Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Karadzic zeigt keine Reue

Er soll für den Tod Tausender Menschen verantwortlich sein, das Massaker von Srebrenica wird ihm zur Last gelegt - doch Radovan Karadzic bereut seine Rolle im Bosnien-Krieg nicht. Er habe ein "reines Gewissen", sagte der frühere Serben-Führer.

Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Karadzic (Augist 2008): Reines Gewissen
AFP

Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Karadzic (Augist 2008): Reines Gewissen


Belgrad - Keine Einsicht eines mutmaßlichen Kriegsverbrechers: Der ehemalige Serben-Führer Radovan Karadzic bereut seine Rolle im Bosnien-Krieg (1992 bis 1995) nicht. Sein Gewissen sei rein, sagte der 64-Jährige in einem schriftlichen Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Er fühle sich frei, wo immer er den Rest seines Lebens verbringen werde, so Karadzic. Am Donnerstag soll er vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu einer Vorverhandlung erscheinen.

Karadzic muss sich vor dem Uno-Tribunal wegen Kriegsverbrechen und Völkermord im Bosnien-Krieg verantworten, bei dem rund 100.000 Menschen ums Leben kamen.

Das Gericht konzentriert sich in den insgesamt elf Anklagepunkten auf die 43-monatige Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo und das Massaker von Srebrenica, bei dem 1995 rund 8000 Muslime getötet wurden.

Karadzic weist alle Anklagepunkte zurück. Er bedaure, dass der Krieg stattgefunden habe, aber sie hätten keine Wahl gehabt, so der frühere Serben-Führer. Am stolzesten sei er darauf, seine Pflicht getan zu haben, nicht aus Selbstinteresse und ohne sich persönlich zu bereichern.

Karadzic war am 21. Juli vergangenen Jahres verhaftet worden. Er hatte unter falschem Namen in Serbien gelebt und als Arzt gearbeitet. Zusammen mit dem früheren bosnisch-serbischen Militärchef Ratko Mladic war Karadzic der meistgesuchte mutmaßliche Kriegsverbrecher. Mladic ist weiter auf der Flucht.

hut/Reuters



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