Mossul Saddams letzte Soldaten ergeben sich

Die nordirakische Stadt Mossul ist gefallen. Ohne größeren Widerstand haben amerikanische Soldaten und kurdische Kämpfer die Stadt eingenommen. Die irakischen Soldaten haben kapituliert. Wie auch in Bagdad herrscht nun Chaos in der Stadt. Bewaffnete Banden begannen mit der Plünderung staatlicher Gebäude.



Kirkuk/Doha - Das 5. Corps des irakischen Heers ergab sich und stimmte einem Waffenstillstand zu, wie das US-Oberkommando Mitte in Katar mitteilte. Die US-Streitkräfte würden noch entscheiden, ob die Soldaten als Kriegsgefangene behandelt oder auf freien Fuß gesetzt würden, sagte Militärsprecher Frank Thorp. Die Iraker hätten die "sehr kluge Entscheidung getroffen, für die Zukunft des Irak zu leben anstatt für dieses irakische Regime zu sterben".

Möglicherweise seien einzelne irakische Soldaten noch zu Kämpfen in und um Mossul bereit, räumte Thorp ein. Er bezeichnete es jedoch als sehr bedeutsam, dass ein gesamtes Corps kapituliert habe. Zuvor hatten Augenzeugen erklärt, die irakischen Streitkräfte hätten sich offenbar aus Mossul zurückgezogen.

In der Stadt kam es zu Plünderungen, das Regierungsgebäude im Zentrum der Stadt war verlassen. Die amerikanischen Soldaten waren erst am Morgen gemeinsam mit kurdischen Kämpfern ohne Widerstand in die drittgrößte irakische Stadt marschiert. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte, die Einwohner hätten die Soldaten mit Jubel begrüßt.

Bewaffnete Banden und auch Bürger begannen damit, alle staatlichen Gebäude auszuräumen. Der arabische Fernsehsender al-Dschasira zeigte am Freitagmorgen aus Mossul Bilder von Menschen, die Möbel, Computer und sogar Busse vom Gelände der Universität stahlen.

"Seht Euch dieses Chaos an, soll das etwa die Freiheit sein?" rief ein entsetzter Student. Im Hintergrund waren Schüsse zu hören. Einige kurdische Kämpfer waren am Morgen in die Stadt eingedrungen. US- Soldaten wurden von den Bürgern der Stadt zunächst nicht gesichtet.

Der Kommandeur einer US-Sondereinheit im Raum Dohuk, Oberstleutnant Robert Waltemeyer, hatte zuvor gesagt, es werde alles getan, um die Bedingungen für eine politische Lösung in Mossul zu schaffen. Er beschied dem Kommandeur der kurdischen Peschmerga, General Babakir Zebari, dass dessen Truppen nicht nach Mossul einrücken dürften.

Südlich der Stadt Kifri im Nordirak waren Tausende junge irakische Soldaten unterwegs. Sie hatten ihre Uniformen abgelegt und erklärten, sie seien auf dem Weg nach Bagdad. Ihre Kommandeure seien verschwunden. Nach Angaben von CNN hatten sie teilweise ihre Waffen an kurdische Peschmerga-Kämpfer abgegeben und bewegten sich nun zu Fuß in Richtung Bagdad, berichtete ein CNN-Korrespondent. Die Kommandeure der irakischen Armee-Einheiten in der Region sollen sich bereits vor etwa zehn Tagen entfernt haben.

Den Soldaten wurden den Angaben nach die Ausweise abgenommen. Als sie versucht hätten, auch zu fliehen, hätten Aktivisten der regierenden Baath-Partei sie wieder an die Front geschickt. Nach dem Fall von Bagdad hätten sich Tausende entschieden, "nach Hause" zu gehen. Viele hätten auch ihre Uniformen zurückgelassen und trügen Straßenkleidung. Manche gingen barfuß.

Die mit den US-Streitkräften im Nordirak kämpfenden kurdischen Einheiten kündigten indes an, die von ihnen besetzte Ölförderstadt Kirkuk bald zu räumen. Ein kurdischer Befehlshaber sagte am Freitag: "Ja, wir denken, dass wir abrücken, wenn die Amerikaner kommen, und das kann gut noch heute passieren." In der Stadt selbst war es heute ruhig, nachdem am Vortag die Bevölkerung ihre Befreiung gefeiert hatte. Vor der Stadtverwaltung parkten fünf Busse. Kurdische Kämpfer sagten, sie würden wohl noch im Laufe des Tages in ihre Ausgangsstellungen zurückkehren.

Die Türkei hatte zuvor auf einen Abzug gedrungen. Die Regierung in Ankara befürchtet, dass ein Erstarken der Kurden im Nordirak auch separatistischen Bestrebungen der Kurden im Südosten der Türkei wieder Auftrieb geben könnte. Eine dauerhafte Präsenz kurdischer Kämpfer in der Stadt sei für die Türkei inakzeptabel, hatte ein Regierungssprecher am Donnerstag gewarnt.

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