drei veröffentlichten Fotos sind nur ein verschwindend geringer Teil von Tausenden Fotos, die unter den Soldaten kursierten. Viele Bilder sind der Öffentlichkeit nicht zumutbar. Die US Army hat 4000 Fotos sichergestellt und hält diese unter Verschluss. Viele davon haben die Angeklagten selbst aufgenommen.

Nach der Veröffentlichung einiger Bilder im SPIEGEL hatte die US-Zeitschrift "Rolling Stone" in den letzten Tagen weitere Bilder, welche die Gräueltaten der US-Soldaten zeigen, veröffentlicht. Beobachter in Kabul befürchten wegen der Aufnahmen noch immer Proteste in Afghanistan oder anderen Teilen der islamischen Welt. Die Wirkung der Fotos vergleichen sie sogar mit dem Effekt, welche die Folterbilder aus dem irakischen Gefängnis Abu Ghuraib ausgelöst hatten.



insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
reinhard_m, 30.03.2011
1. Er hat sich mit den falschen Partnern eingelassen
Zitat von sysopErstmals hat sich der afghanische Präsident Hamid Karzai zu Fotos geäußert, auf denen US-Soldaten mit getöteten Zivilisten posieren. Die grausamen Bilder des selbst erklärten "Kill Teams" schockierten und entsetzten ihn:*"Die Welt muss endlich aufwachen." http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754143,00.html
Karzai hat sich zum Handlanger der USA und zur Marionette des Westens gemacht. Jetzt muß er nach der Musik tanzen, die gespielt wird und kann wenig tun um die Souveränität und Freiheit seines Landes zu wahren.
uwebolll 30.03.2011
2. abstoßend
Solche Bilder hat es schon in Vietnam gegeben und haben dem Vietcong regen Zulauf beschehrt. Die USA lernt nichts aber auch nichts dazu. Solange Soldaten und Piloten der Meinung sind ala Ego-Shooter wahrlos Menschen töten zu dürfen wird die USA keinen Krieg mehr "gewinnen" und sein wir ehrlich, seit dem 2. Weltkrieg folgte Debakel auf Debakel und immer wieder spielt die Cowboy Manier einiger geistig Armer eine vieleicht kleine aber wichtige Rolle. Angefangen mit Okinawa wo es von damals bis heute noch mehr oder minder regelmäßig zu Vergewaltigungen durch US-Soldaten kommt bis heute Irak/Afghanistan). Lösung, behandeln wie im zivilen Leben. Mord 1. Grades, Todesstrafe oder Lebenslänglich für die Täter. Vielleicht lernen dann diese minderbemittelten das es so nicht geht, aber dann bekommt die Army ein Problem denn gerade wegen diesem Cowboy/Ego-Shooter Gehabe gehen leider einige zur Army. Solange die USA es nicht lernt ihren Soldaten beizubringen klar zwischen Combatanten und Non-Combatanten zu unterscheiden sollte sie lieber ihre Boys nach Hause holen und der Welt solche Greul ersparen.
egils 30.03.2011
3. naja...
das dieses "Kill-team" inalkzeptabel, grausem, verbrecherisch, beschaemend usw ist, ist keine Frage. dazu brauchen wir die meinung von karzai nicht. Wir brauchen keinen Verbrecher der uns ueber andere Verbrecher aufklaert. Dieser Buergermeister von Kabul ist ein Gangster und unserer Unterstuetzung nicht wert. der mann gehört verhaftet und eingesperrt. Wie sehr er "besteurzt" ist und aufgebracht zeigt ja schon die tatsache dass er von dem fall seit mai 2010 weiss und erst jetzt den Mund aufmacht! mann-o-mann..wegen menschen wie diesem karzai verleirt der Westen immer wieder jede Unterstuetzung in islamischen laendern. grunsaetzlich und zielsicher setzen wir immer wieder auf's falsche Pferd! Woran liegt dass nur?
stesoell 30.03.2011
4. oo
Es gibt keine "Standards" irgendeiner Armee. Menschen töten andere Menschen. Das ist ein Fakt und mit _nichts_ zu legitimieren. Ich bin dankbar für die Fotos und Videos, denn auch ohne Kameras wird getötet. Es gibt kein "humanes" töten oder getötet werden, da helfen keine Standards, geschweige "Werte" einer Gesellschaft - welche Gesellschaft muss das sein?!. Und warum schreibt SpOn "Morde in Afghanistan"? Was passiert da unten denn noch? Totschlag? Körperverletzung mit Todesfolge? Oder Töten, weil die USA und Deutschland das erlaubt?! Mir fehlen die Worte und Gedanken kreisen über das was dort und anderswo im "Namen des Krieges" passiert. Die Geschichte sollte uns lehren, aber wir begreifen nichts. Zermürbend.
blafasel, 30.03.2011
5. Abstossend - aus zweierlei Gründen
---Zitat--- "Nach der Veröffentlichung einiger Bilder im SPIEGEL hatte die US-Zeitschrift "Rolling Stone" in den letzten Tagen weitere Bilder, welche die Gräueltaten der US-Soldaten zeigen, veröffentlicht." ---Zitatende--- Ich finde das nicht in Ordnung solche Fotos öffentlich zu zeigen. Ich wurde schon beim ersten Betrachten von der Wirkung abgestossen. Ganz toll, SPIEGEL... Man kann sich auch mal Gedanken um die in Afghanistan arbeitenden Ausländer machen bevor man sowas veröffentlicht. Wie wär's denn damit wenn der SPIEGEL oder SPON mal die Mohammed Karikaturen veröffentlicht? Dürfte doch ganz genauso unter die journalistische Meinungsfreiheit fallen wie die "Kill-Team" Fotos. Aber da machen sich die Redakteure dann doch mehr Gedanken. Jedenfalls um sich selbst.
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