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Nordkorea: Das Militär will mitregieren

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Nach Kim Jong Ils Tod Diktatoren-Trupp soll Nordkorea regieren

In Nordkorea mehren sich Anzeichen, dass künftig eine Führung unter Beteiligung des Militärs regieren soll. Auch mit einem seiner Onkel wird Kim Jong Un die Macht wohl teilen müssen. Die Trauerrituale um den verstorbenen Diktator Kim Jong Il werden immer inbrünstiger.

Peking - Nordkoreas neuer Führer Kim Jong Un wird künftig womöglich die Macht mit dem Militär und einem seiner Onkel teilen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf einen Informanten mit engen Verbindungen in die nordkoreanische Führung, dass künftig ein Kollektiv regieren solle. Dabei sei nicht mit Machtkämpfen zu rechnen. Laut der Quelle hat das Militär seine Loyalität gegenüber Kim Jong Un zugesichert. Die Situation scheine stabil, ein Militärputsch sei sehr unwahrscheinlich.

An der Macht beteiligt sein soll dem Informanten zufolge künftig auch Chang Song Thaek, der Schwager des verstorbenen Diktators Kim Jong Il und Onkel dessen Nachfolgers und Sohnes Kim Jong Un. Chang sei im Jahr 2009 in die Nationale Verteidigungskommission berufen worden, den höchsten Leitungsrat des Landes, dem Diktator Kim Jong Il als Machthaber des Militärstaates vorsaß.

Der Informant gilt nach Angaben von Reuters als ausgesprochen zuverlässig. Er habe 2006 den ersten Atomtest Pjöngjangs korrekt vorausgesagt. In den Jahren 2006 und 2009 schockierte das verarmte und isolierte Land die Weltgemeinschaft mit zwei Atomtests. Bis heute ist unklar, ob das Militär im Besitz einer einsatzfähigen Kernwaffe ist.

Der Reuters-Informant äußerte sich noch zu weiteren Details der aktuellen Entwicklung in Nordkorea: So erklärte er, dass Pjöngjang mit dem Raketentest vom Montag demonstrieren wollte, dass es in der Lage sei, sich selbst zu verteidigen. Der Test sollte eine Warnung an die USA sein, sich nicht einzumischen. Weitere Tests seien aber erst einmal nicht geplant. Den Informationen zufolge wurde auch die chinesische Regierung erst am Montag, also zwei Tage nachdem Kim Jong Il starb, über dessen Tod informiert.

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Tod von Kim Jong Il: Staatstrauer in Nordkorea

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Die massenhafte Trauer um Kim Jong Il folgt einer sorgfältigen Inszenierung: In Gedenken an den Verstorbenen wurden landesweit Porträts und Traueraltäre aufgestellt. Das Staatsfernsehen zeigte am Mittwoch, wie Massen von schluchzenden Menschen in Pjöngjang zu Plätzen mit riesigen Porträts Kims strömten. Allein in der Hauptstadt hätten fünf Millionen Menschen Statuen und Porträts von Kim aufgesucht, verkündete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Die Plätze hätten sich in ein "wahrhaftiges Meer von Trauernden verwandelt, die bitterlich weinten und auf die Porträts eines lächelnden Kim Jong Il aufblickten", hieß es.

Südkoreaner dürfen Beileid übermitteln

Die Lage zwischen den Nachbarländern Nord- und Südkorea bleibt angespannt. Südkoreanische Aktivisten haben inmitten der Staatstrauer um Kim Jong Il Ballons mit Flugblättern nach Nordkorea geschickt. Darin wird Kritik an einer Vererbung der Macht vom Vater auf dessen Sohn Kim Jong Un geübt. Pjöngjang hat angedroht, bei derartigen Aktionen Südkorea unter Beschuss zu nehmen.

Die südkoreanische Regierung erlaubt privaten Gruppen, Nordkorea ihr Beileid über den plötzlichen Tod von Machthaber Kim Jong Il zu übermitteln. Das Ministerium für Wiedervereinigung, das jeglichen Kontakt zwischen Südkoreanern und dem Norden genehmigen muss, werde solche Botschaften "in der Regel erlauben", sagte ein Sprecher am Mittwoch. "Wir werden solche Anfragen genehmigen, es sei denn, es gibt einen besonderen Grund, dies nicht zu tun." Es hätten bereits vier Gruppen um Genehmigungen ersucht, sagte der Sprecher.

Diktator Kim Jong Il war nach Angaben der nordkoreanischen Medien am Samstag im Alter von 69 Jahren während einer Bahnfahrt an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben. Die Nachricht über seinen Tod war aber erst am Montag verbreitet worden. Nordkoreas Propagandaapparat hatte seitdem den Personenkult um Kims jüngsten Sohn Kim Jong Un vorangetrieben. Dieser war von seinem Vater auf die Nachfolge vorbereitet worden.

Kim Jong Il hatte die Macht 1994 von seinem verstorbenen Vater und "ewigen Präsidenten" Kim Il Sung übernommen. Er regierte das Land 17 Jahre lang mit eiserner Faust. Unter seiner Herrschaft starben nach Schätzungen Hunderttausende von Menschen vor Hunger.

anr/dpa/dapd/Reuters