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12. Januar 2013, 21:03 Uhr

Nach Kurdinnen-Mord

15.000 Menschen demonstrieren in Paris

"Wir sind alle PKK": Nach dem Attentat auf drei kurdische Aktivistinnen haben in Paris 15.000 Menschen demonstriert. Der türkische Premier Erdogan forderte von Frankreich die "sofortige" Aufklärung der Morde - und drohte mit rechtlichen Konsequenzen.

Paris - Nach der Ermordung drei kurdischer Aktivistinnen sind in der französischen Hauptstadt rund 15.000 Menschen zu einer Solidaritätskundgebung für die Opfer durch die Straßen gezogen. Die Demonstranten forderten eine schnelle Aufklärung des Verbrechens und eine harte Bestrafung der Täter. "Wir sind alle PKK", riefen sie bei der Protestaktion am Samstag. Dabei hielten sie Flaggen mit dem Kürzel der kurdischen Arbeiterpartei und Transparente in die Höhe, auf denen die Gesichter der drei erschossenen Opfer abgebildet waren.

Die Leichen der drei Aktivistinnen waren in der Nacht auf Donnerstag mit Kopfschüssen im kurdischen Informationszentrum in Paris aufgefunden worden. Kurdische Aktivisten machten die Türkei für die Gewalttat verantwortlich. Vertreter der Regierung in Ankara werteten den Vorfall hingegen als Ergebnis einer internen Fehde oder Versuch, die Friedensgespräche zwischen der Regierung und dem inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan zu untergraben. Die PKK wird von der Türkei, den europäischen Staaten und den Vereinigten Staaten als Terrororganisation eingestuft.

Der türkische Premier Erdogan forderte am Samstag im türkischen Fernsehen von Frankreich die "sofortige" Aufklärung der Morde. "Was für eine Art Politik ist das?", fragte er bei einer live im Fernsehen übertragenen Rede an die Adresse Hollandes gerichtet. Der französische Präsident hatte am Donnerstag vor Journalisten gesagt, dass eine der getöteten Frauen ihm und vielen Politikern bekannt gewesen sei, da sie regelmäßig Treffen initiiert habe. Der französische Staatspräsident Hollande müsse umgehend öffentlich den Hintergrund der Begegnungen erläutern, forderte der türkische Ministerpräsident.

Alle drei Opfer hatten offenbar Verbindungen zur PKK. "Wie können Sie sich regelmäßig mit Mitgliedern einer als Terrorgruppe eingestuften Organisation treffen, die von Interpol gesucht werden?", fragte Erdogan. Der französische Präsident müsse umgehend offenlegen, warum es zu diesen Begegnungen gekommen sei, was dabei besprochen wurde und welchem Ziel sie gedient hätten. Er drohte rechtliche Maßnahmen an, die er aber nicht näher spezifizierte.

Frankreich hatte sich um eine Verbesserung der Beziehungen zur Türkei bemüht. Mit rund 150.000 Mitgliedern hat das Land eine der größten kurdischen Exil-Gemeinden. Die Türkei wirft der Regierung in Paris und anderen europäischen Staaten mangelnde Kooperation im Kampf gegen die PKK vor. Anträge auf Auslieferung blieben oft ergebnislos, lautet eine häufige Klage aus Ankara.

Demonstrationen in Hannover und Berlin

Auch in Deutschland gab es Proteste gegen die Ermordung der drei kurdischen Aktivistinnen: Rund 2300 Menschen, überwiegend Kurden, gingen in Hannover auf die Straße. In Berlin hatten bereits am Freitag 1000 Menschen demonstriert.

Die PKK kämpft seit Anfang der 1980er Jahre für politische Autonomie in den von Kurden bewohnten Regionen im Südosten der Türkei. Rund 45.000 Menschen starben bisher in dem Konflikt.

lei/AFP/Reuters

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