Müllchaos Abfall aus Neapel trifft in Hamburg ein

Unappetitliche Lieferung: Etwa 500 Tonnen Müll aus Neapel haben Hamburg erreicht. Weitere Lieferungen werden in den nächsten Tagen folgen - die Abfalltransporte sollen Italien helfen, das Müllproblem im Süden des Landes in den Griff zu bekommen.


Hamburg - Der erste Mülltransport aus Neapel ist am Freitag in Hamburg eingetroffen. Etwa 500 Tonnen Hausmüll wurden nach Angaben der Stadtreinigung angeliefert. Per Bahn erreichte der Abfall Verbrennungsanlagen im Stadtteil Billbrook und wurde dort entsorgt.

Abfalllieferung aus Neapel: Hilfe für Italiens Müllproblem
AP

Abfalllieferung aus Neapel: Hilfe für Italiens Müllproblem

Seit über zehn Jahren hat die aus der süditalienische Hafenstadt Neapel ein gigantisches Müllproblem. Medienberichten zufolge türmen sich der Stadt und der umliegenden Region Kampanien inzwischen fast 50.000 Tonnen Abfälle auf den Straßen. Die Regierung des im April gewählten Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hat versprochen, das Problem schnell zu beseitigen.

Ein Teil des Mülls wird nun ins Ausland abtransportiert. Allein in Hamburg sollen in den kommenden zehn Wochen etwa 30.000 Tonnen Abfall aus Neapel verbrannt werden. Deutsche Unternehmen wollen im Rahmen eines mit dem italienischen Staat vereinbarten Nothilfeplans insgesamt rund 160.000 Tonnen Müll entsorgen.

Nach Hamburg fahren von nun an wöchentlich bis zu vier Züge mit Müll aus Neapel, sagte ein Sprecher. Weitere Transporte gehen an Verbrennungsanlagen in anderen Bundesländern. Für die Hamburger Stadtreinigung verursacht das Geschäft mit dem Abfall aus Italien nach diesen Angaben kaum zusätzlichen Aufwand. Die Liefermenge von 30.000 Tonnen entspreche einem Müllaufkommen, wie es die Hansestadt in zehn Tagen produziert.

Berlusconi erklärt Müllhalden zum Militärgebiet

Italiens Premier Silvio Berlusconi sagte der Müllkrise am Mittwoch erneut den Kampf an. Die erste Kabinettssitzung wurde am Mittwoch in Neapel abgehalten, um angesichts der seit Jahren andauernden Abfallmisere ein Zeichen zu setzen. Als erste Amtshandlung erklärte der italienische Ministerpräsident Müllhalden und Verbrennungsanlagen in der Region zum "Militärgebiet".

Deponien und Verbrennungsanlagen seien künftig Plätze von "nationalem, strategischem Interesse" und stünden damit unter dem Schutz von Soldaten, kündigte Berlusconi vor Journalisten an. Zugleich habe die Regierung fünf Gelände in der Region von Neapel zu neuen Deponien erklärt, sagte Berlusconi weiter.

"Blockadeaktionen von organisierten Minderheiten werden nicht mehr toleriert", sagte Berlusconi, der Staat werde "mit seiner Autorität eingreifen". Wer zu Protesten gegen neue Deponien aufrufe, riskiere eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren, wer die Arbeit auf den Müllhalden behindere, könne mit drei bis zwölf Monaten Haft bestraft werden.

Die Bewohner von Neapel und Umgebung blockieren regelmäßig die Einrichtung neuer Mülldeponien, weil diese ihrer Ansicht nach zu nah an Wohngebieten liegen und Gesundheitsrisiken darstellen. Gesundheitsminister Maurizio Sacconi kündigte die Entsendung von 200 Gesundheitsexperten in die Region an.

Müllproblem auf einer Stufe mit Naturkatastrophe

Die Regierung ernannte den Direktor des Zivilschutzes, Guido Bertolaso, zum Staatssekretär, der sich allein um die Bewältigung des Müllnotstands in der Region Kampanien kümmern soll. Dabei werde der Bewältigung des Müllnotstands die gleiche Bedeutung beigemessen wie den Aufgaben, die nach einem Erdbeben oder einem Vulkanausbruch bewältigt werden müssten, sagte Berlusconi

Während der Sitzung protestierten Tausende Menschen gegen die Regierungspolitik. In zehn verschiedenen Protestzügen demonstrierten Umweltschützer, Arbeitslose und Einwanderer ohne Papiere gegen die Politik der Regierung Berlusconi. Für die Kabinettssitzung in der Präfektur von Neapel wurde das Zentrum extra gereinigt, in den Vororten lag der Müll jedoch noch haufenweise. Zum Schutz der neuen Regierung waren rund tausend Polizisten im Einsatz.

ssu/amz/AFP/dpa



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