Mordversuch an dänischem Zeichner Attentäter soll Anschlag auf Clinton geplant haben

Hätte der Angriff auf den dänischen Karikaturisten verhindert werden können? Laut der Zeitung "Politiken" wurde der Attentäter bereits vor Monaten in Kenia vorübergehend festgenommen - weil er mit Anschlagsplänen gegen US-Außenministerin Clinton in Verbindung gebracht wurde.


Fotostrecke

6  Bilder
Terror: Angriff auf dänischen Karikaturisten
Kopenhagen - Der Somalier, der den dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard angegriffen hat, ist vor einigen Monaten bereits in Kenia festgenommen worden. Der Zeitung "Politiken" zufolge war der Grund ein schrecklicher Verdacht: Der Mann soll mit Anschlagsplänen gegen US-Außenministerin Hillary Clinton in Verbindung gebracht worden sein. Aus Mangel an Beweisen sei er im September jedoch wieder freigekommen, meldet das Blatt unter Berufung auf nicht genannte Quellen.

Der dänische Botschafter in Kenia, Bo Jensen, wies die Darstellung zurück und versicherte, der Somalier habe lediglich Probleme mit seinen Reisedokumenten gehabt und sei deshalb festgehalten worden.

Der 28-Jährige war am Freitagabend in Westergaards Haus eingedrungen. Er bedrohte den 74-Jährigen Karikaturisten mit Axt und Messer und brüllte lauthals "Blut" und "Rache". Westergaard, der unter ständigem Polizeischutz steht, konnte in letzter Sekunde Alarm schlagen und sich gerade noch rechtzeitig mit seiner fünfjährigen Enkelin im Badezimmer einschließen.

Der Angreifer muss sich nun wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Einen Komplizen hatte er offenbar nicht. "Alles deutet darauf hin, dass er alleine handelte und vielleicht einem plötzlichen Impuls folgte", sagte der dänische Geheimdienstchef Jakob Scharf laut der Nachrichtenagentur Ritzau am Samstag.

Harte Strafe gefordert

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) hat eine harte Bestrafung des Angriffs gefordert. "Die Meinungsfreiheit muss gegen die Vertreter von Minderheitenmeinungen verteidigt werden, die mit Waffen versuchen, Terror und Schweigen zu verbreiten", erklärte die Vereinigung am Wochenende. "Einige Muslime haben die Bilder Westergaards möglicherweise schockiert, doch es gibt für solche Gewalt und Intoleranz keine Rechtfertigung."

Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" hatte im September 2005 Mohammed-Karikaturen von Westergaard gedruckt, die zu wütenden, weltweiten Protesten mit mehr als 100 Todesopfern führten. Unter anderem wurde der Prophet mit einer Bombe in seinem Turban abgebildet. Viele Muslime empfinden jegliche Abbildung des Religionsstifters als Beleidigung.

Nach jüngsten Angaben des dänischen Geheimdienstes PET hatte die Tat des 28-jährigen Somaliers einen terroristischen Hintergrund. Auch wenn es so ausgesehen haben mag, als habe er allein gehandelt, habe der Attentäter Verbindungen zu den radikal-islamischen Schabab-Milizen und zur Führung des Terrornetzwerkes al-Qaida in Ostafrika gehabt. Geheimdienstchef Jakob Scharf stufte den Vorfall als "sehr schwerwiegend" ein.

Wie zur Bekräftigung veröffentlichte die Schabab-Miliz in Somalia eine Stellungnahme: Man begrüße den Anschlagsversuch auf Kurt Westergaard, sagte ein Sprecher in Mogadischu. Ein "somalischer Junge" habe "den Teufel angegriffen, der den Propheten Mohammed beleidigt hat". Al-Qaida-Chef Osama bin Laden hatte bereits 2008 angekündigt, Europa werde für die Karikatur bestraft werden.

Weitere Anschläge befürchtet

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei hat sich der Angriff auf Westergaard folgendermaßen abgespielt:

  • Am Freitagabend gegen 22 Uhr war der Täter in das Haus des 74-jährigen Westergaard in der Nähe von Århus eingedrungen, indem er eine Glasscheibe der Haustür zerschlug.
  • Doch dem Zeichner und seiner fünfjährigen Enkeltochter gelang es, vor dem Angreifer in das zum Sicherheitsraum ausgebaute Badezimmer zu flüchten und von dort die Polizei zu verständigen.
  • Der Eindringling habe vergeblich versucht, mit Gewalt in diesen Raum vorzudringen und die Tür zum Bad einzuschlagen. Dabei habe er in gebrochenem Dänisch "Rache" und "Blut" geschrien.
  • Mehrere Polizeieinheiten rasten zum Tatort, wo sie nur wenige Minuten später eintrafen.
  • Die Beamten stellten den Angreifer, er warf seine Axt auf die Beamten und ging mit dem Messer auf sie los.
  • Die Polizisten eröffneten das Feuer und setzten den Somalier außer Gefecht. Er wurde schwer, aber nicht lebensgefährlich durch Schüsse in die rechte Hand und den linken Oberschenkel verletzt.

