Allianz zum Sturm auf Mossul Alle gegen den "Islamischen Staat"

Wer will was in Mossul? Eine Koalition ungleicher Partner attackiert den IS in Iraks zweitgrößter Stadt. Die USA bombardieren, Schiiten, Peschmerga und irakische Armee kämpfen am Boden: Wer ist wer in der 25.000 Mann starken Allianz?


Wochenlang angekündigt, rollt sie nun: Die Offensive auf das seit Mitte 2014 von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) besetzte Mossul, die zweitgrößte Stadt des Irak.

Am frühen Montagmorgen meldete Iraks Premier Haider Al-Abadi den Beginn der Operation, unterstützt durch Luftangriffe der US-Armee. Aus fünf Richtungen will eine Allianz mit bis zu 25.000 Kämpfern auf die Stadt am Tigris-Ufer rund 400 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bagdad vorrücken.

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Eine Koalition aus sehr unterschiedlichen Verbündeten soll die Islamisten aus der Stadt jagen und sie, wenn möglich, sogar entscheidend schlagen. Wer ist wer im Sturm auf Mossul?

Peschmerga auf dem Weg nach Mossul
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Peschmerga auf dem Weg nach Mossul

Kurdische Peschmerga: Die Kämpfer der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak kontrollieren große Teile des Umlands der Stadt. Ihre Truppenstärke wird auf etwa 4000 Kämpfer geschätzt, sie sollen vor allem Vororte unter ihre Kontrolle bringen und von ihren Hochburgen östlich von Mossul aus vorrücken.

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Marsch auf Mossul: Irak und Peschmerga beginnen Offensive

Geplant ist bislang, dass die Peschmerga die Operation nach einer Absprache mit der Zentralregierung unterstützen, aber nicht in die Stadt selbst einrücken. Dafür dürften sie mehrere Orte im Umland von Mossul unter ihre Kontrolle bringen. Bereits am Montag meldeten die Peschmerga erste Erfolge in Ortschaften etwa 40 Kilometer vor der Großstadt, der Jubel könnte aber verfrüht sein: In der Vergangenheit haben sich vergleichbare Erfolgsmeldungen teils als falsch herausgestellt.

Iraks Armee und Polizei rücken nach Norden vor
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Iraks Armee und Polizei rücken nach Norden vor

Irakische Nationalarmee: Das von den USA mitausgebildete Militär soll die Offensive anführen und auch in die Stadt einrücken, zuerst mit Spezialeinheiten, die schon andernorts gegen den IS gekämpft haben. An der Seite der Armee werden laut Plan auch Kräfte der Polizei kämpfen. Die irakische Armee soll den IS in der Stadt von Süden her angreifen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, flogen irakische Kampfhubschrauber bereits in den ersten Stunden Angriffe auch auf den Osten der Stadt. Die Armee erklärte in einem ersten Statement nach Beginn der Offensive, man habe mehrere IS-Verteidigungsstellungen zerstört.

Schiitische Kämpfer im Mai 2016
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Schiitische Kämpfer im Mai 2016

Schiitische Milizen: Auch die berüchtigten Milizen erklärten im Vorfeld, sie würden an dem Feldzug teilnehmen. Allerdings ist ihr Einsatz heikel: Mossul ist im Irak die größte Hochburg der Sunniten. Diese lehnen einen Einsatz schiitischer Milizen ab. Es wird befürchtet, dass Kräfte der schiitischen Glaubensrichtung unter der sunnitischen Bevölkerung in der Region Ninawa, in der Mossul liegt, wüten und damit einen weiteren Anstieg der Flüchtlingszahlen auslösen könnten. Sollte es dazu kommen, sagen Beobachter einen Zerfall des Bündnisses voraus.

