Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Hadzic schweigt vor Uno-Tribunal

Ihm werden Mord und Folter vorgeworfen: Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Goran Hadzic ist erstmals vor dem Uno-Tribunal in Den Haag erschienen. Ob er sich schuldig oder nicht schuldig bekennt, ließ er offen. Er soll für den Tod Hunderter Zivilisten während des Kroatien-Krieges verantwortlich sein.

Hadzic in Den Haag: 14 Anklagepunkte gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher
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Hadzic in Den Haag: 14 Anklagepunkte gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher


Den Haag - Fünf Tage nach seiner Festnahme ist Goran Hadzic zum ersten Mal vor seinen Richtern in Den Haag erschienen: Der mutmaßliche Kriegsverbrecher aus dem früheren Jugoslawien machte allerdings von seinem Recht Gebrauch, sich vorerst nicht zur Anklage zu äußern. Sein Mandant wolle die Möglichkeit nutzen, dies erst später zu tun, erklärte der Pflichtverteidiger Wladimir Petrovic.

Zuvor hatte der Vorsitzende Richter O-Gon Kwon dem Angeklagten erläutert, dass er 30 Tage Zeit habe, um auf schuldig oder nicht schuldig zu plädieren. Ihm werden unter anderem Mord, Folter und gewaltsame Vertreibung zur Last gelegt: Die Staatsanwaltschaft wirft Hadzic in insgesamt 14 Anklagepunkten vor, für die Ermordung Hunderter kroatischer Zivilisten und die Zwangsvertreibung Zehntausender weiterer Kroaten durch serbische Truppen verantwortlich zu sein.

Hadzic war Anfang der neunziger Jahre Präsident der selbsternannten serbischen Republik Krajina, die damals ein Drittel des Gebietes von Kroatien umfasste. Er soll unter anderem an dem Massaker in Vukovar beteiligt gewesen sein. Dort waren im November 1991 mehr als 260 Menschen, die in einem Krankenhaus Schutz gesucht hatten, von serbischen Truppen gefoltert und getötet worden.

Bereits 2004 war Hadzic wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt worden. Doch er konnte sich der Festnahme entziehen und flüchtete. Erst vergangene Woche gelang der Zugriff. Am Freitag lieferte die Belgrader Justiz ihn an das Jugoslawien-Tribunal in Den Haag aus. Damit kann nun auch dem letzten von insgesamt 161 Verdächtigen der Prozess gemacht werden, die wegen schwerster Verbrechen während der Jugoslawien-Kriege angeklagt wurden.

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Gräuel auf dem Balkan: Kriegsverbrecher vor Gericht

Ende Mai war der Ex-Kommandeur der bosnischen Serben, Ratko Mladic, nach jahrelanger Flucht in Serbien gefasst worden. Dem 69-Jährigen werden in elf Punkten Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995 vorgeworfen. Er wird vor allem für das Massaker von Srebrenica 1995 mit etwa 8000 Toten und die 44-monatige Belagerung Sarajevos verantwortlich gemacht.

Serbien hofft nach den Festnahmen auf eine baldige Mitgliedschaft in der Europäischen Union: Er hoffe, dass Serbien bis Ende des Jahres als Kandidat aufgenommen werde, bekräftigte der serbische Außenminister Vuk Jeremic am Montag bei einem Besuch in der tschechischen Hauptstadt Prag. Der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg sagte, Serbiens Weg zur Mitgliedschaft sei lang und beschwerlich, aber unumgänglich. Die EU will im Oktober einen Fortschrittsbericht über Serbien veröffentlichen.

kgp/AFP/dpa

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