Westergaard und seine Enkeltochter wurden noch in der Nacht an einen sicheren Ort gebracht. Beide waren bei der Attacke unverletzt geblieben, fühlten sich danach jedoch "sehr erschüttert", wie es der Karikaturist in einem ersten Bericht an seine Zeitung "Jyllands-Posten" formulierte. Es sei ein fürchterliches Erlebnis gewesen für seine Enkeltochter, aber sie habe es gut überstanden. Das Wichtigste sei gewesen, dass er den Reflex gehabt habe, sich sofort in Sicherheit zu bringen. "Es war sehr knapp", sagte Westergaard. "Wirklich knapp, aber wir haben es geschafft."

Nach dem versuchten Mordanschlag rechnet die Regierung in Kopenhagen mit weiteren Angriffen von Islamisten. "Die Terrordrohungen werden nicht aufhören, solange es das Netzwerk al-Qaida gibt", sagte Außenminister Per Stig Møller der Zeitung "Berlingske Tidende". Dänemark werde vermutlich noch lange mit der Terrorgefahr leben müssen.

Westergaards Sicherheitslage war heikel

Seit der Publikation der Mohammed-Karikaturen in der "Jyllands-Posten" 2005 erhielt der Zeichner mehrfach Todesdrohungen und lebte unter Polizeischutz. Westergaards Sicherheitslage war zweitweise so heikel, dass die Behörden zu besonderen Maßnahmen griffen: Auf der Geburtstagsfeier für seine Frau servierte als Kellner ein Sicherheitsbeamter den 50 Gästen das Essen, zwei Polizisten lauerten im Schuppen des Hauses. Im Februar 2008 machte der dänische Polizeigeheimdienst PET ein angebliches Mordkomplott gegen Westergaard öffentlich: Drei Männer in seiner Heimatstadt Århus, zwei tunesische Zuwanderer und ein Däne marokkanischer Herkunft, wurden festgenommen. Ein Dutzend dänischer Zeitungen druckte daraufhin aus Solidarität Westergaards Karikatur nach, jene Zeichnung, die Mohammed mit einer Bombe und brennender Zündschnur im Turban zeigt. Und wieder gab es weltweit Proteste, wurden Autos und dänische Flaggen angezündet.

Zwei Tage nach der Veröffentlichung der Geheimdienstinformationen beendete Westergaard sein Versteckspiel mit den ständig wechselnden Unterkünften. "Ich bin zu alt und zu starrköpfig, um mich noch zu beugen", sagte er im dänischen Fernsehen.

