Nach Burka-Verbot Frankreich fürchtet Terroranschlag in Paris

Die französischen Sicherheitsbehörden halten das Risiko eines al-Quaida-Attentats für sehr hoch. Entsprechende Hinweise habe ein befreundeter Geheimdienst gegeben. Mögliches Ziel: das Verkehrssystem von Paris.

Metro-Gedrängel am Gare de l'Est in Paris: Sicherheitsexperten halten Anschlag für möglich
REUTERS

Metro-Gedrängel am Gare de l'Est in Paris: Sicherheitsexperten halten Anschlag für möglich


Paris - Die französischen Sicherheitsbehörden warnen ganz konkret: Das Risiko eines Attentats habe sich erhöht, teilte das Innenministerium am Montag in Paris mit. Der Geheimdienst eines Partnerlandes befürchtet Sicherheitskreisen zufolge einen unmittelbar bevorstehenden Anschlag der Terrorgruppe al-Qaida in Frankreich. Der Hinweis soll aus Algerien stammen.

"Die Bedrohung ist real, unsere Überwachung ist verstärkt", sagte Innenminister Brice Hortefeux. Zudem seien weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, die Hortefeux jedoch nicht näher ausführte.

Das mögliche Ziel eines Anschlags ist laut Innenministerium unklar. Zunächst hatte es aus dem Umfeld des Ministeriums geheißen, vor allem das Verkehrssystem sei in Gefahr. Inzwischen ist die Warnung ausgeweitet worden.

Hintergrund könnte das Burka-Verbot sein. Medienberichten zufolge gab es vermehrt Drohungen, seit der Senat in der vergangenen Woche das entsprechende Gesetz bestätigt hat. Französische Geheimdienstkreise hatten nach der Burka-Debatte auf einen "antifranzösischen Fokus" der al-Qaida im nordafrikanischen Maghreb hingewiesen.

Schlafende Netzwerke aufgeweckt

Polizeikreisen zufolge haben sich zwei unterschiedliche islamistische Netzwerke, die in Ruhestellung waren und über Finanzmittel in Frankreich verfügten, unlängst reaktiviert. Mehrere Islamisten, zweifelsohne Rückkehrer aus dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet, seien in Frankreich angekommen.

Zudem suchen die Sicherheitsbehörden seit Ende vergangener Woche nach einer Frau, die verdächtigt wird, ein Selbstmordattentat in der französischen Hauptstadt verüben zu wollen. Allerdings soll es hierbei keine Verbindung zu der aktuellen Bedrohung geben.

Seit Donnerstag steht der Rektor der Großen Moschee von Paris, Dalil Boubakeur, unter Personenschutz, wie dessen Sprecher bestätigte. Nach Angaben aus dem Umfeld des Innenministeriums steht auch dies nicht im direkten Zusammenhang mit der erhöhten Terrorbedrohung. "Aber alle erinnern sich, dass die Anschlagserie 1995 mit dem Attentat gegen den damaligen Imam Sahraoui begann."

Im Sommer und Herbst 1995 verübten algerische Islamisten eine Anschlagsserie in U- und S-Bahnstationen in Paris und Lyon. Acht Menschen kamen damals ums Leben, fast 200 wurden verletzt.

Die französischen Sicherheitsbehörden haben seit der vergangenen Woche eine Reihe von Terrorwarnungen herausgegeben. Der französische Anti-Terror-Chef Bernard Squarcini war besonders deutlich: "Wir rechnen mit Anschlägen auf unserem Territorium." Innenminister Hortefeux besuchte am Donnerstag die Sicherheitskräfte am Eiffelturm, der in der vergangenen Woche ebenso wie eine S-Bahn-Station nach einer Bombendrohung komplett geräumt worden war. Der Minister und der Anti-Terror-Chef wiederholten am Sonntag eindringlich ihre Warnungen.

