Kampf um Mossul Uno wirft IS Massaker an Zivilisten vor

Bei der Schlacht um die irakische Stadt Mossul verübt der IS Gräueltaten an Zivilisten. In Dörfern seien Dutzende Leichen gefunden worden, so die Uno. Viele Orte sind zudem vermint.

AFP

Mossul ist die letzte Bastion der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Irak. Nun soll die Stadt am Tigris nach fast zweieinhalb Jahren zurückerobert werden. In den ersten Tagen der Offensive haben irakische Armee, kurdische Peschmerga und verschiedene verbündete Milizen mehr als ein Dutzend Dörfer zurückerobert. Im Osten sind die Soldaten nur noch wenige Kilometer von Mossul entfernt, während es im Süden 30 Kilometer sind.

In vielen zurückeroberten Orten offenbart sich, mit welcher Grausamkeit der IS gegen Zivilisten vorgeht. Der Uno liegen Berichte vor, wonach die Extremisten in der Region Massaker an der Bevölkerung begehen.

  • Im Dorf Tulul Naser südlich von Mossul seien die Leichen von 70 Zivilisten gefunden worden, sagte ein Sprecher der Vereinten Nationen. Sie hätten Schusswunden aufgewiesen.
  • Auch sollen 50 frühere Polizisten nahe Mossul umgebracht worden sein.
  • Im Dorf Safina südlich von Mossul seien 15 Zivilisten getötet und ihre Leichen in einen Fluss geworfen worden, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Sechs mutmaßliche Angehörige von Anti-IS-Kämpfern wurden demnach an ein Auto gebunden und durch das Dorf geschleift.
  • Dem Sprecher zufolge gibt es auch Berichte, wonach IS-Kämpfer drei Frauen und drei Mädchen erschossen und vier weitere Kinder verletzten. Sie sollen bei einer Vertreibung nicht schnell genug mitgekommen sein, weil eines der Kinder behindert war.

Selbst wenn die Dschihadisten aus ihren Dörfern vertrieben werden, bleiben sie gefährlich für Zivilisten. Denn in vielen Orten unter ihrer Herrschaft haben die Extremisten Sprengfallen versteckt. "Die verminen alles, es ist Wahnsinn", sagt ein Minensucher vor Mossul, den der SPIEGEL getroffen hat. Lesen Sie hier die ganze Reportage über ihn. Er ist zuständig vor allem für verminte Straßen, aber in befreiten Orten sollte man keine Tür öffnen, keinen Kühlschrank, keinen Wasserhahn und keine Kaffeetasse anfassen. Die Gefahr ist allgegenwärtig.

Am Straßenrand haben Soldaten entschärfte Minen in dem Gebiet um Mossul teilweise einfach liegengelassen. Rote Fähnchen warnen davor, wo noch scharfe Sprengfallen versteckt sind. Autofahrer achten genau darauf, dass sie nicht von der Fahrbahn abkommen.

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Der IS hatte bereits auf seinem Vormarsch vor zwei Jahren Gräueltaten an der Bevölkerung begangen. So wurden viele Angehörige von Minderheiten getötet, versklavt oder vertrieben. Auch südlich von Mossul hat das irakische Militär nach eigenen Angaben rund 200 Familien befreit, die von der Terrormiliz festgehalten worden waren.

Die Uno erwartet offenbar, dass mit dem Vorrücken der Truppen in den kommenden Tagen weitere Zivilisten fliehen werden. Derzeit befinden sich bereits mehr als 5000 Menschen an den Rändern Mossuls auf der Flucht, teilte die Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council (NRC) am Montag mit.

Aus der Stadt selbst sei eine Flucht aber fast unmöglich, so ein Mann aus Mossul gegenüber dem "Guardian". Um das Stadtgebiet seien Gräben gezogen worden. Ein anderer Mann sagte: "Jeder, der versucht zu fliehen, wird erschossen."

Flucht vor Kämpfen und giftigen Feuern

800 Menschen sind zudem südlich von Mossul vor giftigen Rauchschwaden geflohen. Der IS hatte vor wenigen Tagen ein Schwefelwerk in Brand gesetzt. Nach Angaben der Hilfsorganisation führte dies zu schweren Atemproblemen bei den Menschen in der näheren Umgebung, sodass diese auf der Suche nach medizinischer Hilfe seien.

Die Verteidigungsminister der USA, Deutschlands und anderer westlicher Staaten beraten zurzeit in Paris über die Militäroffensive auf Mossul. Die 30.000 Mann starke Truppe der Iraker wird von einer internationalen Koalition unter Führung der USA unter anderem mit Luftangriffen unterstützt.

Der französische Präsident François Hollande sagte am Dienstag zum Auftakt des Treffens, die mögliche Rückkehr von IS-Kämpfern nach Europa sei Grund zur Sorge. "Wir müssen sehr wachsam sein."

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