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05. Oktober 2009, 11:57 Uhr

Nach Terroranschlag

Uno schließt alle Büros in Pakistan

Mindestens drei Menschen wurden getötet, etliche verletzt. Die Uno reagiert auf den verheerenden Selbstmordanschlag auf ein Büro des Welternährungsprogramms in Pakistan. Sämtliche Außenstellen der Organisation in dem Land wurden vorerst geschlossen.

Islamabad - Ein Selbstmordattentäter hat sich am Montag in der Zentrale des Welternährungsprogramms (WFP) in Islamabad in die Luft gesprengt und dabei mindestens drei Menschen mit in den Tod gerissen. Etliche Personen wurden bei der Explosion im Empfangsbereich der WFP-Vertretung verletzt, wie die pakistanische Polizei und Augenzeugen berichteten. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Rauch aus dem Gebäude aufstieg. Fensterscheiben gingen zu Bruch.

"Das war ein Selbstmordattentat", sagte Polizeisprecher Bani Amin am Anschlagsort. "Wir haben die Beine und den Kopf des Attentäters gefunden." Derzeit werde untersucht, wie der Mann zu dem hochgesicherten Gebäude vordringen konnte.

Die Weltorganisation teilte wenige Stunden nach dem Anschlag mit, vorübergehend alle Uno-Büros in Pakistan schließen zu wollen. Das Sicherheitsrisiko für die Beschäftigten sei zu hoch, sagte Uno-Sprecher Ishrat Rizvi. Unklar sei, wann die Büros wieder öffnen.

"Das ist eine schreckliche Tragödie für das WFP und die gesamte humanitäre Gemeinschaft in Pakistan" sagte Amir Abdulla, stellvertretender Direktor im Hauptquartier in Rom. "Unser aufrichtiges Beileid gilt den Familien, Freunden und Kollegen der Verstorbenen. Diese Menschen haben den Armen und Bedürftigen in Pakistan im Kampf gegen den Hunger beigestanden."

Mehrere Kilogramm Sprengstoff

Über die Hintergründe des Attentats war zunächst nichts Näheres bekannt. Als Urheber wurden aber Kämpfer der Taliban und der al-Qaida vermutet, die immer wieder Anschläge auch auf ausländische Einrichtungen verüben. Ein Polizeisprecher sagte, der Attentäter sei zwischen 22 und 25 Jahre alt gewesen.

Nach ersten Ermittlungen sprengte sich der Attentäter mit rund sieben bis acht Kilogramm Sprengstoff in der Lobby des WFP-Gebäudes in die Luft. Das Büro liegt in einem stark bewachten Viertel Islamabads, in dem sich auch die Residenz von Präsident Asif Ali Zedari befindet. Das WFP beschäftigt dort rund 70 Angestellte. Bei den Toten soll es sich um einen Iraker und zwei Pakistanerinnen handeln. Einer der Verletzten schwebe noch in Lebensgefahr, hieß es im Krankenhaus, in das die Opfer gebracht wurden.

In den vergangenen Tagen hatten nach einem Bericht des britischen Rundfunksenders BBC in Islamabad Gerüchte die Runde gemacht, radikalislamische Taliban planten einen Anschlag in der Hauptstadt. Das pakistanische Militär bereitet derzeit eine neue Offensive gegen die Taliban in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan vor.

Der neue Führer der pakistanischen Taliban, Hakimullah Mehsud, äußerte sich unterdessen vor Reportern. Er kündigte dabei als Vergeltung für die Angriffe der USA mit unbemannten Flugzeugen im Grenzgebiet zu Afghanistan Anschläge auf pakistanische und amerikanische Einrichtungen an. Mehsuds Treffen am Sonntag beendete Spekulationen, er sei bei internen Machtkämpfen der Taliban ums Leben gekommen.

Die pakistanische Hauptstadt wird regelmäßig von Gewalttaten erschüttert. Bei einem Bombenanschlag auf das Marriott-Hotel in Islamabad wurden im vergangenen Jahr mehr als 50 Menschen getötet.

amz/dpa/Reuters/AFP/AP

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