Nach Stopp der Uno-Mission Assad-Regime nimmt Homs unter Feuer

Nach dem Rückzug der Uno-Beobachter eskaliert die Gewalt in Syrien. Allein am Sonntag kamen nach Angaben von Aufständischen elf Menschen ums Leben. Aus der Rebellenhochburg Homs melden Aktivisten erneut Beschuss.

Homs (Amateur-Aufnahme): Rebellenstadtteile unter Beschuss
AP/ Shaam News Network

Homs (Amateur-Aufnahme): Rebellenstadtteile unter Beschuss


Damaskus/Kairo - Bei Angriffen der Sicherheitskräfte des Regimes von Präsident Baschar al-Assad sind am Sonntag in Syrien nach Angaben von Aktivisten elf Menschen getötet worden. Fünf Menschen seien im Großraum Damaskus gestorben, drei in der Provinz Homs, zwei in der nördlichen Provinz Aleppo und einer in der südlichen Provinz Daraa.

Besonders die Stadt Homs geriet nach Angaben der Rebellen am Sonntag wieder massiv unter Beschuss. Ins Visier genommen hätten die Soldaten jene Stadtteile, die von den Rebellen gehalten würden, teilten die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sowie die örtlichen Koordinationskomitees mit. Bereits seit Tagen würden diese Viertel beschossen und angegriffen, hieß es weiter.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle sollen derzeit mehr als tausend Familien in der zentralsyrischen Stadt Homs eingekesselt sein. Sie stünden in mehreren Vierteln unter dauerndem Beschuss. Die Menschenrechtler forderten Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon auf, "unverzüglich einzugreifen, um die ständigen Bombardierungen zu stoppen und die mehr als tausend umzingelten Familien in Sicherheit zu bringen".

Rebellen kritisieren Uno-Beobachter

Die Uno müsse auch dafür sorgen, dass "Dutzende Verletzte" aus Homs, das als Hochburg der Gegner von Präsident Baschar al-Assad gilt, abtransportiert werden könnten, erklärte ein Vertreter der Beobachtungsstelle weiter. Viele von ihnen seien angesichts fehlender medizinischer Versorgung in Lebensgefahr.

Am Samstag waren nach Angaben von Aktivisten in Syrien insgesamt 59 Menschen getötet worden. Angesichts der andauernden Gewalt hatte die Uno-Beobachtermission in Syrien (UNSMIS) die vorläufige Einstellung ihrer Aktivitäten bekanntgegeben. UNSMIS-Chef Robert Mood, ein norwegischer General, hatte den Schritt mit der zunehmenden Gefährdung der Blauhelme im Feld begründet. Die Aussetzung der Mission werde täglich überprüft.

Die mehr als 300 Mann starke, unbewaffnete Uno-Truppe ist seit April in Syrien, um eine von Vermittler Kofi Annan mit den Konfliktparteien ausgehandelte Waffenruhe zu überwachen. Diese Waffenruhe besteht allerdings bislang nur auf dem Papier.

Das syrische Außenministerium hatte für das Aussetzen der Beobachtermission "Verständnis" gezeigt. Die Aufständischen kritisierten indes die Entscheidung der Uno-Beobachter. In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung der Allgemeinen Kommission der Syrischen Revolution hieß es, die Uno-Beobachter hätten erst dem Regime durch ihre Anwesenheit die Möglichkeit gegeben, unbehelligt Kinder zu töten und Massaker zu verüben. Jetzt aber würden sie beiden Seiten die Schuld an der jüngsten Eskalation der Gewalt geben. Dabei hätten die Kämpfer der Freien Syrischen Armee lediglich zu Verteidigungszwecken das Feuer auf die Regimetruppen eröffnet.

