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20. Dezember 2005, 11:23 Uhr

Nach Osthoff-Entführung

Auswärtiges Amt ruft Deutsche zur Ausreise auf

Als Konsequenz aus der Entführung von Susanne Osthoff hat das Auswärtige Amt erneute alle Deutschen zur Ausreise aus dem Irak aufgefordert. Unbekannte sollen unterdessen in Bagdad einen Mitarbeiter der jordanischen Botschaft entführt haben.

Berlin - Er hoffe, dass die Lehre aus dem Fall Osthoff gezogen werde, sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, dem NDR. "Deswegen hat das Auswärtige Amt noch einmal sehr eindringlich darauf hingewiesen, dass deutsche Staatsangehörige das Land dringend verlassen sollten. Dass das Risiko von Entführungen sehr hoch ist und dass das ja nicht immer so ausgeht wie im Fall Osthoff." Erler gab aber auch zu, dass die Bundesregierung niemanden zur Ausreise aus dem Irak zwingen könne.

Der frühere Staatsminister im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, kritisierte ein "Sozialversicherungsdenken" mancher deutscher Bürger im Ausland. Wer sich in Gefahr gebe, müsse das Risiko kennen, sagte er dem Bayerischen Rundfunk. "Man erwartet ja immer eine Rundumversicherung des Staates, aber Wunder können wir nicht bewirken."

Derzeit leben noch rund 100 Deutsche im Irak, die meisten von ihnen wegen familiärer Bindungen. Außerdem halten sich einige deutsche Diplomaten in Bagdad auf. Deutsche Aufbauhelfer oder Mitarbeiter humanitärer Organisationen sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes so gut wie nicht mehr im Irak - und wenn sie einreisen, dann nur für möglichst kurze Zeit.

Unbekannte haben heute unterdessen nach Angaben von irakischen Polizeikreisen einen Mitarbeiter der jordanischen Botschaft verschleppt. Die Entführer hätten den Jordanier in seinem Haus im Süden Bagdads ergriffen, hieß es. Welche Funktion der Mitarbeiter in der Botschaft hat, blieb zunächst unklar. Ein Vertreter der Botschaft sagte, er habe keine Informationen über einen solchen Zwischenfall.

In diesem Jahr sind im Irak zahlreiche arabische Diplomaten oder Botschaftsmitarbeiter entführt worden. Nach ihrer Verschleppung durch die al-Qaida wurden im Juli der ägyptische Gesandte und zwei algerische Diplomaten getötet.

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