Roland Nelles

Trump und der Mueller-Bericht Freispruch dritter Klasse

Die ganz große Verschwörung wird durch den Bericht von Sonderermittler Robert Mueller nicht enttarnt. Dennoch stellt er dem Präsidenten ein verheerendes Zeugnis aus.
Donald Trump

Donald Trump

Foto: Andrew Harnik/ AP

Jetzt ist also alles in Ordnung? Der Mueller-Bericht ist endlich öffentlich. Trump oder seinem Umfeld konnten keine Straftaten nachgewiesen werden. Auch zu einer Anklage in Sachen Justizbehinderung kommt es nicht. Ist die Sache also ausgestanden? Ist Trump der große Sieger? Und seine Kritiker sind die Verlierer?

Wenn es doch nur so einfach wäre. Die Wahrheit ist leider komplizierter - und unbequemer - für alle Seiten.

Fest steht: Die ganz große Verschwörung wurde hier nicht enttarnt. Aber: Der Mueller-Bericht stellt dem Präsidenten ein verheerendes Zeugnis aus. Für ihn ist der Bericht - wenn überhaupt - nur ein Freispruch dritter Klasse.

Lügen, Manipulationen und miese Tricks

Wer dieses einzigartige Zeitdokument genau studiert, erhält einen Einblick in eine Welt von Lügen, Manipulation und miesen Tricks. In dieser Welt heiligt der Zweck fast jedes Mittel. Es ist Donald Trumps Welt.

Der Präsident und seine Familie werden zwar nicht in Handschellen aus dem Weißen Haus abgeführt, wie manch ein Trump-Gegner schon frohlockte. Aber auch wenn eine Strafverfolgung aus Mangel an Beweisen nicht möglich ist, so liegen doch mindestens Verstöße gegen sämtliche ethischen und moralischen Standards vor, die üblicherweise an einen Präsidenten der Vereinigten Staaten und seine Vertrauten anzulegen wären.

Russische Agenten haben auf Trumps Sieg hingearbeitet, Trump und seine Mitstreiter haben die Hilfe dieser fremden Macht nur zu gern angenommen. Und: Als die Ermittler des FBI die Sache durchleuchten wollten, wurde gelogen, dass sich die Balken biegen. Mögliche Beweismittel wurden vernichtet. Viele Fragen blieben unbeantwortet.

Der Chef selbst hat dann die Ermittlungen in einer Weise torpediert, dass Robert Mueller und die Ermittler ein bemerkenswertes Fazit ihrer Arbeit zogen: Trump wird ausdrücklich nicht vom Vorwurf der Justizbehinderung freigesprochen - stattdessen schieben die Ermittler diese Entscheidung mit allerlei juristischen Begründungen in Richtung Kongress ab.

Amerika ist der Affäre überdrüssig

Die Uhren werden nun wieder zurückgedreht. Die Demokraten werden im Kongress versuchen, die Affäre weiter aufzuklären. Eine Amtsenthebung erscheint dennoch unwahrscheinlich, dazu reichen die Stimmen der Opposition nicht aus. Trump und die Republikaner werden alle Schritte in diese Richtung blockieren.

Amerika ist der Affäre langsam, aber sicher überdrüssig. Der Mueller-Bericht zementiert nur die Spaltung in Trump-Freunde und Trump-Gegner. Wer Trump vorher schon für schuldig hielt, wird dies auch weiterhin so sehen. Und wer ihn für unschuldig hielt, wird seine Meinung nun erst recht nicht mehr ändern.

Die entscheidende Frage ist jetzt, welche der beiden Gruppen bei der nächsten Präsidentenwahl am 3. November 2020 größer ist.