Protest gegen die Regierung Teenager in Saudi-Arabien droht Todesstrafe

Zehn Jahre alt war Murtaja Qureiris, als er bei einer Fahrraddemo in Saudi-Arabien für Menschenrechte protestierte. Drei Jahre später wurde er festgenommen. Jetzt droht dem 18-Jährigen die Höchststrafe.


Ein kurzes Video zeigt Dutzende Jungen auf ihren Fahrrädern, gut gelaunt, auf einer freien Straße. Ganz vorne steht Murtaja Qureiris mit seinem Fahrrad, zu dem Zeitpunkt ist er zehn Jahre alt. Er trägt Jeans und schwarze Flipflops. Die Aufnahmen aus dem Jahr 2011 hat nun der US-Sender CNN veröffentlicht. In dem Report dazu heißt es, der Junge habe anschließend noch durch ein Megafon nach Menschenrechten verlangt. Drei Jahre später wurde er festgenommen.

Dem heute 18-Jährigen droht den Informationen von CNN und der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge die Todesstrafe. Nach seiner Festnahme kam der Junge 2014 demnach zunächst in Einzelhaft. Aktivisten gehen davon aus, dass er damals der jüngste Mensch war, der in Saudi-Arabien im Gefängnis saß. Laut Anmesty wurde ihm die Freiheit versprochen, wenn er ein Geständnis ablege.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, an Anti-Regierungsprotesten teilgenommen zu haben, zu einer "terroristischen Vereinigung" zu gehören, Molotow-Cocktails auf eine Polizeistation geworfen und auf Sicherheitskräfte geschossen zu haben, berichtet Amnesty weiter. Dafür ziehe die Anklage die Höchststrafe in Betracht. Das bedeutet: Köpfen und anschließendes Kreuzigen. Der verstümmelte Körper wird damit zur Schau gestellt. Es ist eine Strafe, wie sie auch die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) an ihren Gegnern vollzieht.

Die Führung von Saudi-Arabien nutze regelmäßig die Todesstrafe als eine Form, um andere politische Meinungen zu unterdrücken und Regierungskritiker der Shia-Minderheit - einschließlich Kinder - einzuschüchtern, sagte Lynn Maalouf von Amnesty. Im April wurden an nur einem Tag in mehreren Städten Saudi-Arabiens 37 Todesurteile vollstreckt. Die Hingerichteten seien alle für schuldig befunden worden, sich "terroristisches, extremistisches Denken angeeignet zu haben", hieß es.

Nach Angaben von Amnesty wurden 2018 in Saudi-Arabien 149 Menschen hingerichtet. Das ist die zweithöchste Anzahl nach Iran mit 253 Hinrichtungen.

Das Schicksal von Murtaja Qureiris erinnert an das von Ali al-Nimr, der 17 Jahre alt war, als er festgenommen wurde. Auch er soll an Protesten gegen das saudische Königshaus teilgenommen haben. Er unterzeichnete in Haft ein Geständnis, das er nach Angaben seiner Familie unter Folter abgegeben hat. Ein Scharia-Gericht verurteilte ihn zum Tode, weil er einer Terrorzelle angehört und Molotowcocktails auf Polizisten geworfen haben soll. Laut Urteil soll auch Ali al-Nimr zunächst enthauptet und sein Leichnam anschließend auf ein Kreuz geschnallt werden.

Bis jetzt wurde es nicht vollstreckt.

Vergleich von Strafen Saudi-Arabiens und des IS
SPIEGEL ONLINE

Vergleich von Strafen Saudi-Arabiens und des IS

vks

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.