Mordfall Caruana Galizia Maltesische Behörden nehmen Geschäftsmann fest

Wer steckt hinter dem Anschlag auf Daphne Caruana Galizia? Die Polizei hat jetzt einen Geschäftsmann festgenommen - kurz vor ihrem Tod hatte die maltesische Journalistin über die Firma des Mannes berichtet.
Erinnern an die getötete Journalistin Daphne Caruana Galizia: Europaweites Entsetzen

Erinnern an die getötete Journalistin Daphne Caruana Galizia: Europaweites Entsetzen

Foto: Darrin Zammit Lupi/ File Photo/ REUTERS

Es könnte ein Durchbruch sein bei den Ermittlungen zum Tod der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia: Die Polizei hat in dem Fall einen maltesischen Geschäftsmann festgenommen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters mit Berufung auf zwei unabhängige Quellen. Medienberichten zufolge war die Jacht des Mannes beim Verlassen des maltesischen Hafens Portomaso nördlich von Valletta aufgehalten worden.

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Die 53-jährige Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 bei einem Bombenanschlag getötet worden. Sie hatte als Journalistin regelmäßig über Korruption, Geldwäsche und Vetternwirtschaft in Malta berichtet. In manche der Skandale waren auch Mitglieder der Regierung sowie der Regierungschef selbst und seine Familie verwickelt (mehr zu den Hintergründen erfahren Sie hier).

Der Festgenommene ist Direktor und Mitinhaber einer Unternehmensgruppe, die 2013 vom maltesischen Staat beauftragt worden war, ein Gaskraftwerk auf der Insel zu bauen.

Acht Monate bevor sie ums Leben kam, hatte Gilizia in ihrem Blog über eine mysteriöse Firma in Dubai mit dem Namen 17 Black geschrieben, die Verbindungen zu maltesischen Politikern haben sollte. Beweise erbrachte sie damals nicht; so konnte sie nicht herausfinden, wem die Firma gehörte. Reuters enthüllte später, dass der jetzt festgenommene Geschäftsmann hinter 17 Black steht.

Einer E-Mail von 2015 zufolge gibt es zudem Verbindungen zwischen 17 Black und Firmen des Energieministers Konrad Mizzi und des Stabschefs Keith Schembri, die auch in den Panama-Papers aufgetaucht waren. Der Mail zufolge überwies 17 Black zwei Millionen Dollar an die Firmen.

Mittelsmann Begnadigung gegen Infos angeboten

Kurz vor der Verhaftung des Geschäftsmannes hatte Maltas Regierungschef Joseph Muscat einem mutmaßlichen Mittelsmann überraschend eine Begnadigung angeboten, falls er gesicherte Informationen zur Identität des Drahtziehers liefern sollte. Der in der vergangenen Woche festgenommene Mann würde hinsichtlich sämtlicher strafrechtlicher Verfahren begnadigt, jedoch müssten seine Hinweise vor Gericht offiziell bestätigt werden, sagte Muscat am Dienstag.

Der Regierungschef machte das überraschende Angebot, nachdem die maltesische Polizei und Interpol vergangene Woche einen Mann festgenommen hatten, der angab zu wissen, wer den tödlichen Autobombenanschlag auf die Journalistin im Herbst 2017 angeordnet hatte. Muscat sagte, der Verdächtige habe sich im Falle einer offiziellen Begnadigung des Präsidenten zu einer Zusammenarbeit mit den Behörden bereit erklärt.

Gegen drei Männer, die den Anschlag an der Journalistin ausgeführt haben sollen, laufen bereits Ermittlungen wegen Mordes, jedoch war bislang immer noch unklar, wer hinter dem Auftragsmord steckt. Im September hatte die maltesische Regierung eine unabhängige Untersuchung des Falls angeordnet.

vks/Reuters
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