Moskauer Gespräche Atomverhandlungen ergebnislos vertagt

Die zweitägigen Gespräche zwischen Russland und Iran über die Atomkrise haben keine Fortschritte gebracht. Die Verhandlungen sollen aber weitergehen. Weiteren Gesprächen mit der EU-Troika erteilte die Regierung in Teheran eine Absage.


Moskau - Der iranische Delegationsleiter Ali Chosro-Tasch wertete vor dem Abflug aus Moskau die Gespräche positiv. Er hoffe auf eine Übereinkunft, sagte der stellvertretende Leiter des iranischen Sicherheitsrates nach Angaben der Agentur Interfax. Die Verhandlungen gäben in einzelnen Punkten Anlass zu dieser Hoffnung. "Der russische Plan könnte die beste Option sein, den Atomdisput zulösen", sagte Chosro-Tasch der Nachrichtenagentur Khabar. Es sei auch um die Tagung des Gouverneursrates der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) am 6. März in Wien gegangen. "Wir haben vereinbart, bis dahin etwas zu tun", sagte er. Allerdings müssten sich dafür auch Russland und andere Länder bewegen, sagte er.

Von russischer Seite waren dagegen deutliche Zweifel an der Ernsthaftigkeit des iranischen Verhandlungswillen zu hören. Teheran habe keine Bereitschaft zu Zugeständnissen gezeigt, sagte der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im russischen Parlament, Konstantin Kossatschow: "Russland ist wenn nicht eine Geisel, so doch sehr vom guten oder bösen Willen Teherans abhängig." Andere russische Experten nannten die Verhandlungen einen Versuch des Irans, vor einer Weiterleitung des Atomproblems an den Weltsicherheitsrat Zeit zu gewinnen. Ein Durchbruch sei angesichts der begrenzten Vollmachten der Delegation nicht zu erwarten gewesen. Außenminister Sergej Lawrow hielt sich in seiner Bewertung diplomatisch zurück: Angesichts der geplanten Fortsetzung sei es zu früh, von Fehlschlag oder Erfolg zu sprechen. Bei den Gesprächen war es um den Moskauer Vorschlag gegangen, Uran für den Iran auf russischem Gebiet anzureichern.

Der Leiter der russischen Atombehörde Rosatom, Sergej Kirijenko, wird von Donnerstag bis Sonntag nach Teheran reisen. Er will mit dem für Atomfragen zuständigen Vizepräsidenten Gholam-Reza Agasade sprechen und die Baustelle des Atomkraftwerks Buschehr besuchen.

Am Morgen hatte Iran weiteren Gesprächen mit der EU-Troika eine Absage erteilt. Die Regierung wolle nicht mehr mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien über sein Atomprogramm verhandeln, sagte Außenminister Manuschehr Mottaki in Teheran. Weitere Gespräche könnten nur noch mit einzelnen Staaten geführt werden. Die EU-Troika hatte in den vergangenen Monaten versucht, Teheran durch ein gemeinsames Auftreten im Atomstreit zum Einlenken zu bewegen. Die Verhandlungen waren jedoch ausgesetzt worden, nachdem Iran am 10. Januar die Urananreicherung wieder aufgenommen hatte.

ler/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.