Nach Angriffen auf Syrien Hamas droht Israel mit neuen Anschlägen

Die palästinensische Terror-Organisation Hamas hat nach den israelischen Angriffen auf Ziele in Syrien weitere Anschläge in Israel angekündigt. Die USA stoppten im Weltsicherheitsrat unterdessen einen Antrag, Israel zu verurteilen.


Haifa: Verletzte werden nach dem Selbstmordanschlag vom Tatort abtransportiert
AP

Haifa: Verletzte werden nach dem Selbstmordanschlag vom Tatort abtransportiert

Jerusalem - Eine Aggression gegen ein arabisches oder islamisches Land sei auch ein Angriff gegen das palästinensische Volk, hieß es in einem Statement der Hamas auf ihrer Website. Die Hamas-Kämpfer wurden zu einer "schnellen Antwort" in das "Herz des Zionismus" aufgefordert.

Die Iss-al-Deen-al-Kassam-Brigaden, der bewaffnete Teil der Palästinenser-Gruppe, teilte in einem Fax an die Nachrichtenagentur Reuters mit, das Ziel des israelischen Angriffs sei ein palästinensisches Flüchtlingslager gewesen. "Unsere Antwort auf diese schwer wiegende Eskalation wird eine Antwort der Abschreckung sein, und sie wird schnell folgen ...", hieß es in der Stellungnahme.

Zu dem Anschlag in Haifa, bei dem am Samstag eine Selbstmordattentäterin sich in einem Lokal in die Luft sprengte und 19 Menschen tötete, hatte sich der Islamische Dschihad bekannt. Daraufhin hatte das israelische Militär ein Lager in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus angegriffen, in dem nach israelischen Angaben auch Angehörige des Islamischen Dschihad trainiert wurden. Israel hatte damit zum ersten Mal seit 30 Jahren einen Luftangriff auf den Nachbarstaat geflogen.

Aus Angst vor weiteren israelischen Luftangriffen sind die palästinensischen Guerillas in den Flüchtlingslagern in Libanon am Montag in Alarmbereitschaft versetzt worden. "Es ist sehr gut möglich, dass Israel die Palästinenserlager in Libanon angreift", sagte der Fatah-Chef in Libanon, Sultan Abu Al Aynian. "Deshalb haben wir all unsere Kräfte in Süd- und Nord-Libanon in volle Alarmbereitschaft versetzt." Im Lager Ain al-Hilweh östlich von Sidon wie auch in den Lagern Badawi und Naher al-Bard im Norden seien Maschinengewehre in Stellung gebracht worden. Rund 367.000 Palästinenser leben in 12 Lagern in Libanon.

Bundeskanzler Gerhard Schröder rief unterdessen zur unverzüglichen Wiederaufnahme von Verhandlungen im Nahen Osten auf. Zum Abschluss seines Besuchs in Saudi-Arabien ermahnte der Kanzler Israel und die Palästinenser, ihre eingegangenen Verpflichtungen "ohne Abstriche" zu erfüllen. "Jeder Tag der fortgesetzten Gewalt stärkt die Terroristen und diejenigen, die einen friedlichen Ausgleich nicht wollen", sagte Schröder in einer Rede vor der Handelskammer in Riad. Beide Konfliktparteien müssten deshalb jetzt gedrängt werden, dem von der EU, den Uno, den USA und Russland gemeinsam vorgelegten Friedensplan nachzukommen. Das Konzept sieht die schrittweise Verwirklichung einer Zwei-Staaten- Lösung von Israel und Palästina bis 2005 vor.

Nach Syrien hat sich auch die libanesische Regierung mit einer Beschwerde über Israel an die Uno gewandt. Das teilte Informationsminister Michel Smaha mit. Nach libanesischen Militärangaben haben Sonntag früh acht israelische Maschinen libanesischen Luftraum verletzt.

Der Weltsicherheitsrat hatte zuvor eine Abstimmung über eine von Syrien geforderte Verurteilung Israels vertagt. Ohne auf den israelischen Luftangriff auf syrisches Gebiet einzugehen, kritisierten die USA Syrien und dessen Haltung im Kampf gegen den internationalen Terrorismus scharf. "Die USA sind überzeugt, dass Syrien im Krieg gegen den Terrorismus auf der falschen Seite ist", sagte der Uno-Botschafter der USA, John Negroponte. Es sei außerdem unglaublich, dass Syrien als Mitglied des Sicherheitsrats einen Resolutionsentwurf zur Situation im Nahen Osten vorlege, ohne den Selbstmordanschlag auf Israelis in Haifa zu erwähnen. Die USA haben ein Veto-Recht im Sicherheitsrat und sind der engste Verbündete Israels.

Negroponte - derzeitiger Vorsitzender des Sicherheitsrats - ließ offen, ob und wann das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen über die von Syrien vorgelegte Resolution abstimmten wird. Der Entwurf werde zunächst den Regierungen der Sicherheitsratsmitglieder - darunter derzeit auch Deutschland - Weitergeleitet. Über einen Abstimmungstermin sei noch nicht gesprochen worden. Diplomaten sagten, sie rechneten nicht mit weiteren Schritte am Montag, an dem Israel mit Jom Kippur seinen höchsten Feiertag begeht.



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