mik/dpa

insgesamt 56 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
freiheitsk 17.06.2012
1. Geisterstadt
Zitat von sysopAFP/ Shaam News NetworkNach dem Rückzug der Uno-Beobachter eskaliert die Gewalt in Syrien. Allein am Sonntag kamen nach Angaben von Aufständischen elf Menschen ums Leben. Die Rebellen werfen der Schutztruppe vor, Partei für das Assat-Regime zu ergreifen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,839361,00.html
Wie auch westliche Medien berichteten, ist Homs seit einiger Zeit eine Geisterstadt, d.h. es gibt dort keine Zivilbevölkeruing mehr:Syrian rebel city of Homs turns to ghost town - CBS News (http://www.cbsnews.com/8301-18563_162-57450743/syrian-rebel-city-of-homs-turns-to-ghost-town/) D.h. jedwede Artikel, die von weiteren "Massakern" aus Homs berichten, sind entsprechend kritisch zu betrachten.
cap87 17.06.2012
2.
Zitat von sysopAFP/ Shaam News NetworkNach dem Rückzug der Uno-Beobachter eskaliert die Gewalt in Syrien. Allein am Sonntag kamen nach Angaben von Aufständischen elf Menschen ums Leben. Die Rebellen werfen der Schutztruppe vor, Partei für das Assat-Regime zu ergreifen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,839361,00.html
So die Rebellen kritisieren die Uno-Beobachter, weil diese festgestellt haben, dass die Gewalt von beiden Seiten ausgeht. So das wars mit denHollywood Stories. Eure Rechtfertigungsversuche(angeblich zu Verteidigungszwecken) für die vielen Zivilenopfer ist aufgeflogen. Das Massaker von al-Hula, wo über 100 Zivilisten getötet worden sind geht eindeutig auf die Kappe von terroristischen Gruppierungen der FSA. Die Opfer waren alle schiiten und alawiten. "Das Massaker von Hula ist ein Wendepunkt im syrischen Konflikt. Die westliche Öffentlichkeit beschuldigt, gestützt auf die UN-Beobachter, die syrische Armee. Diese Version kann auf Grundlage von Augenzeugenberichten bezweifelt werden. Demnach wurden die Zivilisten von sunnitischen Aufständischen getötet." Syrien: Eine Auslöschung - Arabische Welt - FAZ (http://www.faz.net/aktuell/politik/arabische-welt/syrien-eine-ausloeschung-11784434.html)
simon23 17.06.2012
3.
Zitat von sysopAFP/ Shaam News NetworkNach dem Rückzug der Uno-Beobachter eskaliert die Gewalt in Syrien. Allein am Sonntag kamen nach Angaben von Aufständischen elf Menschen ums Leben. Die Rebellen werfen der Schutztruppe vor, Partei für das Assat-Regime zu ergreifen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,839361,00.html
Alle schießen aufeinander - und alle verteidigen sich nur. Selektive Wahrnehmung muss irgendeinen evolutionären Vorteil in sich bergen, sonst wäre sie unerklärlich. Wie kommt es dann, das man sie auf den allerersten Blick für die größte menschliche Dummheit hält? Zumindest wenn man sie absolut sieht, nicht zweckgebunden. Wenn es natürlich darum geht, sich Unterstützung zu verschaffen, stellt sie tatsächlich einen evolutionären Vorteil dar. So wie die Lüge. Mich würde ja immer noch interessieren, was in Hula wirklich geschah. Es soll erst zu Angriffen der Regierungstruppen gekommen sein. Dann hätten die Rebellen einen großen Angriff gestartet, worauf sie mit Artillerie beschossen wurden. Dann seien die Rebellen abgerückt und eine unbekannte Truppe wäre in das Dorf eingedrungen und hätte die Morde begangen, die nicht auf das Feuergefecht zurückzuführen sind. Dabei kam nach übereinstimmenden Meldungen eine ganze Großfamilie, mehr als sechzig Personen ums Leben. Diesen Punkt finde ich zumindest bedenkenswert. Durch Artillerie-Beschuss kann sowas kaum geschehen, da dieser viel zu willkürlich trifft. Also ist es hochwahrscheinlich, das diese Personen durch die ins Dorft eindringende Truppe getötet wurden. Das wiederum setzt meiner Meinung nach voraus, das man sich über die Verhältnisse im Dorf sehr gut auskennen muss. Diese Verwandtschaft sieht man den Menschen ja nicht auf den ersten Blick an, noch weiß man, wo die einzeln verstreut in dem Dorf wohnen. Dazu bedarf es Insiderkenntnisse. Die Wahrscheinlichkeit das Dorfbewohner daran beteiligt waren ist zumindest höher, als anzunehmen, das die Täter das unabhängig von ihnen herausgefunden haben. Zweitens ergibt sich so eine Handlung kaum spontan. Um so etwas festzustellen, muss man sich Mühe geben. Man muss planen. Also ist es unwahrscheinlich das es sich dabei um eine spontane Vergeltungsaktion des Regimes gehandelt hat. Diese Tat muss zumindest schon lange ins Auge gefasst worden sein. Bei einer spontanen Aktion würden aller Voraussicht nach einfach wahllos Bewohner umgebracht, nicht gezielt ausgesuchte Leute, über deren Zusammenhang man genaue Informationen braucht. Es gibt auch die Aussage eines Zeugen, das die Familie regimetreu gewesen sei. Das allerdings ist schon wieder mit Vorsicht zu genießen, da man nicht weiß welche Vor- oder Nachteile der Zeuge zu befürchten hätte, wenn er nicht diese Aussage macht.
simon23 17.06.2012
4. Nachtrag
Zitat von sysopAFP/ Shaam News NetworkNach dem Rückzug der Uno-Beobachter eskaliert die Gewalt in Syrien. Allein am Sonntag kamen nach Angaben von Aufständischen elf Menschen ums Leben. Die Rebellen werfen der Schutztruppe vor, Partei für das Assat-Regime zu ergreifen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,839361,00.html
Dazu vielleicht noch dieser Bericht: Ausland: Syrien: Spuren führen auch zu den Rebellen - badische-zeitung.de (http://www.badische-zeitung.de/ausland-1/spuren-fuehren-auch-zu-den-rebellen--60494555.html)
cathleen.ni.hoolihan 17.06.2012
5. Geisterstadt?!?!
Homs war eine Stadt mit 1.3 Millionen Einwohnern. Vielleicht hat Palmer nicht gründlich genug gesucht?? In Al Ghouta sind unglaublich viele Flüchtlinge, zusammengepfercht in Wohnungen und Schulen. Das kann ich so genau sagen, weil meine Familie dort ist. Und ich bin es verdamt müde, immer dieses Unsinn zu hören!! Ihr wisst es alles besser, nie dort gewesen, alles nur ausm Netz, aber ihr wißt ganz genau, wo der Hase läuft
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.