ase/AFP/dpa/Reuters



insgesamt 2394 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
berther 03.01.2010
1. Hass
Lesen sie die Treads und Posts in diesem Forum zu dem besagten Thema und Sie können sehen , woher der Hass kommt. Er ist unter den Menschen unseres Kulturkreises latent vorhanden und bricht sich hier aus relativ unwichtigen Gründen Bahn. Man erkennt etwas was anders ist und verurteilt es , beschimpft es , und hasst es schließlich.Daß man die Reaktion der anderen Kultur selbst verursacht hat , interessiert ncht - man HAT das Recht dazu! Das europäsche Kolonialdenken ist noch immer vorhanden. Unsere Zivilisaton , unsere angeblich menschenfreundliche Religion sind nur ein dünner Farbanstrich über der Barbarei - und diese kommt hier wieder zum Vorschein. Mit EINEM Menschen kann man über so kontroverse Themen noch vernünftig diskutieren - sobald MEHRERE Menschen merken daß andere aus der Anonymität heraus das Selbe Ansicht vertreten wie sie kommt es zum Zusammenschluß einer Herde von blutrünstigen Raubtieren , die zu überspitzten Panikattacken neigt. Und hinterher will wieder keiner schuld gewesen sein - außer den Anderen. Ich wette , das was ich hier schrieb , will keiner glauben und keiner akzeptieren , aber so sind Menschen nun mal. Um es mit Shakespeare zu sagen : " Verstand , du flohst zum blöden Vieh , der Mensch ward unvernünftig !" ( Julius Caesar )
forumgehts? 03.01.2010
2.
Zitat von sysopVier Jahre nach Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen wurde einer der Zeichner beinahe Opfer eines Anschlags, und wieder wird der Ruf nach härteren Reaktionen lauter. Ist Härte die Antwort auf Hass - oder die Niederlage der Werte, die verteidigt werden sollen?
Ich bin mir nicht einmal so sicher, ob es sich in solchen Fällen wirklich um Hass handelt. Vermutlich sind es Leute, die "todsicher" ins TV kommen wollen. Früher hätte man in Europa gewusst, was in solchen Fällen zu tun ist, aber Europa hat sich aufgegeben.
jasyd 03.01.2010
3.
Zitat von bertherLesen sie die Treads und Posts in diesem Forum zu dem besagten Thema und Sie können sehen , woher der Hass kommt. Er ist unter den Menschen unseres Kulturkreises latent vorhanden und bricht sich hier aus relativ unwichtigen Gründen Bahn. Man erkennt etwas was anders ist und verurteilt es , beschimpft es , und hasst es schließlich.Daß man die Reaktion der anderen Kultur selbst verursacht hat , interessiert ncht - man HAT das Recht dazu! Das europäsche Kolonialdenken ist noch immer vorhanden. Unsere Zivilisaton , unsere angeblich menschenfreundliche Religion sind nur ein dünner Farbanstrich über der Barbarei - und diese kommt hier wieder zum Vorschein. Mit EINEM Menschen kann man über so kontroverse Themen noch vernünftig diskutieren - sobald MEHRERE Menschen merken daß andere aus der Anonymität heraus das Selbe Ansicht vertreten wie sie kommt es zum Zusammenschluß einer Herde von blutrünstigen Raubtieren , die zu überspitzten Panikattacken neigt. Und hinterher will wieder keiner schuld gewesen sein - außer den Anderen. Ich wette , das was ich hier schrieb , will keiner glauben und keiner akzeptieren , aber so sind Menschen nun mal. Um es mit Shakespeare zu sagen : " Verstand , du flohst zum blöden Vieh , der Mensch ward unvernünftig !" ( Julius Caesar )
Ich glaube es nicht, nun sind diejenigen, die sich gegen eine "Kultur" des Massenmordes wehren, die blutrünstigen Raubtiere. Mehr Kommentar ist nicht nötig.
unente, 03.01.2010
4.
Zitat von sysopVier Jahre nach Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen wurde einer der Zeichner beinahe Opfer eines Anschlags, und wieder wird der Ruf nach härteren Reaktionen lauter. Ist Härte die Antwort auf Hass - oder die Niederlage der Werte, die verteidigt werden sollen?
Wenn sich die "Härte" ausschließlich auf die Möglichkeit der Ausschöpfung, der im Rechtssystem vorgesehenen Strafmaße bezieht: die einzig mögliche Antwort. Diese Antwort darf sich aber auch nur gegen Täter und mögliche Drahtzieher richten und nicht allgemein gegen alle Mitglieder einer Glaubensrichtung - auch wenn die ebenfalls kritisch gegenüber bestimmten "Meinungsfreiheiten" eingestellt sind. Nur Gewalt darf nicht toleriert werden.
Toerpe Schweiz 03.01.2010
5.
Zitat von bertherLesen sie die Treads und Posts in diesem Forum zu dem besagten Thema und Sie können sehen , woher der Hass kommt. Er ist unter den Menschen unseres Kulturkreises latent vorhanden und bricht sich hier aus relativ unwichtigen Gründen Bahn. Man erkennt etwas was anders ist und verurteilt es , beschimpft es , und hasst es schließlich.Daß man die Reaktion der anderen Kultur selbst verursacht hat , interessiert ncht - man HAT das Recht dazu! Das europäsche Kolonialdenken ist noch immer vorhanden. Unsere Zivilisaton , unsere angeblich menschenfreundliche Religion sind nur ein dünner Farbanstrich über der Barbarei - und diese kommt hier wieder zum Vorschein. Mit EINEM Menschen kann man über so kontroverse Themen noch vernünftig diskutieren - sobald MEHRERE Menschen merken daß andere aus der Anonymität heraus das Selbe Ansicht vertreten wie sie kommt es zum Zusammenschluß einer Herde von blutrünstigen Raubtieren , die zu überspitzten Panikattacken neigt. Und hinterher will wieder keiner schuld gewesen sein - außer den Anderen. Ich wette , das was ich hier schrieb , will keiner glauben und keiner akzeptieren , aber so sind Menschen nun mal. Um es mit Shakespeare zu sagen : " Verstand , du flohst zum blöden Vieh , der Mensch ward unvernünftig !" ( Julius Caesar )
Und nun klären Sie uns über den Zusammenhang zwischen dem unter "den Menschen undeses Kulturkreises latent vorhandenen" Hasses und dem Angriff eines radikalen mulsimischen Somaliers auf den dänischen Karikaturisten auf?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.