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Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Gericht erlaubt Mladics Auslieferung an Uno-Tribunal

Das erste Hindernis für die Auslieferung von Ratko Mladic ist überwunden: Ein serbisches Gericht hat die Überstellung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers nach Den Haag genehmigt. Der Sohn des Ex-Generals hatte argumentiert, sein Vater sei zu krank dafür. Gegen das Urteil ist Berufung möglich.

Belgrad - Ein serbisches Gericht hat die Überstellung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic an das Uno-Tribunal für Ex-Jugoslawien in Den Haag genehmigt. Der 69-Jährige sei in der Verfassung, vor Gericht gestellt zu werden, sagte eine Richterin am Freitag vor Journalisten in Belgrad. Das Gericht befand, dass Mladics Gesundheitszustand einen Prozess in Den Haag zulasse. Mladic und sein Anwalt haben nun drei Tage Zeit, um Berufung gegen die Entscheidung der serbischen Justiz einzulegen.

Mladic war nach Jahren auf der Flucht am Vortag in Serbien gefasst worden. Der als "Schlächter vom Balkan" bekannte Ex-General wurde vom Haager Uno-Kriegsverbrechertribunal unter anderem wegen des Massakers in der bosnischen Stadt Srebrenica 1995 angeklagt.

Mladics Sohn hält seinen Vater für zu krank für eine Auslieferung. "Wir sind nahezu sicher, dass er in einer solchen Verfassung nicht ausgeliefert werden kann", sagte Darko Mladic. Mladics Familie habe den Festgenommenen sehen können, bevor dieser vor dem Ermittlungsrichter in Belgrad erschien. "Ihm geht es sehr schlecht. Sein rechter Arm ist halb gelähmt, seine rechte Seite teilweise taub." Sein Vater sei zudem "unschuldig", sagte er.

Eine erste Anhörung Mladics war am Donnerstagabend wegen dessen angeblich schlechtem Gesundheitszustand auf Forderung seiner Anwälte vertagt worden. Mladic sei "psychisch und körperlich" in schlechter Verfassung und habe daher nicht mit dem Gericht kommunizieren können, hatte sein Anwalt Milos Saljic gesagt. Eine Sprecherin des Uno-Tribunals in Den Haag erklärte, dieses sei für alle gesundheitlichen Probleme Mladics ausgerüstet.

Nach serbischen Medienberichten soll Mladic bei seiner Festnahme am Donnerstag "eine ganze Tüte voller Medikamente" dabeigehabt haben. Das berichtete die Zeitung "Blic" am Freitag in Belgrad unter Berufung auf die Ermittlungsbehörden. Diese Arzneimittel habe er nicht ohne Hilfe eine Arztes beschaffen können. Nach dem medizinischen Check Mladics durch die Amtsärzte schreiben diese nun vor, welche Arzneien der 69-Jährige nehmen soll.

Laut "Blic" leistete Mladic bei seiner Festnahme am Donnerstag keinerlei Widerstand und gab sich sofort zu erkennen. Wie die Zeitung berichtete, waren in dem Haus in Lazarevo im Nordosten des Landes, in dem er sich aufhielt, nur einige seiner Cousins anwesend. Soldaten hielten sich nicht dort auf. An dem Einsatz soll dem Bericht zufolge sowohl der Geheimdienst BIA als auch ein Spezialteam zur Verfolgung von Kriegsverbrechen beteiligt gewesen sein.

phw/AFP/AP/Reuters