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US-Botschaft: Schmuddel-Fotos aus Kabul

Foto: Project on Government Oversight

Nach Sex-Skandal Kabuler US-Botschaft feuert Wachpersonal

Die Schmuddelpartys enthemmter Wachmänner in Afghanistan haben Konsequenzen: Acht Mitarbeitern wurde umgehend gekündigt, das zuständige Management wird ausgetauscht. Von der US-Regierung mit heiklen Missionen in Kriegsgebieten beauftragte Privat-Truppen sorgen regelmäßig für Skandale.
Von Ole Reißmann und Helga Hochwind

Hamburg/Berlin - Wodka aus der Po-Ritze und simulierter Sex: Fotos einer angeblichen Schmuddelparty von Wachmännern der US-Botschaft in der afghanischen Hauptstadt sorgen derzeit für Ärger. Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes hatten sich an die Nichtregierungsorganisation "The Project on Government Oversight" (Pogo) gewandt und von Misshandlungen und Demütigungen durch Vorgesetzte berichtet, daraufhin schrieb die Organisation einen offenen Brief an Außenministerin Hillary Clinton.

Erste Konsequenz: Acht Mitarbeiter der Firma wurden gefeuert. Sie verließen am Freitag das Land. Zwei weitere Wachmänner der ArmorGroup North America sollen von sich aus gekündigt haben. Die US-Botschaft teilte außerdem mit, dass das zuständige Management umgehend ausgetauscht werde. Clinton und Verteidigungsminister Robert Gates hatten sich bestürzt über die vorgeworfenen Entgleisungen gezeigt.

In dem Brief weist die Organisation Pogo außerdem auf eine Reihe grundsätzlicher Probleme bei der Beauftragung privater Dienstleister in Kriegsgebieten hin. So gebe es Konflikte zwischen den Geschäftsinteressen der ausführenden Firmen und einem effektiven Einsatz. Die ArmorGroup North America hätte sich mit einem zu niedrigen Angebot auf eine Ausschreibung beworben. Um noch Profit zu erwirtschaften, sollen die Dienstleister daraufhin länger gearbeitet haben - ein hohes Sicherheitsrisiko.

Das Synonym für den Privatkrieg: Blackwater

Vor allem dem Branchenriesen Blackwater werden Verfehlungen angelastet. Der Name der Firma wird mittlerweile synonym gebraucht für das fragwürdige Kriegsgeschäft der modernen Söldner. Der Firma von Erik Prince gelang nach den Anschlägen am 11. September 2001 der Aufstieg zum globalen Kriegskonzern. Für Hunderte Millionen Dollar lieh sich die Bush-Regierung Kampfkraft bei Blackwater.

Doch die angemieteten Recken fielen im Kriegsgebiet nicht immer durch professionelles Verhalten auf. So starben über ein Dutzend Zivilisten bei einem Feuergefecht im September 2007 in Bagdad - wegen dieser und zahlreicher weiterer wüster Schießereien gerieten die Blackwater-Söldner in die Kritik und mit ihnen das Kriegs-Outsourcing. Denn belangt werden konnten die Privatkrieger nicht - weder von US-Militärgerichten noch von der irakischen Regierung, weil die Bush-Regierung Immunität zugesichert hatte.

Privatarmeen mit Schurken-Image

Dieses Jahr wechselte der in Verruf geratene Blackwater-Konzern lieber Chef und Namen aus. Die Kampftruppe firmiert mittlerweile als Xe Services. Doch trotz Namenswechsels reißt die Kritik an der Firma und ihren zahlreichen Wettbewerbern nicht ab.

Erst kürzlich wandte sich Senator John Kerry, Vorsitzender des Komitees für internationale Beziehungen, im August an das Außenministerium und sprach sich gegen die Auslagerung empfindlicher staatlicher Verantwortungsbereiche aus. Es sei besorgniserregend, dass Blackwater auch in CIA-Operationen gegen die Qaida-Spitze und beim Abwurf von Drohnen im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet eingesetzt würde.

Die Enthüllungen der "New York Times", auf die sich Kerry bezieht, könnten zum Problem werden. Denn Präsident Barack Obama und seine Außenministerin Clinton hatten im Wahlkampf versprochen, Blackwater aus Operationen der US-Armee herauszuhalten - und als die Iraker im Januar dieses Jahres wieder das Kommando in ihrem Land übernahmen, befahl Präsident Nuri al-Maliki umgehend den Abzug der Söldnertruppe. Doch auch die Obama-Administration kann nicht ganz auf die Hilfe der Privaten verzichten, auch auf die Prince-Truppe nicht.

Auch Obama braucht private Krieger

Die privaten Kämpfer, deren Todesfälle in keiner offiziellen Statistik auftauchen, sind weiter gut im Geschäft - und damit auch Blackwater, das einen 210 Millionen Dollar schweren Auftrag zum Schutz von US-Diplomaten in Afghanistan erfüllt. Im Irak bewachen die Blackwater-Söldner die Diplomaten der US-Botschaft in Bagdad - derzeit eine der größten amerikanische Vertretungen - mit Kampfhubschraubern.

Der 20-Millionen-Dollar-Auftrag wurde von demokratischen Abgeordneten scharf kritisiert und sollte eigentlich am Donnerstag auslaufen. Daraus wurde nichts: Ian C. Kelly, Sprecher des Außenministeriums, sagte in der "New York Times", man müsse die Verträge spontan verlängern. Das Unternehmen DynCorp, dass stattdessen beauftragt wurde, sei den Anforderungen im Irak noch nicht gewachsen und habe um Aufschub gebeten.