Mutmaßliches Vergewaltigungopfer West-Diplomaten halfen bei Obeidis Flucht aus Libyen

Sie hatte die Schergen des libyschen Machthabers Gaddafi der Vergewaltigung beschuldigt, wurde in Tripolis gefangen gehalten. Nun ist Iman al-Obeidi die Ausreise nach Tunesien gelungen - offenbar mit Unterstützung westlicher Diplomaten.

DPA

Tripolis - Iman al-Obeidi hat Libyen verlassen. Die junge Frau hatte im März öffentlich erklärt, von Soldaten des Gaddafi-Regimes vergewaltigt worden zu sein. Daraufhin wurde sie vor laufenden Fernseh-Kameras von Sicherheitbeamten festgenommen und eingesperrt. Erst jetzt gelang ihr die Ausreise nach Tunesien. Dies berichtet der US-Sender CNN.

Nach der Grenzüberquerung hätten sie westliche Diplomaten in Empfang genommen, die auch den Transport nach Tunis und eine Unterkunft organisiert hätten, so Obeidi weiter. Angaben zur Herkunft der Diplomaten machte sie nicht. Noch immer fürchtet Obeidi, verfolgt zu werden und hofft nun auf den dauerhaften Schutz einer westlichen Regierung.

Die Bilder von Obeidis Festnahme hatten weltweit für Aufsehen gesorgt: In einem libyschen Hotel wurde sie von Sicherheitskräften gepackt und weggezerrt. Westliche Journalisten, die die junge Libyerin interviewen wollten, versuchen vergeblich, sie vor den Männern zu schützen.

Obeidi hatte eine Gruppe von 15 Gaddafi-Schergen beschuldigt, sie entführt, misshandelt und brutal vergewaltigt zu haben - und sich damit den Zorn des Machthabers zugezogen. Bis zuletzt hatte das Regime in Tripolis sie an der Ausreise gehindert.

Schon am Donnerstag sei ihr die Flucht gelungen, berichtet Obeidi auf CNN. Sie habe dabei Unterstützung von abtrünnigen Armee-Mitgliedern erhalten. In einem Militärfahrzeug habe sie den Weg bis zur Grenze zurückgelegt und dabei eine Kopfbedeckung getragen, die sie nahezu unkenntlich gemacht habe.

Mehrfach sei das Fahrzeug gestoppt worden, die Sicherheitskräfte hätten sie jedoch nicht erkannt, so Obeidi. Jedesmal habe der Militärmann am Steuer des Wagens Papiere vorgezeigt, die nicht beanstandet wurden.

Dramatische Szenen im Luxushotel

Die junge Frau war am 26. März mit Blutspuren im Gesicht in ein Luxushotel in der Hauptstadt Tripolis gestürmt, um Journalisten von den mutmaßlichen Gräueltaten der Gaddafi-Truppen zu berichten.

Die "Washington Post" beschreibt die folgende Szene so: Während Obeidi sprach, kamen Hotelangestellte und Sicherheitskräfte hinzu und versuchten, die Frau fortzuziehen. Einige Journalisten, die versuchten, die Frau zu beschützen, seien geschlagen worden. Ein Reporter der "Financial Times" sei niedergeschlagen und getreten worden. Zwei Kellnerinnen griffen demnach nach Messern und schrien, die Frau sei eine Verräterin. Beamte warfen eine CNN-Kamera auf den Boden und bedrohten den Kameramann mit einer Pistole, als er sie wieder aufheben wollte.

Kurz darauf wurde die Frau vor den Augen der Journalisten von einem Vertreter der Staatsmacht in Zivil überwältigt und fortgebracht. Er hielt ihr die Hand auf den Mund, um sie am Sprechen zu hindern.

Gaddafi-Sprecher Mussa Ibrahim erklärte später, Obeidi sei eine Verrückte, eine Lügnerin und Prostituierte. Danach galt die junge Frau tagelang als verschollen, nach eigenen Angaben wurde sie 72 Stunden in einem Staatsgefängnis festgehalten.

jok



insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
JaguarCat 09.05.2011
1. Gut so ...
... und bitte ebenso still und leise und ohne Blutvergießen Gaddafi außer Landes schaffen.
auf-keiner-seite 09.05.2011
2. Ein wirklich wichtiger Beitrag
Zitat von sysopSie hatte die Schergen des libyschen Machthabers Gaddafi der Vergewaltigung beschuldigt, wurde in Tripolis gefangen gehalten. Nun ist Iman al-Obeidi die Ausreise nach Tunesien gelungen - offenbar mit Unterstützung westlicher Diplomaten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,761383,00.html
Das ist ja wirklich mal wieder ein wichtiger Beitrag. Keiner bombt mehr in Libyen. Keiner tötet mehr Menschen, da kommt so eine Nachricht gerade recht. Vielen Dank für so eine wirklich interessante Kriegsberichterstattung.
moliebste 09.05.2011
3. Die halbe Wahrheit
Der Regierungssprecher Mussa Ibrahim (SPON personalisiert: "Gaddafi-Sprecher") hatte sich in einem TV-interview für den Vorfall im Hotel entschuldigt und mitgeteilt, dass die verantwortlichen Hotelangestellten bestraft worden seien. Dass er die Dame als "Prostituierte....usw." beschimpft habe, ist nirgends belegt.
Kalleblom 09.05.2011
4. Damit...
Zitat von moliebsteDer Regierungssprecher Mussa Ibrahim (SPON personalisiert: "Gaddafi-Sprecher") hatte sich in einem TV-interview für den Vorfall im Hotel entschuldigt und mitgeteilt, dass die verantwortlichen Hotelangestellten bestraft worden seien. Dass er die Dame als "Prostituierte....usw." beschimpft habe, ist nirgends belegt.
... ist die Sache ja entschuldigt. Die Verantwortlichen sind bestraft und somit hat Libyen mal wieder gezeigt, was es für ein geordnetes Land ist. Bravo!
R Panning, 09.05.2011
5. x
Zitat von Kalleblom... ist die Sache ja entschuldigt. Die Verantwortlichen sind bestraft und somit hat Libyen mal wieder gezeigt, was es für ein geordnetes Land ist. Bravo!
Läuft doch bei Nato Truppen die irgendwelche Zivilisten oder Hochzeiten in die Luft jagen auch nicht anders. Was wollen Sie denn? Ne Gerichtsverhandlung? Wozu? Völlig aus der Mode gekommen auch bei NATO Staaten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.