Nach Atomdeal Bush-Regierung will Indien aufrüsten

Nach dem historischen Atom-Abkommen will die US-Regierung Indien nun auch hochmoderne Waffensysteme verkaufen. Im Gespräch sind zunächst Lockheed-Kampfjets. In Südindien gab es heftige Proteste gegen den Besuch von Präsident George W. Bush.


Neu Delhi/Washington - "Es ist unser Ziel, Indien dabei zu unterstützen, den Bedarf im Verteidigungsbereich zu decken", teilte das Pentagon mit. Man wolle "wichtige Fähigkeiten und Technologien liefern, nach denen Indien strebt". Die USA wollten Indien F-16- und F-18-Kampfflugzeuge anbieten. Die Aussichten für Geschäfte bei Kampfflugzeugen, Hubschraubern, Flugzeugen zur Seeüberwachung und Schiffen seien "viel versprechend". Gestern hatten sich Indien und die USA auf ein von beiden Seiten als historisch bezeichnetes Atom-Abkommen geeinigt.

Protest gegen Bush in Mumbai: "Hände weg von Indien"
AP

Protest gegen Bush in Mumbai: "Hände weg von Indien"

Nach mehr als 30-jährigem Boykott wollen die USA demnach als erstes Land der Welt wieder Atomtechnologie und Nuklearmaterial zur zivilen Nutzung an Indien liefern. Der US-Kongress muss noch zustimmen. Die USA und viele weitere Länder liefern seit indischen Atomwaffentests im Jahr 1974, alle anderen Staaten seit späteren Tests im Jahr 1998 kein Nuklearmaterial mehr an Indien. Indien hat den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet.

Bush setzte seinen ersten Besuch in Indien heute mit einer Reise in die südindische Hightech-Metropole Hyderabad fort. Bush traf dort unter anderem mit Jungunternehmern, Bauern und Wissenschaftlern zusammen.

Bush sprach dabei über die wirtschaftlichen Chancen einer engeren Kooperation für amerikanische Unternehmen. In Indien sei eine Mittelklasse mit 300 Millionen Menschen entstanden, sagte er. Es müssten nun in den USA Produkte entwickelt werden, für die auf diesem gewaltigen Markt eine Nachfrage bestehe.

Bush verwies auch auf den negativen Effekt des ökonomischen Aufstiegs Indiens für die USA. "Viele Menschen verlieren durch die Globalisierung Arbeitsplätze, und das ist schmerzhaft für sie." Zugleich biete die Globalisierung große Chancen. In Indien sind Millionen Jobs entstanden, und allein die Outsourcing-Industrie bringt Neu-Delhi in diesem Jahr vermutlich Steuern von 22 Milliarden Dollar.

Hunderte Demonstranten gingen in Hyderabad zu Protesten auf die Straße. Sie riefen "Bush - Hände weg von Indien" und "Bush - geh nach Hause". Einige verbrannten eine Puppe, die den US-Präsidenten darstellen sollte. Auf Plakaten stand zu lesen: "Allah ist die Supermacht, nicht die USA".

Zu dem Protestmarsch hatten kommunistische Parteien und muslimische Organisationen aufgerufen. "Wir protestieren gegen George Bush, weil er ein Kriegstreiber ist", sagte der kommunistische Politiker B. V. Raghavulu. "Wir fordern den Rückzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak."

Im indischen Teil Kaschmirs an der Grenze zu Pakistan protestierten heute rund 100 Jugendliche auf Mopeds gegen den Besuch Bushs. Sie nannten ihn "Mörder von Muslimen" und "größten Terroristen der Welt". Bush wurde am Abend wieder in Neu-Delhi erwartet, wo er an einem historischen Fort die zentrale Rede seiner ersten Südasien-Reise halten wollte.

Der Koordinator für die deutsch-amerikanischen Beziehungen im Auswärtigen Amt, Karsten Voigt (SPD), bezeichnete das Atom-Abkommen zwischen USA und Indien als "strategische Entscheidung von weltpolitischer Bedeutung". Bush versuche so, "die größte Demokratie der Welt (...) auf die Seite der Amerikaner zu ziehen, als Partner", sagte Voigt  im Deutschlandfunk. Möglicherweise werde die Nuklearpolitik der USA dadurch etwas unglaubwürdiger, "aber die internationale Machtposition der USA wird dadurch verbessert", sagte der SPD-Politiker.

als/dpa/ap/reuters



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