Nach Grenzübertritt Nordkorea lässt US-Missionar frei

Er saß mehr als vier Wochen in Haft, doch jetzt gibt Pjöngjang sich gnädig: Ein US-Bürger soll freigelassen werden. Grenzsoldaten hatten ihn an Weihnachten aufgegriffen und inhaftiert. Die Festnahme hatte der Missionar allerdings beabsichtigt.


Seoul - Die Reue des US-Missionars Robert Park zahlt sich aus: Nordkorea hat seine Freilassung angekündigt. Die zuständige Behörde habe entschieden, Park "unter Berücksichtigung seines Geständnisses und seiner aufrichtigen Reue für sein Fehlverhalten zu vergeben und ihn freizulassen", hieß es am Freitag in einem Bericht der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA.

Die Ankündigung kam überraschend. Seit der Festnahme war kein Lebenszeichen von Park mehr nach außen gedrungen. Der 28 Jahre alte Mann hatte seine Festnahme in Nordkorea vorher angekündigt. Am 25. Dezember hatte er aus Protest gegen die Unterdrückung in Nordkorea die Grenze über den gefrorenen Fluss Tumen überschritten. Nach Angaben christlicher Organisationen hatte Park einen Brief bei sich, in dem er zur Schließung der Gefangenenlager in Nordkorea und zum Rücktritt von Machthaber Kim Jong Il aufrief.

In dem Bericht der nordkoreanischen Agentur hieß es nun, Park habe in einem Interview gesagt, er sei das Opfer "falscher Propaganda des Westens" gewesen. Er soll gesagt haben: "Ich hätte ein solches Verbrechen nicht begangen, wenn ich gewusst hätte, dass Nordkorea die Rechte aller Bürger respektiert und ihre Freiheit garantiert und dass sie ein frohes und stabiles Leben genießen."

Annäherung Pjöngjangs an die USA

Beobachter werteten die Ankündigung aus Nordkorea nun aber als ein weiteres Zeichen der Bereitschaft zur Annäherung mit den USA. Pjöngjang wolle den Dialog mit Washington fortsetzen. Nordkorea hatte im Dezember nach dem Besuch eines US-Sondergesandten bekräftigt, zu den abgebrochenen Verhandlungen über sein Atomwaffenprogramm zurückkehren zu wollen. Allerdings blieb bisher eine konkrete Zusage aus.

Keine Angaben machte KCNA zu einem weiteren Amerikaner, der nach offiziellen Berichten Ende Januar in Nordkorea ebenfalls an der Grenze zu China inhaftiert worden war. Pjöngjang hatte die US-Regierung über die Festnahme informiert.

Im Frühjahr vergangenen Jahres waren zwei US-Journalistinnen wegen illegalen Grenzübertritts verhaftet worden. Ein Gericht verurteilte Laura Ling und Euna Lee zu 12 Jahren Arbeitslager. Die beiden kamen im August nach Vermittlungsbemühungen des früheren US-Präsidenten Bill Clinton wieder frei.

kgp/dpa/AFP/apn



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