Nach Gewaltexzess Ägyptische Behörden nehmen Christin fest

Christen und Muslime gingen aufeinander los, es gab mehrere Tote und Hunderte Verletzte: Ägyptische Behörden haben eine Christin festgenommen, die als Auslöser für gewaltsame Auseinandersetzungen in Kairo gilt. Ihr wird Vielmännerei zur Last gelegt.
Proteste von Christen vor TV-Station: Kopten und Muslime gingen aufeinander los

Proteste von Christen vor TV-Station: Kopten und Muslime gingen aufeinander los

Foto: Khaled Elfiqi/ dpa

Kairo - In Ägypten ist eine Frau festgenommen worden, die als Auslöser für die erneuten schweren religiösen Auseinandersetzungen in Kairo am vergangenen Wochenende gilt. Der zum Islam übergetretenen ägyptischen Koptin wird Vielmännerei zur Last gelegt, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Justizkreise. Die 26-Jährige lebte den Angaben zufolge mit ihrem christlichen Ehemann zusammen, bevor sie zum Islam übertrat, um einen Moslem zu heiraten.

Als sie von ihrer Familie in ein Gebäude nahe einer Kirche gebracht wurde, verbreitete ihr Partner das Gerücht, die Frau sei entführt worden und werde gegen ihren Willen in der Kirche festgehalten, weil sie zum Islam übertreten wolle. In der Folge gab es im Arbeiterviertel Imbaba heftige Zusammenstöße zwischen ultrakonservativen Muslimen und Christen.

Bei den Krawallen warfen Islamisten Brandbomben auf die Kirche, deren Fassade Feuer fing. Bereits am Dienstag soll das ägyptische Militär laut Berichten von Zeitungen begonnen haben, die Kirche wieder aufzubauen. Zudem gilt in Imbaba eine Ausgangssperre.

Bei den Auseinandersetzungen kamen Augenzeugen zufolge Hunderte Muslime zusammen, um die Frau zu befreien. Der Streit zwischen beiden Seiten eskalierte, es gab heftige Straßenkämpfe zwischen beiden Gruppen, 15 Menschen wurden getötet und mehr als 200 verletzt.

Die Gewalt griff auch auf umliegende Straßen über, Wohnhäuser in der Nähe der Kirche gerieten laut Augenzeugen ebenfalls in Brand. Die Menge rief Parolen wie "Mit unseren Seelen und unserem Blut verteidigen wir dich, Islam".

Nur mit Mühe konnten Streitkräfte und Polizei der Gewalt Einhalt gebieten. Soldaten blockierten mit gepanzerten Fahrzeugen den Zugang zur Kirche und schossen in die Luft, um die beiden Parteien auseinanderzuhalten. Die beiden Gruppen warfen Steine aufeinander. Christen beschuldigten die Soldaten, sie nicht ausreichend zu beschützen. Später gingen Sondereinsatzkräfte vor der Kirche in Stellung.

ulz/AFP/dapd
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