Moskauer Geisel-Drama Polizist als Komplize festgenommen

Nach dem blutigen Geiseldrama von Moskau ist ein Polizeioffizier als mutmaßlicher Komplize der Terroristen festgenommen worden. Er soll die Täter mit aktuellen Informationen versorgt haben. Aus US-Regierungskreisen hieß es, das rätselhafte Gas, das bei der Erstürmung des Theaters verwendet wurde, sei ein Opiat gewesen.


Die russische Polizei hatte offenbar einen Kollaborateur der Terroristen in ihren Reihen
REUTERS

Die russische Polizei hatte offenbar einen Kollaborateur der Terroristen in ihren Reihen

Moskau/Kopenhagen/Berlin – Der Polizist habe die tschetschenischen Geiselnehmer in dem Theatergebäude per Mobiltelefon über den aktuellen Stand der Polizeiarbeit informiert, berichtete am Montag die Agentur Interfax. Der Polizist habe jedoch nicht zum Krisenstab gehört, sondern sei im mittleren Polizeidienst mit anderen Aufgaben im Einsatz gewesen. Die russische Polizei hat seit der gewaltsamen Beendigung des Geiseldramas am Samstagmorgen nach eigenen Angaben mehrere mutmaßliche Komplizen der Terroristen festgenommen.

Unterdessen wird weiter über das mysteriöse Gas spekuliert, das bei der Erstürmung des Gebäudes verwendet wurde. Nach Angaben aus Kreisen des US-Verteidigungsministeriums handelt es sich offenbar um ein Opiat. Die amerikanische Botschaft in Moskau habe herausgefunden, dass ein Opium-Derivat verwendet wurde, erklärten Gewährsleute in Washington. Solche Substanzen lähmen die Sinne, können aber auch zu einem Atemstillstand und damit zum Tod führen. Die russische Regierung hat sich bisher nicht zur Art des eingesetzten Gases geäußert.

Die amerikanische Regierung will den Kreml nicht für den Einsatz des Gases kritisieren. US-Präsident George W. Bush bedaure die zahlreichen Todesopfer, verstehe jedoch, dass die Terroristen für die Tragödie verantwortlich seien, erklärte Regierungssprecher Ari Fleischer am Montag. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, sagte, die USA und andere Länder hätten von Moskau Aufklärung über das Gas verlangt. "Diese Information wird von den Ärzten gebraucht", erklärte Boucher. "Wir warten auf eine Antwort, die wir bisher nicht haben."

Das gewaltsame Ende des Geiseldramas am Samstag hatte 116 Geiseln das Leben gekostet.



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