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05. Juli 2013, 07:35 Uhr

Proteste nach Freitagsgebeten

Ägyptens Armee warnt Muslimbrüder vor Exzessen

Ägyptens Islamisten rufen zum Widerstand gegen das Militär auf. Nach den Freitagsgebeten planen ihre Anhänger Proteste gegen den Sturz von Präsident Mursi. Die Armee will die Demonstrationen zulassen - warnt aber vor Gewalt.

Kairo/Hamburg - Die Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi wollen sich nicht mit dem Putsch in Ägypten abfinden. Für den Freitag haben die Muslimbrüder und andere Gruppen zu Protesten aufgerufen. "Wir fordern das ägyptische Volk auf, nach den Freitagsgebeten auf die Straßen und Plätze zu ziehen, um die Ablehnung des ruchlosen Putsches zu demonstrieren", hieß es in einer Erklärung.

Die Armeeführung betonte das Recht aller Bürger, sich an friedlichen Protesten zu beteiligen, warnte aber zugleich vor einem Missbrauch des Demonstrationsrechts. In einer in der Nacht zum Freitag verbreiteten Erklärung des Obersten Militärrates wurden die Ägypter aufgefordert, Ruhe zu bewahren. "Exzesse durch unnötige Beanspruchung dieses Rechts und mögliches unerwünschtes Verhalten wie Straßensperren, die Blockade öffentlicher Einrichtungen oder die Zerstörung von Eigentum" würden nicht geduldet. Zugleich riefen die Sicherheitskräfte die Ägypter zur Nationalen Einheit und Versöhnung auf.

Am Donnerstagabend wurden bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern des gestürzten Staatschefs in der Stadt Sagasig im Norden des Landes mindestens 80 Menschen verletzt. Auf der Sinai-Halbinsel griffen militante Islamisten einen Armeeposten an. Dabei wurde ein Soldat getötet, zwei weitere Sicherheitskräfte wurden verletzt. Sonst war es im Land aber weitgehend ruhig geblieben.

Justiz ermittelt gegen Mursi

Zuvor hatte der neue Übergangspräsident Adli Mansur nur wenige Stunden nach der Entmachtung Mursis seinen Amtseid abgelegt. Der bisherige Vorsitzende des Obersten Verfassungsgerichts kündigte an, die Islamisten an der Regierung beteiligen zu wollen. Mursis Anhänger verweigerten dem neuen Machthaber jegliche Zusammenarbeit.

Seit dem Umsturz haben die Sicherheitskräfte mehrere hochrangige Funktionäre der Muslimbruderschaft verhaftet, darunter ihren Obersten Führer Mohammed Badi, dessen Vorgänger Mahdi Akif sowie den Chef der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei Saad al-Katatni. Auch der populäre Salafistenführer Hasim Abu Ismail wurde in Gewahrsam genommen.

Mursi befindet sich im Hausarrest. Er soll von kommenden Montag an zum Vorwurf der "Beleidigung der Justiz" vernommen werden.

syd/dpa/AFP/AP

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