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Mordfall Dink Schwere Vorwürfe gegen türkische Polizei

Im Mordfall gegen Hrant Dink gibt es schwere Vorwürfe gegen die türkische Polizei. Sie soll schon Anfang vergangenen Jahres von einem Komplott gegen den türkisch-armenischen Journalisten gewusst haben.
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Istanbul - Die Behörden hätten den Tipp bekommen, dass ein Mann aus Trabzon am Schwarzen Meer gesagt habe, er wolle Dink in Istanbul töten, zitierte die Zeitung "Sabah" heute aus einem Brief an den polizeilichen Nachrichtendienst in Ankara.

"Sabah" wie auch die Zeitung "Milliyet" berichteten, der Tipp sei von einem Informanten gekommen, gegen den jetzt wegen der Ermordung Dinks ermittelt werde. Dink war Mitte Januar vor der Redaktion der von ihm geleiteten Zeitung "Agos" erschossen worden. Ein 17-Jähriger aus Trabzon gestand den Mord wenige Tage nach der Tat. Er erklärte, er habe den Journalisten wegen seiner Artikel über den Massenmord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg getötet. Ein weiterer Verdächtiger gab zu, den Jugendlichen angestiftet zu haben.

Ein Polizei-Sprecher wollte die Zeitungsberichte nicht bestätigen. Es seien aber zwei Ermittler nach Trabzon geschickt worden, um zu untersuchen, ob die dortigen Behörden vor dem Mord Fehler begangen hätten. Deren Bericht werde nun abgewartet. Eine Woche nach dem Mord hatte die Regierung in Ankara zwei Spitzenbeamte von Trabzon entlassen. Aus der Stadt stammen alle sechs Männer, gegen die im Zusammenhang mit der Tat ermittelt wird.

als/Reuters