Extreme Korruption in Mosambik Wenn 500 Millionen Dollar einfach verschwinden

Transparency International prangert Korruption an, ein krasses Beispiel liefert Mosambik. Das Land nahm Kredite über zwei Milliarden Dollar auf, für Thunfisch-Trawler. Eine halbe Milliarde ging verloren. Einen Hauptverdächtigen gibt es schon.
Zwei Milliarden für neue Thunfisch-Fischer, die nur wenig fischten

Zwei Milliarden für neue Thunfisch-Fischer, die nur wenig fischten

Foto: Grant Neuenburg/ REUTERS

Eigentlich sollte es für Manuel Chang, Mosambiks früheren Finanzminister, wohl ein kurzer Trip unter arabische Sonne in den Weihnachtsferien werden. Und beim Start vom Hauptstadtflughafen Maputo lief auch noch alles wie geplant.

Dann aber kam etwas dazwischen: Beim Umsteigen am Flughafen von Johannesburg wurde Chang gebeten, kurz den Transitbereich zu verlassen. Kaum war er nach Südafrika eingereist, nahmen ihn Polizisten fest. Jetzt, Wochen später, sitzt er dort immer noch in Haft.

Chang wird Korruption im großen Stil vorgeworfen, genauer: Verschwörung zu Finanzbetrug und Geldwäsche. Er selbst soll zwölf Millionen Dollar dafür bekommen haben, 2013 als Minister einen riesigen Kreditvertrag abzusegnen, den das Land dann über zwei Jahre geheim hielt.

Manuel Chang in einem Gerichtssaal in Südafrika

Manuel Chang in einem Gerichtssaal in Südafrika

Foto: WIKUS DE WET/ AFP

Chang streitet jedes Fehlverhalten ab. Weil aber die US-Justiz den gesamten Skandal um die fragwürdigen Kredite von mehr als zwei Milliarden Dollar für Changs verarmtes Heimatland aufklären will, hat sie seine Auslieferung beantragt.

Im neuen Tansparency-International-Korruptionsbericht für 2018 fiel Mosambik auch wegen der Causa Chang noch einmal zurück. Innerafrikanisch liegt das seit 1975 von der ehemaligen Freiheitsbewegung Frelimo regierte Land auf einem der hintersten Plätze.

500 Millionen Dollar, einfach weg

Der Fall des mutmaßlich bestochenen Finanzministers Chang und Mosambiks steht exemplarisch dafür, wie in manchen Ländern eigentlich öffentliche Mittel in private Taschen wandern. Am dreistesten wird dort gestohlen, wo wie in Mosambik, Simbabwe oder Kamerun lange eine Partei oder Herrscherfamilie ohne echte demokratische Kontrolle regiert.

Chang ist, so sehen es zumindest die US-Behörden, eine zentrale Figur in einem der größten afrikanischen Korruptionsskandale der vergangenen Jahre. Außerdem angeklagt sind in New York drei ehemalige Banker des schweizerischen Finanzkonzerns Credit Suisse (CS). Die Bank selbst steht nicht im Visier der Behörden.

Eine Untersuchungskommission hat bislang herausgefunden, dass sich das bitterarme Land bei der russischen Staatsbank VTB und der CS zwischen 2013 und 2014 insgesamt zwei Milliarden Dollar lieh.

Das Geld sollte eigentlich für eine Thunfischfangflotte sowie Patrouillenboote und Küstenschutzradare ausgegeben werden. Über die Verwendung von 500 Millionen Dollar allerdings gibt es gar keine Nachweise. Güter, für die 700 Millionen Dollar bezahlt wurden, waren eigentlich viel weniger wert.

Als Mosambik seine zunächst verheimlichten Schulden 2016 doch bekannt gab, reagierte der Internationale Währungsfonds verärgert und stellte seine Hilfszahlungen ein. Die Folge: eine tiefe Wirtschaftskrise.

Schulden werden erst ab 2021 wieder bedient

In seiner Not gab das Land Staatsanleihen heraus, für weitere 700 Millionen. Inzwischen hat Mosambik erklärt, dass es weder die zwei Milliarden Dollar in Krediten noch die Staatsanleihen zurückzahlen werde. Hoffnung macht Maputo seinen Geldgebern erst ab 2021. Dann sollen Einnahmen aus neu entdeckten Gasvorkommen frisches Geld bringen.

Laut US-Behörden sollen im Zusammenhang mit dem verheimlichten Kredit ungefähr 200 Millionen Dollar Schmiergeld gezahlt worden sein. Die "Financial Times" zitiert aus der US-Anklageschrift in der Causa Chang einen nicht namentlich genannten mosambikanischen Beamten, der einem Manager des beauftragten Schiffbauers gesagt habe: "Es wird Beteiligte geben, um deren Interessen man sich auch kümmern muss, etwa den Verteidigungsminister, den Innenminister, die Luftwaffe und so weiter. In demokratischen Ländern wie unserem kommen und gehen die Leute, und jeder will seinen oder ihren Teil des Deals, solange er oder sie im Amt ist."

Verteidigungsminister war damals ein gewisser Filipe Nyusi. Heute ist er Chef der Frelimo und Staatspräsident von Mosambik. Er hat Aufklärung versprochen.

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