Mubarak-Vertraute Brutale Kamel-Reiter vom Tahrir-Platz angeklagt

Es war einer der blutigsten Tage der ägyptischen Revolution: Männer auf Pferden und Kamelen stürmten den Kairoer Tahrir-Platz und verletzten Hunderte Demonstranten mit Peitschen und Macheten. Jetzt wurden die Vertrauten des Ex-Präsidenten Mubarak angeklagt - doch im Land regt sich neuer Unmut.

Tahrir-Platz am 2. Februar 2011: Mubarak-Anhänger gehen brutal auf Demonstranten los
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Tahrir-Platz am 2. Februar 2011: Mubarak-Anhänger gehen brutal auf Demonstranten los


Kairo - Die Bilder gingen um die Welt: Reiter, die auf Kamelen mitten in die Menge friedlicher Regime-Kritiker preschen, um die Demonstration auf Tahrir-Platz in Kairo gewalttätig zu beenden. Wegen des brutalen Einsatzes während der Proteste gegen Husni Mubarak hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage gegen 25 Vertraute des gestürzten Staatschefs erhoben.

Ihnen wird vorgeworfen, an der Organisation des Angriffs im Februar beteiligt gewesen zu sein, bei dem Männer in die Regierungsgegner reinritten und mit Stöcken und Peitschen auf sie einhieben. Andere waren mit Macheten bewaffnet. Mindestens drei Menschen wurden an diesem Tag getötet und 600 weitere verletzt. Die am Donnerstag erhobenen Anklagen lauteten unter anderem auf versuchten Mord, wie die amtliche Nachrichtenagentur MENA berichtete.

Der 83 Jahre alte Ex-Präsident Mubarak ist bereits wegen der Gewalt gegen Demonstranten angeklagt. Er befindet sich als Untersuchungshäftling in einem Krankenhaus in Scharm el-Scheich. Die Kairoer Tageszeitung "Al-Shorouk" meldete am Donnerstag auf ihrer Website, die Staatsanwaltschaft der Militärjustiz habe nun ein weiteres Verfahren gegen Mubarak eröffnet. Er steht im Verdacht, bei Rüstungsgeschäften Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben

Ägypten steuert unterdessen auf eine neue Protestwelle zu. Die Jugendbewegung und die Muslimbruderschaft haben für diesen Freitag zu Massenkundgebungen aufgerufen. Unter dem Slogan "Freitag der Abrechnung" wollen sie gegen die aus ihrer Sicht zu lasche Strafverfolgung brutaler Polizeioffiziere und korrupter Ex-Politiker protestieren.

Die zentrale Kundgebung ist wieder auf dem Tahrir-Platz geplant. Dort hatten zu Beginn des "arabischen Frühlings" Hunderttausende Menschen den Rücktritt Mubarak erzwungen. Nach dessen Abgang am 11. Februar übernahm ein Militärrat die Macht. Viele Ägypter sind aber unzufrieden mit dem Fortgang der politischen Veränderungen im Land.

lgr/dpa/dapd

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Abraksara 08.07.2011
1. Mubarak-System
Zitat von sysopEs war einer der blutigsten Tage der ägyptischen Revolution: Männer auf Pferden und Kamelen stürmten den Kairoer Tahrir-Platz und verletzten Hunderte Demonstranten mit Peitschen und Macheten. Jetzt wurden die Vertrauten des Ex-Präsidenten Mubarak angeklagt - doch im Land regt sich neuer Unmut. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,773101,00.html
Die Pyramiden-Reiter sind alle von Vertrauten Mubaraks angeheuert worden. Hinsichtlich des sich dahinschleppenden Anklage-Verfahrens gegen Mubarak kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass die herrschende Militär-Clique ihren früheren Gönner und Protégé schützt und möglicherweise auf ein vorzeitiges Ableben des krebskranken Despoten spekuliert, um selbst in weiteren Prozessen gegen Ex-Politiker, Ex-Offizielle und Ex-Polizei-Offiziere nicht selbst in die Schusslinie der Justiz zu geraten. Ein toter Mubarak würde all den angeklagten Probanden dann sehr gute Ausreden liefern. Im übrigen ist seit dem Sturz Mubarak's das Land völlig paralysiert, die Leute mit den kaum merkbaren politischen Veränderungen sehr unzufrieden. Die Polizei hat sich aus vielen Bereichen völlig zurück gezogen, die Kriminalität hat zugenommen. Die Justiz ist völlig überfordert und steckt den eigenen Aussagen nach "knietief in den Korruptionsfällen" fest. Das Militär und der senile Militär-Rat -ausgestattet mit allen nur erdenklichen Privilegien- hat bisher den "State of Emergency" nicht aufgehoben und lässt sich fortwährend wie zu besten Mubarak Zeiten in Paraden und Manövern selbstherrlich und aufwendig feiern, während das normale Volk nach wie vor politisch und wirtschaftlich völlig orientierungslos sich selbst überlassen ist. Die gesamte Infra-Struktur des Landes ist nach wie vor vergammelt und runter-gewirtschaftet, die Bevölkerung desillusioniert und wartet auf den großen Ruck aus der Politik. Es sind erhebliche Zweifel angebracht, nachdem Mubarak und seine Vasallen 30 Jahre alles selbst bestimmt und das Land systematisch ausgeplündert haben. Das System Mubarak ist überall präsent.
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