Terror im Irak Dschihadisten nehmen 48 Geiseln in türkischem Konsulat

Dschihadisten im Nordirak haben die türkische Vertretung in Mossul gestürmt und 48 Geiseln genommen - darunter den Konsul. Auch die Stadt Tikrit haben die militanten Islamisten gestürmt.
Terror im Irak: Dschihadisten nehmen 48 Geiseln in türkischem Konsulat

Terror im Irak: Dschihadisten nehmen 48 Geiseln in türkischem Konsulat

Foto: STRINGER/IRAQ/ REUTERS

Mossul/Ankara - Die Dschihadisten im Irak haben in der Stadt Mossul das Konsulat der Türkei gestürmt und 48 Menschen als Geiseln genommen. Ein Regierungsvertreter in Ankara nannte diese Zahl am Mittwochnachmittag. Unter den Geiseln befindet sich nach übereinstimmenden Angaben der türkische Generalkonsul Öztürk Yilmaz.

Auch Angehörige einer Spezialeinheit, Konsulatsangestellte und mindestens drei Kinder seien verschleppt worden. Offenbar haben Kämpfer der Terrorgruppe "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (Isis) die Geiseln zu einem Militärstützpunkt gebracht, den sie tags zuvor erobert hatten. Nach Angaben aus Ankara sollen die Entführten unverletzt sein.

Am Dienstag hatten Isis-Kämpfer die zweitgrößte Stadt des Irak eingenommen. Seither war auch die Telefonverbindung zum türkischen Konsulat in Mossul gekappt. Die Regierung in Ankara hatte nach eigenen Angaben umgehend einen Plan zur Evakuierung der Diplomaten in die Wege geleitet, dieser habe jedoch so kurzfristig nicht mehr umgesetzt werden können. Nach der Geiselnahme berief Regierungschef Recep Tayyip Erdogan ein Krisentreffen ein. Außenminister Ahmet Davutoglu verkürzte seine US-Reise.

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Irak: Massenflucht vor dem Terror der Isis

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Hunderttausende Zivilisten haben sich mittlerweile von Mossul aus auf den Weg in die Nachbarprovinzen gemacht. Die meisten von ihnen flüchten in die kurdischen Autonomiegebiete. Die Flüchtlinge trauen den dortigen Peschmerga-Milizen eher zu, die Dschihadisten zu bekämpfen, als der irakischen Armee.

In der Hauptstadt Bagdad kamen am Mittwoch bei einem Selbstmordattentat mindestens 16 Menschen ums Leben. Der Attentäter habe sich in einer Menschenansammlung im schiitischen Armenviertel Sadr City in die Luft gesprengt, berichteten Polizei und Mediziner.

Hatz auf religiöse Minderheiten im Irak

Am Mittwoch setzten die Isis-Terroristen ihren Vormarsch im Irak fort. Seit dem Vormittag kontrollieren die Milizionäre die größte Öl-Raffinerie des Landes in Baidschi. Am Nachmittag stürmten die militanten Islamisten auch die nördlich von Bagdad gelegene Stadt Tikrit, den Geburtsort von Ex-Diktator Saddam Hussein. Wie schon in Mossul am Tag zuvor stürmten die Eroberer das Gefängnis der Stadt und befreiten hunderte Häftlinge.

Die irakischen Regierungstruppen ließen bei ihrer Flucht aus Mossul zum Teil modernstes Kriegsgerät zurück: Auf dem Flughafen der Stadt erbeuteten die Dschihadisten mindestens einen Black-Hawk-Kampfhubschrauber. Außerdem fielen den Isis-Kämpfern Artilleriegeschütze und Humvee-Geländewagen in die Hände.

Mit der Eroberung Mossuls sind religiöse Minderheiten akut bedroht. Die Stadt war einst ein Zentrum zahlreicher Ostkirchen. Die konfessionelle Gewalt der vergangenen zehn Jahre hat bereits viele Christen in die Flucht getrieben, die Machtübernahme der Isis dürfte diesen Exodus weiter forcieren. Schon in den ersten Stunden nach der Einnahme der Stadt setzten die Terroristen mehrere Kirchen und schiitische Moscheen in Brand.

syd/fab/AFP/Reuters