Mordkomplott-Vorwurf Afghanische Behörden verhaften italienische Sanitäter

In Südafghanistan sind drei italienische Sanitäter verhaftet worden. Der Vorwurf gegen sie und mehrere Afghanen: Sie sollen verwundete Soldaten im Krankenhaus getötet haben - und einen Anschlag auf den Gouverneur der Provinz Helmand geplant haben. Die Hilfsorganisation wies alles zurück.

dpa

Von Shoib Najafizada


Kabul - Drei italienische Sanitäter sind in der afghanischen Provinz Helmand festgenommen worden. Ihnen wird nach Angaben der Behörden vorgeworfen, sie hätten den Gouverneur Gulab Mangal bei einem Besuch in der Einrichtung ermorden wollen.

Insgesamt wurden in der Provinzhauptstadt Lashkar Gah am Samstag neun Personen verhaftet, sagte ein Sprecher der Provinzregierung. In einem Lagerraum des Zentrums seien Sprengstoffwesten für Selbstmordattentäter, Handgranaten und Pistolen gefunden worden, die in Medizinkartons versteckt waren.

"Diese explosiven Stoffe wurden mit der Hilfe der ausländischen Angestellten in das Gesundheitszentrum gebracht", sagte Gouverneur Mangal am Telefon zu SPIEGEL ONLINE. Unter den Verhafteten sei auch der Chef des Zentrums. "Die Festgenommenen haben bestätigt, dass sie Anschläge auf Basare, Regierungshäuser und auch auf mich geplant haben", sagte Mangal weiter.

Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE wirft der Politiker den Sanitätern gute Kontakte zu Taliban in Pakistan vor. "Diese Leute haben eine halbe Million Dollar (rund 374.000 Euro) bekommen, damit sie mich töten. Außerdem haben sie viele verwundete afghanische Soldaten im Hospital getötet oder ihnen Arme oder Beine im Auftrag der Taliban amputiert."

Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums sagte hingegen, es gebe noch keine Beweise für die schweren Anschuldigungen. Die Italiener würden verhört. Nun müsse geklärt werden, wer das Material zu welchem Zweck in die Krankenstation gebracht habe.

In Mailand wies die Hilfsorganisation Emergency jede Verwicklung in das Komplott zurück. Die Organisation hat ein gespanntes Verhältnis zu den örtlichen Behörden, weil sie darauf besteht, alle Bedürftigen zu behandeln, darunter möglicherweise auch Taliban-Kämpfer. Emergency ist seit 1999 in Afghanistan und seit 2003 in Lashkar Gah aktiv und betreibt zurzeit 28 Gesundheitszentren sowie drei chirurgische Kliniken und eine Entbindungsstation.

Die Verhaftungen und die Behauptungen des Gouverneurs verunsichern die Bevölkerung von Lashkar Gah. "Nun ist es sehr schwer geworden, den Krankenhäusern zu vertrauen", sagte der Einheimische Abdul Ahad Helmandwal am Telefon zu SPIEGEL ONLINE. "Viele Menschen sind in diesem Gesundheitszentrum gestorben. Ich weiß nicht, ob sie an ihren schweren Wunden starben oder weil diese Ärzte sie getötet haben."

Sieben Soldaten getötet

Am Sonntag sind in der Provinz Kandahar fünf afghanische Mitarbeiter eines Minenräumtrupps beim Anschlag auf ihren Bus ums Leben gekommen. Außerdem wurden 13 Menschen verletzt. Ob sie gezielt oder zufällig zu Opfern wurden, war zunächst nicht klar. Die Taliban legen immer wieder Sprengfallen an Straßen, um vorbeifahrende Fahrzeuge zu treffen.

Ein anderer Anschlag mittels einer Sprengfalle tötete unterdessen einen Angehörigen der internationalen Schutztruppe in Südafghanistan, wie die Nato bekanntgab. Weitere Details wurden nicht bekannt.

In der Provinz Ghazni hat ein afghanischer Soldat im Streit einen polnischen Kollegen niedergeschossen. Auch die Hintergründe dieser Gewalttat blieben zunächst ungeklärt. Nach Angaben eines Sprechers des afghanischen Verteidigungsministeriums ging der Schießerei im Hauptquartier des polnischen Kontingents in der Stadt Ghazni ein Streit voraus. Beide Männer hätten ihre Waffen gezogen, der Pole sei leicht verletzt worden. Der Afghane floh demnach und könnte sich noch irgendwo in dem Lager verstecken.

mit Material von AP



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