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10. Dezember 2007, 12:13 Uhr

Moskau

Putin will Aufsichtsratschef von Gasprom als Präsidenten

Der russische Präsident Wladimir Putin hat seine Wahl getroffen: Nach Agenturangaben soll der Gasprom-Aufsichtsratschef Dmitrij Medwedew sein Nachfolger werden.

Moskau - Der stellvertretende russische Ministerpräsident Dmitrij Medwedew, 42, ist der Kandidat der Partei Einiges Russland für die Präsidentschaftswahl im März. Wie russische Nachrichtenagenturen mitteilten, soll der Aufsichtsratsvorsitzende des staatlichen Energie-Monopolisten Gasprom nun Staatspräsident werden.

Putins Wunschnachfolger: Gasprom-Aufsichtsratschef Dmitrij Medwedew
REUTERS

Putins Wunschnachfolger: Gasprom-Aufsichtsratschef Dmitrij Medwedew

Der neue russische Staatschef wird am 2. März gewählt. Putin darf nach zwei Amtszeiten nicht wieder antreten.

Medwedews Bewerbung wird nach Angaben russischer Medien von der Regierungspartei Einiges Russland, von der kremlnahen Partei Gerechtes Russland sowie von der Agrarpartei und von der Partei Bürgerkraft getragen. Die Putin-Partei Einiges Russland hatte jüngst die Parlamentswahl haushoch gewonnen.

Die Konsultationen mit den vier Parteiführern seien bisher positiv verlaufen und würden morgen fortgesetzt, sagte Medwedew. Auf einem Parteitag soll Medwedew am kommenden Montag offiziell nominiert werden.

Präsident Putin sicherte dem Vizeregierungschef seine Unterstützung für eine Kandidatur bei der Präsidentenwahl zu: "Seit mehr als 17 Jahren kenne ich ihn sehr gut, und ich unterstütze diesen Vorschlag", zitierten Nachrichtenagenturen den russischen Präsidenten.

Lange Jahre Weggenossen

Medwedew stammt wie Putin aus St. Petersburg und ist wie dieser Jurist. Er lernte Putin dort an der Universität kennen, nachdem dieser 1990 von seinem KGB-Agentenposten in Dresden in seine Heimatstadt zurückgekehrt war, um an der juristischen Fakultät der Universität ausländische Studenten zu überwachen.

Von 1991 bis 1996 arbeitete der jetzige Präsidentschaftskandidat als Dozent an der juristischen Fakultät der St. Petersburger Universität. Zugleich fungierte er als Berater für den außenpolitischen Ausschuss im Magistrat der Stadt. Geleitet wurde dieses Gremium damals von Putin.

Nach dem überraschenden Rücktritt von Präsident Boris Jelzin Ende 1999 leitete Medwedew bis zur Präsidentenwahl im März 2000 in Moskau Putins Wahlkampfstab.

Nach Putins Wahl zum Staatsoberhaupt wurde Freund Medwedew zunächst stellvertretender Stabschef im Kreml. Zugleich rückte er in den Aufsichtsrat von Gasprom und wurde Vorsitzender des Gremiums. 2003 stieg er zum Stabschef im Kreml auf. Zwei Jahre später ernannte ihn Putin zum Ersten stellvertretenden Ministerpräsidenten.

Im Gegensatz zu Iwanow Vertreter des liberalen Flügels

In dieser Position war Medwedew vor allem verantwortlich für die vom Präsidenten angekündigten Sozialprogramme: Seine Aufgabe bestand darin, Einnahmen aus Öl- und Gasverkäufen in eine bessere medizinische Versorgung der Bevölkerung und andere Sozialprogramme zu investieren. Darüber hinaus ist der Politiker bislang kaum öffentlich in Erscheinung getreten.

Seit Monaten war darüber spekuliert worden, wen Putin als Nachfolger favorisiert. Neben Medwedew wurde in diesem Zusammenhang auch der stellvertretende Ministerpräsident und frühere Verteidigungsminister Sergej Iwanow genannt.

Medwedew gilt im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Iwanow, der im Kreml den Ruf eines Falken hat, als Vertreter des liberalen Flügels unter Putins Vertrauten.

Die Chancen für den Wunschnachfolger scheinen nicht schlecht zu stehen: Bisher hat die Mehrheit der Bevölkerung in Umfragen angegeben, bei der Wahl für den Kandidaten zu stimmen, den Putin unterstützt.

rüd/amz/asc/dpa/AP/reuters

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