Nach der Wahl Hängepartie in Simbabwe

Fünf Wochen nach den Parlamentswahlen gibt es noch immer keine Entscheidung über die politische Zukunft Simbabwes. Präsident Mugabe hat das für ihn ungünstige Ergebnis angefochten - und die Opposition noch nicht entschieden, ob sie sich auf eine Stichwahl einlassen wird.


Harare - Die Partei ZANU(PF) von Simbabwes Präsident Robert Mugabe zieht das Ergebnis der Parlamentswahl vom 29. März in Zweifel. Demnach hat der Chef der oppositionellen Bewegung für demokratischen Wandel (MDC), Morgan Tsvangirai, zwar mehr Stimmen als Mugabe erhalten. Die für einen Sieg im ersten Wahlgang erforderliche absolute Mehrheit soll er allerdings verfehlt haben.

Die Opposition in Simbabwe will erst in den kommenden Tagen über ihre Teilnahme an der geplanten Stichwahl um das Präsidentenamt entscheiden. Bisher sei noch keine Entscheidung über eine Teilnahme an dem erneuten Urnengang getroffen, sagte ein Sprecher der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) am Samstag. Dafür müsse sich der Parteirat versammeln, das höchste Gremium der MDC. "Das wird in den kommenden Tagen erfolgen." Die MDC beansprucht bislang eine absolute Mehrheit und damit einen direkten Sieg im ersten Durchgang für sich.

Die MDC-Vizevorsitzende Thokozani Khupe zeigte sich derweil überzeugt, dass selbst im Falle einer Stichwahl der Oppositionskandidat Morgan Tsvangirai gewinnen werde. "Im allerdings wenig wahrscheinlichen Fall eines zweiten Wahlganges wird die MDC erneut und mit noch größerem Vorsprung gewinnen", sagte Khupe in Harare. Der zweite Durchgang müsste laut Wahlgesetz innerhalb von drei Wochen stattfinden, den genauen Termin legt die Wahlkommission fest.

Diese hatte am Freitag mitgeteilt, dass im ersten Durchgang der Präsidentenwahl am 29. März weder Amtsinhaber Robert Mugabe noch Tsvangirai die absolute Mehrheit erzielt hätten. Dem amtlichen Ergebnis zufolge lag Oppositionsführer Tsvangirai mit 47,9 Prozent der Stimmen rund vier Prozentpunkte vor Mugabe. Die MDC nannte die Ergebnisse "skandalös".

Die Staatszeitung "The Herald" schrieb am Samstag unter Berufung auf den ZANU(PF)-Manager Emmerson Mnangagwa, die Partei habe insgesamt 52 von der MDC bei der Parlamentswahl gewonnene Mandate vor Gericht angefochten. Die MDC stellte ihrerseits 60 Mandate infrage, die die ZANU(PF) gewonnen hatte. Insgesamt kommt die MDC nach den bisher veröffentlichten Resultaten auf 99 Sitze, eine mit ihr kooperierende Splitterpartei auf zehn. Mugabes ZANU(PF) erhielt 97 Mandate.

jdl/AP/dpa



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