Russland Zehntausende Menschen fordern Freilassung von Demonstranten

Sie riefen "Freiheit für alle": In Moskau haben sich mehr als 20.000 Menschen auf einer Demonstration versammelt - und sich für Inhaftierte eingesetzt.

Demonstranten in Moskau: "Freiheit für alle"
Tatyana Makeyeva/ REUTERS

Demonstranten in Moskau: "Freiheit für alle"


Tausende Menschen haben in Moskau friedlich für die Freilassung politischer Gefangener demonstriert. Nach Polizeischätzungen versammelten sich etwa 20.000 Protest-Teilnehmer im Zentrum der russischen Hauptstadt. Die NGO "White Counter" zählte mehr als 25.000 Teilnehmer.

Mit der Kundgebung setzte die Kremlkritische Opposition ihre Proteste vom Sommer fort. Sie richteten sich damals zunächst gegen den Ausschluss vieler Kandidaten von der Moskauer Wahl zum Regionalparlament Anfang September.

Bei den Protesten waren zahlreiche Demonstranten festgenommen worden. Hohe Gefängnisstrafen von bis zu vier Jahren und das brutale Vorgehen der Polizei hatten zu einem ungewöhnlich lauten Aufschrei in der Öffentlichkeit geführt (Lesen Sie hier mehr darüber). Unter anderem solidarisierten sich Ärzte, Lehrer, Schauspieler und Priester mit den Verurteilten.

Nawalny nahm teil

Neben Oppositionspolitikern sprach auch der bekannte Kremlkritiker Alexej Nawalny am Sonntag auf der Bühne. Zudem traten vier Männer auf, die nach Druck der Öffentlichkeit bereits freigelassen worden waren. Sie warben für die weitere Unterstützung all jener, die noch in Haft sitzen.

Demonstranten riefen "Freiheit für alle" und "Einer für alle - alle für einen". Sie forderten die Behörden auf, die bei den Protesten in den vergangenen Wochen Verhafteten freizulassen. Noch immer sitzen 13 Männer in Haft, sie wurden entweder bereits verurteilt, einige haben Berufung eingelegt, oder es laufen noch Verfahren gegen sie.

Die Behörden werfen den Männern unter anderem vor, gegen Gesetze verstoßen oder Polizeibeamte verletzt zu haben. Das Auflösen von Demonstrationen rechtfertigten die Sicherheitskräfte im Sommer damit, dass die Proteste nicht genehmigt worden war. Nur selten werden Demonstrationen der Opposition zugelassen, wie Anfang August, als sich mehr als 50.000 Menschen versammelten.

Die jetzige Großkundgebung am Sonntag war vom Moskauer Bürgermeister schließlich erlaubt worden, nachdem die Opposition mehrmals vergeblich versucht hatte, Demonstrationen anzumelden.

jpz/heb/dpa/Reuters



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