Türkei: Das türkische Militär hat unweit von Mossul 2000 Soldaten stationiert, die irakische Kämpfer ausbilden. Von einem zentralen türkischen Trainingslager aus soll laut türkischen Quellen die Hälfte der dort ausgebildeten Kämpfer in Richtung Mossul unterwegs sein. Dabei handle es sich um 1500 Bewaffnete einer multiethnischen Truppe aus Schiiten, Christen, Jesiden und Turkmenen. Die Türkei hatte erklärt, den Sturm auf Mossul unterstützen zu wollen.

US-Kampfjets im Persischen Golf
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US-Kampfjets im Persischen Golf

Internationale Koalition gegen den IS und lokale Milizen: Die Flugzeuge des von den USA geführten Bündnisses sind bereits seit mehr als seit zwei Jahren im Irak im Einsatz. Sie unterstützen die Mossul-Kampagne mit Luftangriffen. An der Seite der irakischen Armee kämpfen mehrere Tausend Mitglieder lokaler sunnitischer Milizen sowie von Stammeseinheiten. Auch sie sind unter anderem vom türkischen Militär ausgebildet worden.

Kurdische PKK-Kämpfer: Nordwestlich von Mossul sind auch Kämpfer der kurdischen Arbeiterpartei PKK stationiert, die von der Türkei bekämpft wird. Sie könnten auf den Plan gerufen werden, wenn auch die türkischen Soldaten in die Operation eingreifen sollten.

Die Bruchlinien zwischen Türken und Kurden, aber auch zwischen Schiiten und Sunniten, könnten den groß angelegten Angriff auf den IS gefährden. Der Erfolg hängt auch davon ab, ob das Bündnis der ungleichen Koalitionäre hält - oder ob die Kräfte sich irgendwann auch gegeneinander stellen.

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cht/dpa/Reuters

insgesamt 37 Beiträge
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heavenstown 17.10.2016
1. Viel Glück, und...
... hoffentlich bleibt der Damm heil! Das wäre sonst ein Riesendesaster.
cum infamia 17.10.2016
2. Frauen und Kinder ?
Gibt es in Mossul ( wie in Ost-Aleppo) nicht auch Frauen und Kinder ? Warum wird dann dort gebombt ? Oder gilt hier wieder einmal : "Quod licet iivi, non licet bovi" Ich ahne Schreckliches...
mundi 17.10.2016
3. Die halbe Wahrheit! (General Kujat)
Zitat von cum infamiaGibt es in Mossul ( wie in Ost-Aleppo) nicht auch Frauen und Kinder ? Warum wird dann dort gebombt ? Oder gilt hier wieder einmal : "Quod licet iivi, non licet bovi" Ich ahne Schreckliches...
Dort fallen nur gute Bomben, DIN-genormt und von Ärzten ohne Grenzen genehmigt. Deshalb braucht man auch keine Bilder getöteter Kindern. Was nebenbei auffällt ist, dass nie Bilder der von westlichen Bomben getöteten Kindern gezeigt werden. Wie General Kujat sagte: Nicht die Wahrheit, die halbe Wahrheit.
HerrPeterlein 17.10.2016
4. Es wird auch
Wie bei jedem Krieg, bei den eine lokale Armee nach mehreren Jahren aus einer Großstadt vertrieben werden soll, wird es für die Zivilbevölkerung große Leiden geben. Wobei die IS verzweifelt sein wird, der Übergang zwischen IS, deren militärischer Nachwuchs, eigenen Familien und Infrastruktur, hin zur rein zivilen Infrastruktur, alles ein fliessender Übergang. Mal abgesehen wo die IS die ganzen Waffen und Geld her hat, es wird nicht anderes laufen als Aleppo, höchstens sich noch länger hinziehen mit noch mehr Toten.
Samuell 17.10.2016
5.
Na dann!Mit wehenden Fahnen und Blumen in Anschlag wird nun also die Millionenstadt Mossul befreit. Die Türkei mischt auf fremden Staatsterritorium mit, obwohl die irakische Regierung deren Abzug verlangt hat. In den letzten Tagen hat die US-Luftwaffe Mossul masiv bombardiert. Zivilisten gibt es hier sicherlich nicht und wenn doch
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