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07. Juli 2011, 21:34 Uhr

Mubarak-Vertraute

Brutale Kamel-Reiter vom Tahrir-Platz angeklagt

Es war einer der blutigsten Tage der ägyptischen Revolution: Männer auf Pferden und Kamelen stürmten den Kairoer Tahrir-Platz und verletzten Hunderte Demonstranten mit Peitschen und Macheten. Jetzt wurden die Vertrauten des Ex-Präsidenten Mubarak angeklagt - doch im Land regt sich neuer Unmut.

Kairo - Die Bilder gingen um die Welt: Reiter, die auf Kamelen mitten in die Menge friedlicher Regime-Kritiker preschen, um die Demonstration auf Tahrir-Platz in Kairo gewalttätig zu beenden. Wegen des brutalen Einsatzes während der Proteste gegen Husni Mubarak hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage gegen 25 Vertraute des gestürzten Staatschefs erhoben.

Ihnen wird vorgeworfen, an der Organisation des Angriffs im Februar beteiligt gewesen zu sein, bei dem Männer in die Regierungsgegner reinritten und mit Stöcken und Peitschen auf sie einhieben. Andere waren mit Macheten bewaffnet. Mindestens drei Menschen wurden an diesem Tag getötet und 600 weitere verletzt. Die am Donnerstag erhobenen Anklagen lauteten unter anderem auf versuchten Mord, wie die amtliche Nachrichtenagentur MENA berichtete.

Der 83 Jahre alte Ex-Präsident Mubarak ist bereits wegen der Gewalt gegen Demonstranten angeklagt. Er befindet sich als Untersuchungshäftling in einem Krankenhaus in Scharm el-Scheich. Die Kairoer Tageszeitung "Al-Shorouk" meldete am Donnerstag auf ihrer Website, die Staatsanwaltschaft der Militärjustiz habe nun ein weiteres Verfahren gegen Mubarak eröffnet. Er steht im Verdacht, bei Rüstungsgeschäften Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben

Ägypten steuert unterdessen auf eine neue Protestwelle zu. Die Jugendbewegung und die Muslimbruderschaft haben für diesen Freitag zu Massenkundgebungen aufgerufen. Unter dem Slogan "Freitag der Abrechnung" wollen sie gegen die aus ihrer Sicht zu lasche Strafverfolgung brutaler Polizeioffiziere und korrupter Ex-Politiker protestieren.

Die zentrale Kundgebung ist wieder auf dem Tahrir-Platz geplant. Dort hatten zu Beginn des "arabischen Frühlings" Hunderttausende Menschen den Rücktritt Mubarak erzwungen. Nach dessen Abgang am 11. Februar übernahm ein Militärrat die Macht. Viele Ägypter sind aber unzufrieden mit dem Fortgang der politischen Veränderungen im Land.

lgr/dpa/dapd

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