Mumbai Pakistan bietet Indien gemeinsamen Kampf gegen Terroristen an

Pakistan hat Indien davor gewarnt, die Saat der Terroristen aufgehen zu lassen. Die Extremisten hätten die Macht, Krieg zu stiften. Die verfeindeten Nachbarn sollten sich nicht provozieren lassen, heißt es aus Islamabad.


Mumbai/Islamabad - Pakistan hat Indien aufgefordert, nach den Anschlägen keine Konfrontation zu suchen. Extremisten hätten die Macht, in der Region Krieg zu stiften, mahnte der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari in einem am Montag veröffentlichten Interview der "Financial Times". Die verfeindeten Nachbarn dürften dieser Provokation nicht nachgeben. "Wir müssen zusammenstehen, um diese Gefahr zu bannen."

"Was glauben Sie, gegen wen wir zu kämpfen haben?", fragte Zardari, dessen Frau Benazir Bhutto im vergangenen Jahr bei einem Attentat getötet worden war. Die Frage stelle sich ganz besonders, sollten die Attentäter - wie von Indien behauptet - Verbindungen zur Extremistengruppe Lashkar-i-Toiba in Pakistan haben.

Bei der beispiellosen Anschlagsserie in der Finanzmetropole wurden fast 200 Menschen getötet. Indien verdächtigt pakistanische Extremisten der Tat. Die Nachbarstaaten haben bereits dreimal Krieg gegeneinander geführt, zweimal um Kaschmir.

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Interaktiv: Wie der Terror über Mumbai kam - und Anschläge in Indien seit 2005...
Die indische Regierung hat eine Verschärfung ihres Anti-Terror-Kampfes angekündigt. Dafür solle eine zentrale Ermittlungsbehörde aufgebaut und die Überwachung des indischen Luftraums sowie der Küstengewässer verbessert werden, sagte Premierminister Manmohan Singh in Neu Delhi. Zuvor war Innenminister Shivraj Patil zurückgetreten. Er übernehme "die moralische Verantwortung" für das Blutbad, sagte er. Vor dem Hintergrund der durch die Anschläge wachsenden Spannungen zwischen Indien und Pakistan wird US-Außenministerin Condoleezza Rice am Mittwoch in Neu-Delhi erwartet.

Nach der Anschlagsserie in Mumbai hat Neu-Delhi schwere Anschuldigungen gegen die pakistanische Führung erhoben. Es gibt mehrere Hinweise darauf, dass die Attentäter aus Pakistan stammten, beziehungsweise dort ausgebildet wurden. Das soll auch der offenbar einzige Überlebende der Terroristen ausgesagt haben. Er stammt bisherigen Erkenntnissen zufolge selbst aus Pakistan. In seiner Vernehmung soll Azam Amir Kasav ausgesagt haben, dass seine Gruppe von der aus Pakistan operierenden radikal-islamischen Lashkar-i-Toiba ("Armee der Reinen") auf den Angriff vorbereitet wurde. Die Organisation kämpft für die Unabhängigkeit Kaschmirs.

Nach einem Bericht der indischen Nachrichtenagentur PTI erwägt die Regierung in Neu-Delhi nun, den Friedensprozess mit Pakistan auszusetzen. Damit solle gezeigt werden, dass man die tödlichen Angriffe nicht leicht nehme, berichtete die Agentur unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Regierungsvertreter. Regierungschef Manmohan Singh und sein Kabinett seien darüber bestürzt, dass Pakistan seine Versprechen gebrochen und den gegen Indien gerichteten Terrorismus nicht gestoppt habe.

Außenminister Pranab Mukherjee hat der pakistanischen Führung in einem Telefonat mit "ernsthaften Konsequenzen" gedroht, berichtet der pakistanische Sender Dawn TV unter Berufung auf Regierungskreise. Islamabad habe im Gegenzug damit gedroht, Soldaten aus der Grenzregion zu Afghanistan abzuziehen und in andere Gebiete zu verlegen, falls die Spannungen mit dem indischen Nachbarn weiter steigen sollten.

Pakistan weist alle Vorwürfe zurück

Die Regierung weist bisher jegliche Verbindung zu den Attentätern zurück. "Unsere Hände sind sauber", sagte Außenminister Shah Mehmood Qureshi. Zugleich betonte er, Pakistan werde alles Nötige unternehmen, sollten sich entsprechende Vermutungen bestätigen. Ähnlich äußerte sich auch Präsident Zardari. Außenminister Qureshi spielte Berichte über eine neue Krise mit Neu-Delhi herunter. Es gebe gewisse Spannungen, er hoffe aber sehr, dass man das Problem im Verhältnis zwischen den beiden Ländern werde lösen können, sagte er am Samstag.

Der verdächtigten Gruppe Lashkar-i-Toiba werden seit Jahren enge Verbindungen zum pakistanischen Geheimdienst ISI nachgesagt.

ler/Reuters/AFP/dpa

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