Nach Bericht über tote Zivilisten Israel stoppt Angriffe im Gaza-Streifen

Nach Berichten über den Tod palästinensischer Zivilisten hat Israels Armeechef den Stopp der Artillerieangriffe im Gaza-Streifen angeordnet. Bei einer Attacke war auch der Sicherheitschef der Hamas-Regierung liquidiert worden. 


Gaza/Tel Aviv - Die Berichte über den Tod palästinensischer Zivilisten bei einem Angriff auf den Strand sollten untersucht werden, sagte ein Armeesprecher in Tel Aviv. "Wir bedauern den Zwischenfall", sagte der Sprecher. Israel habe medizinische Unterstützung angeboten. Generalstabschef Dan Haluz habe den Stopp der Artillerieangriffe befohlen.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte die israelischen Angriffe als "blutiges Massaker". In einer in Ramallah verbreiteten Erklärung forderte Abbas die Weltgemeinschaft auf, einzuschreiten und das israelische Vorgehen zu stoppen. Die israelische Armee begehe Verbrechen am palästinensischen Volk, sagte Abbas.

Die israelischen Streitkräfte hatten bei den heftigsten Angriffen seit dem Abzug aus dem Gaza-Streifen binnen Stunden mindestens 18 Palästinenser getötet, darunter elf Menschen in einem nördlichen Strandgebiet. Insgesamt gab es mehr als 50 Verletzte.

Nach Angaben der palästinensischen Polizei waren auch Frauen und Kinder unter den Opfern, als ein Marineboot das Feuer auf den Strand von Gaza eröffnete. Unter den Toten seien allein sieben Mitglieder einer Familie, teilte das Schiffa-Krankenhaus in Gaza mit. Die israelische Armee hatte zunächst mitgeteilt, die Angriffe seien gegen Positionen gerichtet gewesen, von denen aus Kassam-Raketen auf Israel gefeuert worden seien.

Bei einem anderen israelischen Angriff im Gaza-Streifen wurde der Sicherheitschef der Hamas-Regierung getötet. Dschamal Abu Samhadana war der ranghöchste palästinensische Extremist seit vier Jahren, der durch eine israelische Attacke ums Leben kam. Der 43-Jährige war Führer des militanten Volkswiderstandskomitees (PRC) und zuletzt auch Sicherheitschef der Hamas-Regierung. Er stand auf Platz zwei der von Israel meistgesuchten palästinensischen Extremisten und galt als Drahtzieher zahlreicher Raketenangriffe.

Nach israelischen Angaben wurde er bei einem Luftangriff auf das Ausbildungslager der PRC gestern Abend zusammen mit drei Gefolgsleuten tödlich getroffen. Die in dem Lager versammelten Extremisten hätten einen groß angelegten Angriff auf Israel geplant, hieß es.

An der Trauerfeier für Abu Samhadana nahmen Zehntausende Palästinenser teil. Die Hamas kündigte blutige Rache an. Der Sprecher des von der Hamas geführten palästinensischen Innenministeriums, Chaled Abu Hilal, sprach von einer "kriminellen Ermordung". Alle Palästinenser hätten das Recht, "mit allen Mitteln auf dieses hässliche Verbrechen zu reagieren". Auch PRC-Sprecher Abu Abir kündigte Vergeltung an: "Die Zionisten und Israelis haben mit der Ermordung von Abu Samhadana die Tore der Hölle geöffnet."

Bei zwei weiteren Luftangriffen auf mobile Raketenstellungen wurden heute drei weitere PRC-Männer getötet und zwei verletzt. 

als/AP/dpa



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