Myanmar Suu Kyi weist Vorwurf des Völkermordes an Rohingya zurück

Dutzende Länder werfen Myanmar einen Genozid an der muslimischen Minderheit der Rohingya vor. Regierungschefin Suu Kyi sagt, bei Gewalttaten des Militärs habe es keine "auf Völkermord abzielende Absicht" gegeben.
Aung San Suu Kyi nennt die Klage gegen ihr Land "unvollständig und irreführend"

Aung San Suu Kyi nennt die Klage gegen ihr Land "unvollständig und irreführend"

Foto: REUTERS/Yves Herman

Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi hat Vorwürfe des Völkermordes gegen ihr Land zurückgewiesen. Die Armee verteidige das Land gegen Angriffe bewaffneter Rebellen, erklärte die Friedensnobelpreisträgerin in Den Haag vor dem Internationalen Gerichtshof.

"Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Militär unangemessen Gewalt angewandt hat", sagte Suu Kyi. Dies belege aber nicht, dass es "eine auf Völkermord abzielende Absicht" gegeben habe. "Wir haben einen internen bewaffneten Konflikt in Myanmar", sagte die Regierungschefin.

Im Herbst 2016 hätten Rebellen Polizeistationen angegriffen. Daraufhin habe das Militär reagiert. Dabei habe es möglicherweise auch Übergriffe gegeben, Schuldige würden von der Justiz Myanmars strafrechtlich verfolgt.

57 Länder klagen auf "Ende dieses Genozids"

Gambia hatte im Namen der 57 Mitgliedstaaten der Organisation für Islamische Zusammenarbeit Klage gegen Myanmar eingereicht und dem Land wegen der Gewalttaten der Militärs gegen die muslimische Rohingya-Minderheit Völkermord vorgeworfen. Gambias Justizminister Abubacarr Tambadou hatte die Richter am Dienstag aufgefordert, Myanmar "zu einem Ende dieses Genozids zu bewegen".

Aung San Suu Kyi hörte sich zunächst vor Gericht die Schilderungen gambischer Anwälte an, die Rohingya-Opfer vertraten und deren Erlebnisse vortrugen. Am Mittwoch äußerte sie sich dann selbst und nannte die Anschuldigungen "unvollständig und irreführend".

Die Ankläger berufen sich einen Bericht von Uno-Ermittlern. Diese hatten dem Militär Myanmars "anhaltenden Völkermord" zur Last gelegt. Soldaten hätten Tausende Menschen ermordet, Frauen und Kinder vergewaltigt, Dörfer dem Erdboden gleichgemacht und Menschen lebendig in ihren Häusern verbrannt. Mehr als 700.000 Menschen waren in das Nachbarland Bangladesch geflohen. Das Uno-Gericht in Den Haag berät noch bis Donnerstag. Ein Urteil wird in wenigen Wochen erwartet.

mes/dpa/AFP
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