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05. Juli 2008, 18:03 Uhr

Mugabes Zwangsmethoden

Heimlich gedrehtes Video zeigt Wahlbetrug in Simbabwe

Mugabes Schergen kontrollieren fast alles: Erstmals zeigen Filmaufnahmen die perfide Manipulation der Wahl in Simbabwe. Ein heimlich gedrehtes Video dokumentiert, wie Anhänger des Diktators die Wähler aggressiv unter Druck setzen und bedrohen.

London - Neue Beweise für die Wahlmanipulation in Simbabwe: Die Bilder des mit versteckter Kamera gedrehten Videos zeigen etwa, wie Wähler dazu gezwungen werden, sich als Analphabeten zu bezeichnen und das Ausfüllen der Stimmzettel Regierungsvertretern zu überlassen.

Diktator Mugabe: "Es lebe Zanu-PF"
DPA

Diktator Mugabe: "Es lebe Zanu-PF"

Der heimlich aufgenommene Film, den ein Gefängniswärter für die britische Zeitung "Guardian" aufnahm, hat erstmals den Wahlbetrug in Simbabwe dokumentiert. Wie die Zeitung am Samstag berichtete, machte der 36-jährige Gefängniswärter Shepherd Yuda in den sechs Tagen vor der Stichwahl um die Präsidentschaft Aufnahmen von zehn Minuten und 38 Sekunden Länge. Der Film zeigt, wie ein Wahlaufseher im Zentralgefängnis von Harare jeden einzelnen Schritt bei der Stimmabgabe der Wärter kontrolliert.

Seither hat Yuda das Land gemeinsam mit seiner schwangeren Frau und seinen Kindern verlassen, sein Aufenthaltsort wurde geheim gehalten.

Sowohl Yuda selbst als auch seine Kollegen werden von dem "Shambira" genannten Mann in den Wahlprozess eingewiesen. "Shambira sieht, was du wählst, kein Vertun", sagt ein Mann, dessen Bild verschwommen ist, doch der offensichtlich eine Gefängniswärteruniform trägt. "Es gibt keine Möglichkeit, sich zu verstecken", fährt er fort. "Ich hatte gehofft, ich könnte wählen, wenn er nicht guckt, aber er überwachte mich wie ein Falke."

Der Wärter sagte dem "Guardian" über die Einschüchterungsversuche: "Ich habe noch nie so viel Gewalt gesehen. Wie kann eine Regierung, die sich demokratisch nennt, ihr Volk töten, erschlagen und foltern?" Er selbst habe sich zu den geheimen Aufnahmen entschlossen, nachdem sein Onkel als Anhänger der Opposition umgebracht worden sei.

Der 36-Jährige filmte außerdem eine Pflichtversammlung, die führende Mitarbeiter der Strafvollzugsbehörden einberufen hatten. "Es lebe Zanu-PF", (die Regierungspartei von Präsident Robert Mugabe), rief einer der Redner, während die Zuhörerschaft wenig begeistert nachsprach. Das Gesicht des Redners ist auf dem Film zu sehen, er wird aber nicht namentlich genannt. An einer Stelle sagt er, selbst wenn Oppositionsführer Morgan "Tsvangirai gewinnt, er wird niemals dieses Land regieren".

Der 84-jährige Mugabe regiert Simbabwe seit 28 Jahren und wurde am 29. Juni zum sechsten Mal als Staatschef vereidigt, nachdem er zuvor die Stichwahl gewonnen hatte, die von sämtlichen Beobachtern als weder frei noch fair eingestuft wurde. Sein Rivale Tsvangirai, Chef der oppositionellen Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC), hatte den ersten Durchgang für sich entschieden, sich aber kurz vor der Stichwahl zurückgezogen, weil seine Anhänger Opfer einer Einschüchterungskampagne wurden. Bei der Gewalt seien 103 Menschen getötet und 10.000 verletzt worden, teilte die MDC mit, 5000 Menschen würden vermisst.

In der kommenden Woche soll der Weltsicherheitsrat über einen Resolutionsentwurf der USA entscheiden, der neben einem Waffenembargo gegen Simbabwe unter anderem auch das Einfrieren von Mugabes persönlichem Vermögen und ein striktes Reiseverbot vorsieht.

amz/AFP/dpa

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