Mutmaßlicher KZ-Wächter Fußfessel für Demjanjuk

Die geplante Abschiebung des mutmaßlichen KZ-Wächters John Demjanjuk aus den USA nach Deutschland lässt die Bürokratien auf Hochtouren laufen: Um eine Flucht des 88-Jährigen zu verhindern, haben ihm US-Behörden nach SPIEGEL-Informationen inzwischen eine elektronische Fußfessel angelegt.


Hamburg - Gegen den gebürtigen Ukrainer hat das Amtsgericht München einen Haftbefehl wegen Beihilfe zum Mord an mindestens 29.000 Juden im NS-Vernichtungslager Sobibór erlassen. Doch die Offiziellen benötigten für eine Überstellung des mittlerweile staatenlosen Demjanjuk Ausweispapiere; andernfalls könnten Fluggesellschaften den Transport nach München verweigern.

Mutmaßlicher KZ-Wächter Demjanjuk: Geplante Abschiebung nach Deutschland
AFP

Mutmaßlicher KZ-Wächter Demjanjuk: Geplante Abschiebung nach Deutschland

Die Bundesregierung hatte darauf bestanden, dass der Greis nicht in einem US-Militärflugzeug nach Deutschland gebracht wird - Berlin fürchtet, die Amerikaner könnten ihn wie im Falle von Terrorverdächtigen mit Beruhigungsmitteln vollpumpen und zum US-Stützpunkt in Ramstein fliegen. Die Bundesrepublik müsste ihn dann erst medizinisch betreuen und selbst zur Befragung nach München bringen.

Die US-Regierung hat Demjanjuk jetzt ein Identitätspapier ausgestellt, im Gegenzug hat sich die Bundesregierung verpflichtet, ihn einreisen zu lassen - obwohl er kein Visum hat. Scheitern kann die Abschiebung jetzt nur noch an Demjanjuks Gesundheitszustand.

Sein deutscher Anwalt Günther Maull hat bei der Staatsanwaltschaft München beantragt, den an einer Vorform von Leukämie Erkrankten noch in den USA durch einen bayerischen Landgerichtsarzt auf Verhandlungsfähigkeit untersuchen zu lassen. Am vorvergangenen Sonnabend erlitt Demjanjuk zudem eine Nierenkolik und musste in der Notaufnahme eines Krankenhauses behandelt werden.

"Kommt her und untersucht meinen Papa", fordert sein Sohn John Jr., "wenn Deutschland erfährt, wie es wirklich um seine Gesundheit bestellt ist, wird es meinen Vater nicht einem Prozess aussetzen." Besonders optimistisch scheint die Familie allerdings nicht zu sein. Ein Angehöriger schaut sich bereits nach einem Hotel in München um.



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