Mutmaßliche Sprengsätze Polizei zerstört verdächtige Pakete am Athener Flughafen

Eine Serie von Terrorsendungen hält Griechenland in Atem: Im Athener Flughafen hat die Polizei zwei verdächtige Pakete zerstört. Zuvor wurden Sendungen mit Sprengsätzen an Botschaften in der Stadt entdeckt. Ermittler vermuten Linksextremisten hinter der Briefbombenserie.

Griechische Polizisten mit einem Verdächtigen: Briefbomben an Botschaften verschickt
dpa

Griechische Polizisten mit einem Verdächtigen: Briefbomben an Botschaften verschickt


Athen/Berlin - Die griechische Polizei hat am Dienstag nach eigenen Angaben zwei verdächtige Pakete auf dem Flughafen in Athen zerstört. Die Pakete wurden nach Angaben der Polizei im Fracht-Terminal des Airports Eleftherios Venizelos gefunden. Dort fanden auch die kontrollierten Sprengungen statt, berichtete das staatliche Radio NET. Der Flugverkehr sei nicht beeinträchtigt worden. Die Briefbomben seien an das Europäische Polizeiamt (Europol) mit Sitz in Den Haag und an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg adressiert gewesen, hieß es.

Zuvor waren die deutsche Botschaft in der griechischen Hauptstadt sowie weitere diplomatische Vertretungen Ziel von Anschlagsversuchen geworden. Die Sendungen enthielten eine Art Schießpulver, das sich beim Öffnen entzündet. Die an die deutsche Botschaft adressierte Paketbombe konnte kontrolliert gesprengt werden. Zwei Sprengsätze detonierten nach Polizeiangaben vor den Botschaften der Schweiz und Russlands. Verletzt wurde niemand; die Bomben hatten keine große Sprengkraft. Zwei weitere, an die bulgarische und die chilenische Vertretung adressierte Paketbomben wurden ebenfalls entschärft.

Es war bereits der zweite Tag in Folge, dass Paketbomben die Polizei in der griechischen Hauptstadt in Atem hielten. Die Sicherheitskräfte vermuten Linksextremisten hinter der Anschlagswelle. Die Ermittler veröffentlichten fünf Fotos von mutmaßlichen Mitgliedern der Organisation "Konspiration der Zellen des Feuers". Es handelt sich dabei um Aufnahmen von Männern im Alter zwischen 21 und 30 Jahren. Zwei mutmaßliche Mitglieder der Autonomen-Organisation waren bereits am Montag festgenommen worden, nachdem Paketbomben aufgetaucht waren, die unter anderem an Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy adressiert waren.

Sprengsatz im Kanzleramt

Im Kanzleramt in Berlin wurde ein an Bundeskanzlerin Angela Merkel adressiertes Paket gefunden. Die explosive Post kam nach Angaben der Bundesregierung ebenfalls aus Griechenland. Als Absender des in Athen verschickten Paketes werden ebenfalls radikale Autonome vermutet. Die an Merkel adressierte Sendung sei eine sprengfähige Vorrichtung gleicher Bauart wie bei jener an die Schweizer Botschaft in Athen, teilte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) mit. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: "Die Untersuchung zeigt, dass der Inhalt des Päckchens zumindest geeignet war, Menschen zu verletzen."

Seit Monaten verbreiten radikale griechische Autonome mit Mord und Bombenterror Angst und Schrecken. Als Auslöser der Gewalt gilt der Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel im Dezember 2008. Seitdem kommt Athen nicht mehr zur Ruhe. So wurde im Juni 2009 ein Polizist ermordet. Außerdem gab es mehrere Bombenanschläge auf Polizeistationen, einen Polizeibus und Banken sowie staatliche Einrichtungen. Ende 2009 hatte eine Bombe schwere Schäden am Gebäude einer Versicherung angerichtet.

Zu den Taten bekannten sich die linken Gruppen "Volksaktion", "Revolutionärer Kampf", "Sekte der Revolutionäre" und "Konspiration der Zellen des Feuers". In ihren Bekennerschreiben verkündeten sie, den Sturz des Systems durch Terror und Chaos erzwingen zu wollen. Die Autonomen kritisieren die Finanzpolitik der hoch verschuldeten Regierung Griechenlands sowie der Europäischen Union.

hut/ulz/dpa/dapd



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