Angebliche Liebesaffäre Der Präsident und die Schauspielerin

François Hollande ist der unbeliebteste Präsident, den Frankreich je hatte. Die Wirtschaft schwächelt, kaum etwas scheint ihm zu gelingen. 2014 sollte alles besser werden, doch nun kommen dem Staatschef Berichte über eine angebliche Liebesaffäre dazwischen.

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Paris - Von den ersten Wochen eines neuen Jahres erhoffen sich viele einen frischen Start, auch Frankreichs Präsident François Hollande. Den Termin für seinen Neubeginn hatte Hollande schon festgelegt, der 14. Januar. Am Dienstag soll die traditionelle große Pressekonferenz des Staatsoberhauptes zu Jahresbeginn ebenso wie Hollandes halbjährliche Regierungsbilanz stattfinden.

Die Bilanz hatte der Elysée-Chef noch extra vom November in den Januar verschoben, weil er sich bis dahin bessere Nachrichten erhoffte. Die Wirtschaftszahlen waren zuletzt weiterhin miserabel. Doch nun scheint es Frankreichs Staatsoberhaupt so zu ergehen wie vielen anderen auch. Dem Neuanfang kommt etwas dazwischen: die Laster der Vergangenheit.

Zu der Liste von Hollandes Problemen kommt seit Freitag ein weiteres: die Nachricht, dass der Präsident versucht, einen Bericht zu verhindern über sein angebliches Verhältnis mit der französischen Schauspielerin Julie Gayet. Eigentlich ist Hollande mit der Journalistin Valérie Trierweiler liiert. Mit seiner Jugendliebe und innerparteilichen Rivalin Ségolène Royal hat er zudem vier Kinder.

Das Gerücht über die mutmaßliche Affäre kursiert schon länger in Frankreich. Bereits im März 2013 hatte Gayet gegen Blogger geklagt, die ihr eine Beziehung mit Hollande unterstellten. Damals bestritt Gayet lauthals ein Verhältnis. Dieses Mal äußern sich weder Gayet noch Hollande dazu. Der Protest des Präsidenten richtet sich allein gegen den "Angriff auf das Recht auf Privatsphäre".

Hollande erinnert an seinen Vorgänger Sarkozy

Ein Präsident, der ein Verhältnis hat, ist für Franzosen eigentlich nichts Ungewöhnliches. Einige würden ihn dazu wohl beglückwünschen. Doch pikant an der Fotostrecke, die das Magazin "Closer" über Hollande und Gayet ankündigt, ist etwas anderes: Sie zeigen einen französischen Präsidenten, der sich heimlich auf dem Rücksitz eines Rollers zu seiner Geliebten bringen und am nächsten Morgen die Croissants vom Bodyguard vor die Haustür liefern lässt. Ein 59-Jähriger, der im Liebestaumel sämtliche Sicherheitsbedenken zu vergessen scheint.

Einen radikalen Bruch mit dem Stil seines Vorgängers Nicolas Sarkozy hatte Hollande versprochen. Dieser hatte sich in den Augen vieler seiner Landsleute teils unwürdig im Präsidentenamt verhalten. Der Präsident ist in Frankreich eine Art Königsersatz. Respekt soll er einflößen, Würde ausstrahlen. Nicht wie Sarkozy, der mit seiner Vorliebe für das Ex-Model Carla Bruni und für Sonnenbaden auf der Yacht befreundeter Milliardäre dauernd die Titelseiten der Klatschblätter zierte.

Nun weckt ausgerechnet Hollande Erinnerungen an Sarkozy. Auch der hatte keinen guten Start in seine 2007 beginnende Amtszeit. Wie Hollande wollte Sarkozy die große Pressekonferenz zum Jahresanfang 2008 dazu nutzen, sein Image zu ändern. Und bekam dann doch hauptsächlich Fragen zu Carla Bruni, die er wenig später heiratete.

Der französische Präsident ist in Bedrängnis

Hollande wird es in der kommenden Woche wohl ähnlich ergehen. Seine Drohung, gegen den Bericht über die mutmaßliche Affäre zu klagen, scheint verpufft. Zwar hat "Closer" inzwischen angekündigt, den Text von seiner Webseite zu entfernen; am Kiosk bliebt das Heft erhältlich. Renommierte französische Medien wie "Le Monde", "Le Figaro" und "Le Point" haben das Thema längst aufgegriffen. Die Nachricht über die mutmaßliche Liebesaffäre um den Präsidenten auf dem Roller ist in der Welt.

Seit Hollandes Wahl dümpelt Frankreichs Wirtschaft vor sich hin. Er war 2012 gewählt worden mit einer Reihe von Versprechungen, die ausländische Beobachter als realitätsfern einstuften: höhere Ausgaben, höhere Reichensteuern, einen Rückgang der Arbeitslosigkeit ab 2013.

Doch politisch passiert wenig. Der Unmut nimmt zu. Das Land scheint manchmal nahezu unregierbar. In seiner kurzen Silvesteransprache am 31. Dezember deutete er eine Kehrtwende an: Steuersenkungen, Ausgabenkürzungen. Seine Partei tobt.

In den Umfragen fällt Hollande auf immer neue Zustimmungstiefs. Er ist so unbeliebt wie kein französischer Präsident vor ihm. Dafür legt die extreme Rechte zu. Bei der Europawahl im Mai könnte der Front national sogar stärkste Kraft werden. Im September droht Hollandes Sozialisten eine Niederlage bei der Senatswahl. Alles in allem sieht es bisher danach aus, als würde es kein gutes neues Jahr für den Präsidenten.



insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
kantundco 10.01.2014
1. Wieso dazwischen?
Eine Liebesaffäre gehört in Frankreich doch zum guten Ton. Das macht mir den Mann fast schon wieder sympathisch. Fast. Wenn da mal nicht die NSA der Boulevardpresse einen Tipp gegeben hat?
xxbigj 10.01.2014
2. optional
Also ist er die französische Angela Merkel nach dem Titel zu urteilen. Aber wenigstens packt er Reformen an, die dem Volk nicht gefallen. Sowas würde Merkel niemals machen, weil sie eine berrechnende Machtversessene Politikerin ist!
Sequester 10.01.2014
3. Undenkbar
Ich stell' mir gerade Merkel vor, wie sie sich von einem Bodyguard auf dem Roller durch's nächtliche Berlin zu ihrem Liebhaber chauffieren lässt. Der Gedanke ist so absurd. Haben denn die Franzosen keinen Politiker der es zumindest schafft nicht mit seinem Privatleben in die Presse zu kommen? Fachkompetenz und Durchsetzungskraft wären darüber hinaus auch ganz OK und hilfreich.
Sequester 10.01.2014
4. Welche Reformen?
Zitat von xxbigjAlso ist er die französische Angela Merkel nach dem Titel zu urteilen. Aber wenigstens packt er Reformen an, die dem Volk nicht gefallen. Sowas würde Merkel niemals machen, weil sie eine berrechnende Machtversessene Politikerin ist!
Wann genau hat Hollande Reformen angepackt? Dieser Politiker hat sich bis dato als völlig unfähig erwiesen und sogar schon Ankündigungen von Reformen wieder zurückgenommen, von der Umsetzung ganz zu schweigen. Die Franzosen haben eine solche Lachnummer nicht verdient.
marie-anne 10.01.2014
5. Jetzt weis ich wenigstens wo er sich rum treibt,
statt seinen Job zu machen. Die armen Arbeitslosen.
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