Mysteriöser US-Einsatz Mindestens elf Tote bei Mini-Invasion in Pakistan

Mindestens elf Tote, darunter Frauen und Kinder: Das ist laut Augenzeugen die Bilanz einer Invasion in die pakistanische Provinz Waziristan. Offenbar wurde sie von US-Soldaten ausgeführt, die von Afghanistan aus eindrangen. Offizielle Bestätigungen gibt es nicht.


Berlin - Die Mini-Invasion fand kurz vor der Morgendämmerung in dem Dorf Angor Adda statt. Die Augenzeugenberichte widersprechen sich in den Details - etwa in der Anzahl der Kampfhubschrauber, die zum Einsatz kamen, oder der Frage, ob auch Bodentruppen beteiligt waren.

Unruheregion: Pakistanischer Soldat in Waziristan
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Unruheregion: Pakistanischer Soldat in Waziristan

In einem aber stimmen sie überein: Es war eine Operation der US-Armee. Ein Augenzeuge berichtete zudem, auch afghanische Soldaten seien beteiligt gewesen.

Den Berichten zufolge wurden mehrere Häuser in dem Flecken in der pakistanischen Provinz Südwaziristan gestürmt. Dabei wurde geschossen. Die Zahl der Toten liegt bei mindestens elf, anderen Angaben zufolge waren es sogar 17 Menschen, die ums Leben kamen. Offenbar waren auch Frauen und Kinder dabei.

Alle Angaben deuten darauf hin, dass die Operation von US-Soldaten durchgeführt wurde, die im benachbarten Afghanistan stationiert sind. Allerdings gibt es bislang keine offizielle Bestätigung. Die US-geführten Koalitionstruppen in Afghanistan erklärten, sie hätten keine Kenntnis von einem solchen Vorfall.

Auch die US-Botschaft in Islamabad wollte die Berichte nicht kommentieren. Die pakistanische Armee hingegen bestätigte den Vorfall, sagte aber nichts über die mögliche Beteiligung ausländischer Streitkräfte. Pakistans Verteidigungsminister Chaudhry Ahmed Muktar sagte, der Angriff werde untersucht. Fremde Truppen hätten keine Erlaubnis, militärisch auf pakistanischem Gebiet vorzugehen.

Die Region Waziristan gilt als wichtiger Rückzugsort für Taliban, al-Qaida und andere militante Netzwerke. Es ist naheliegend, dass die Operation mit der Jagd auf Terroristen in Zusammenhang stand.

Bisher vor allem Einsätze von Drohnen

Pakistan ist ein Verbündeter der USA im "Krieg gegen den Terror", tut aber nach Ansicht Washingtons nicht genug, um die Militanten auszuschalten. Immer wieder wird deswegen in den USA diskutiert, ob die US-Armee nicht einfach auf eigene Faust in Pakistan aktiv werden sollte, wenn sie über ein bestimmtes Ziel Informationen erhält.

Karte der Region Waziristan
DER SPIEGEL

Karte der Region Waziristan

Gelegentlich hat die US-Armee genau dies auch getan - in der Regel allerdings, indem sie von unbemannten Drohnen aus Bomben abwarf. Allein in diesem Jahr war das schon mehrfach der Fall. Dabei kamen auch pakistanische Soldaten ums Leben. Erst vor wenigen Tagen berichtete die pakistanische Tageszeitung "The Dawn" von einem wahrscheinlichen Vorfall dieser Art im Norden Waziristans.

Bestätigen sich die Augenzeugenberichte, wäre es allerdings das erste Mal, dass US-Soldaten gemeinsam mit afghanischen Soldaten die Grenze überschritten hätten.

Die Einsatzvorschriften der US-Armee in Afghanistan erlauben Einsätze in Pakistan innerhalb eines Streifens von wenigen Meilen, wenn die Soldaten einen Angreifer verfolgen, der auf sie geschossen hat. Auch die US-Luftwaffe darf einige Meilen in den pakistanischen Luftraum eindringen. Ob es sich im aktuellen Fall um eine solche Verfolgungsjagd gehandelt hat, ist noch völlig unklar - ebenso, ob wirklich Terroristen gejagt wurden und wenn ja, wer.

yas/Reuters/AFP/AP/dpa



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