Laut Hortefeux zählt zu den Hinweisen für die erhöhte Terrorgefahr auch die Entführung von fünf Franzosen und zwei afrikanischen Mitarbeitern von französischen Firmen im Niger. Die Sicherheitsbehörden vermuten den nordafrikanischen Qaida-Arm Aqmi hinter der Entführung. Frankreich verstärkte am Montag die Suche nach den Verschleppten, 80 Militärs wurden zur Luftaufklärung im Niger stationiert. Al Qaida hatte Frankreich im Juli mit Anschlägen gedroht.

ler/AFP/apn



insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
Klapperschlange 20.09.2010
1. wie hier
Zitat von sysopDie französischen Sicherheitsbehörden halten das Risiko eines al-Quaida-Attentats für sehr hoch. Entsprechende Hinweise habe ein befreundeter Geheimdienst gegeben. Mögliches Ziel: das Verkehrssystem von Paris. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,718521,00.html
Wenn dem so kommt, dann wird der Westen endlich wach! Auch hier wird alles erlaubt, Frauenbadetage, Schächten, Zuhängen von Frauen, Fernbleiben von Schulveranstaltungen etc! Wann werden Beschneidungen hier Pflicht?
mm01 20.09.2010
2. ....
Zitat von sysopDie französischen Sicherheitsbehörden halten das Risiko eines al-Quaida-Attentats für sehr hoch. Entsprechende Hinweise habe ein befreundeter Geheimdienst gegeben. Mögliches Ziel: das Verkehrssystem von Paris. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,718521,00.html
Ist das die Antwort auf den sog. moderaten, friedlichen Islam?
haltetdendieb 20.09.2010
3. Burka-Verbot hin oder her!
Terroranschlägen wären sowieso gekommen. Die Lage wird immer schlechter und der Kampf hat noch gar nicht begonnen. Der islamische Terror richtet sich gegen die "Ungläubigen" und nicht gegen die Ausbeuter und Kapitalisten! Also reicht es auch aus, wenn ein Franzose mal zu schief guckt! Gegen diesen Terror hilft keine Strategie des Appeasements!
Diomedes 20.09.2010
4. Voltaire darf bei dieser Debatte natürlich nicht fehlen...
Denn bereits vor fast 300 Jahren hat der Fürst der Aufklärung den Stab über den Mohammedanismus gebrochen: "Doch dass ein Kamelhändler in seinem Nest Aufruhr entfacht, dass er seine Mitbürger glauben machen will, dass er sich mit dem Erzengel Gabriel unterhielte, dass er sich damit brüstet, in den Himmel entrückt worden zu sein und dort einen Teil jenes unverdaulichen Buches empfangen zu haben, das bei jeder Seite den gesunden Menschenverstand erbeben lässt, dass er, um diesem Werk Respekt zu verschaffen, sein Vaterland mit Feuer und Eisen überzieht, dass er Väter erwürgt, Töchter fortschleift, dass er den Geschlagenen die freie Wahl zwischen Tod und seinem Glauben lässt: Das ist nun mit Sicherheit etwas, dass kein Mensch entschuldigen kann, es sei denn, er ist als Türke auf die Welt gekommen, es sei denn, der Aberglaube hat bei ihm jedes natürliche Licht erstickt." – nachdem also der Mohammedanismus von der Aufklärung verworfen wurde, stellt sich nun noch eine Frage: Weshalb man einer Religion, die das erklärte Ziel hat, die Religionsfreiheit abzuschaffen und dies auch in allen Ländern tut, über die sie Macht gewonnen hat, von Afrika bis nach Südostasien hin, erlaubt dies unter Berufung auf die Religionsfreiheit zu betreiben?
Ludwig Schmidt 20.09.2010
5. Auf Thema antworten
Zitat von sysopDie französischen Sicherheitsbehörden halten das Risiko eines al-Quaida-Attentats für sehr hoch. Entsprechende Hinweise habe ein befreundeter Geheimdienst gegeben. Mögliches Ziel: das Verkehrssystem von Paris. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,718521,00.html
Ich sage es einmal frei heraus: Ich möchte nicht in der Haut der Muslime in West-, Ost- und Mitteleuropa stecken, sollte es diesen Anschlag tatsächlich wegen dieser Begründung geben. Ich hoffe, er bleibt aus und man kehrt zurück zu einer breiten gesellschaftlichen Debatte an der sich alle Seiten zwar reiben, aber letztlich friedlich fortentwickeln.
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