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01. Februar 2019, 10:59 Uhr

Wegen hoher Gefängnisstrafe

Reporter in Myanmar ziehen vors höchste Gericht

Wa Lone und Kyaw Soe Oo berichteten von Verbrechen an der Volksgruppe der Rohingya in Myanmar. Dafür sollen die Reporter sieben Jahre ins Gefängnis - und wehren sich.

In Myanmar ziehen zwei inhaftierte Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters wegen ihrer Verurteilung zu jeweils sieben Jahren Gefängnis vor das Oberste Gericht des südostasiatischen Landes.

Die Anwälte der beiden Reporter Kyaw Sow Oo und Wa Lone legten gegen das Urteil nochmals Berufung ein, wie die Agentur mitteilte. Mit einem ersten Antrag waren sie Mitte Januar vor einer niedrigeren Instanz gescheitert.

"Unser Antrag fordert das Oberste Gericht auf, endlich für Gerechtigkeit für Wa Lone und Kyaw Soe Oo zu sorgen, die Fehler des niedrigeren Gerichts rückgängig zu machen und die Freilassung unserer Journalisten anzuordnen", erklärte Reuters in einem Statement.

Den beiden Männern aus Myanmar wird zur Last gelegt, sich bei Recherchen über Militärverbrechen an Angehörigen der muslimischen Minderheit der Rohingya im Dezember 2017 illegal geheime staatliche Dokumente beschafft zu haben.

Die Journalisten untersuchten ein Massaker an Rohnigya

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft verfügten die beiden Reuters-Mitarbeiter über geheime Informationen über Sicherheitseinsätze in der Region Rakhine, wo die Armee brutal gegen die Rohingya-Minderheit vorgegangen war. Basierend auf einem Gesetz aus der Kolonialzeit wurden die Reporter für schuldig befunden, "Staatsgeheimnisse" verraten zu haben.

Laut der Aussage eines Polizisten aus einer Voranhörung waren die Journalisten allerdings in eine Falle der Sicherheitsbehörden getappt. Der Polizeizeuge belastete einen Vorgesetzten. Dieser habe die Übergabe geheimer Dokumente an die Journalisten angeordnet, um sie anschließend festnehmen zu lassen. Nach Überzeugung der Nachrichtenagentur sollten die Reuters-Mitarbeiter damit zum Schweigen gebracht werden, nachdem sie ein Massaker an zehn Rohingya untersucht hatten. Beide wurden zusammen mit anderen Journalisten vom "Time Magazin" zu Personen des Jahres gekürt.

In Myanmar ist die große Mehrheit der Bevölkerung buddhistischen Glaubens. Die Armee hat auch nach dem Ende der Militärdiktatur noch immer großen Einfluss. In der Regierung von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi besetzen die Generäle wichtige Ministerien. Armee und Regierung stehen wegen der brutalen Verfolgung von Rohingya international massiv in der Kritik. Uno-Ermittler sprechen von Völkermord. Mehr als 700.000 Muslime sind ins mehrheitlich muslimische Nachbarland Bangladesch geflohen.

aev/dpa/AFP/Reuters

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