Nach Überfall auf Reporter Medwedew fordert Schutz für Journalisten

Der blutige Überfall auf den russischen Reporter Oleg Kaschin sorgt international für Entsetzen. Kreml-Chef Medwedew will Journalisten nun besser schützen lassen. Unterdessen prügelten Unbekannte erneut einen Reporter krankenhausreif.

Oleg Kaschin (Aufnahme aus 2009): Die Ärzte versetzten ihn in ein künstliches Koma
AFP/ Kommersant

Oleg Kaschin (Aufnahme aus 2009): Die Ärzte versetzten ihn in ein künstliches Koma


Moskau - Russlands Präsident Dmitrij Medwedew hat nach dem blutigen Überfall auf den prominenten politischen Journalisten Oleg Kaschin erstmals einen Schutz für Reporter gefordert. Wegen der herausragenden gesellschaftlichen Bedeutung ihrer Arbeit müsse sie der Staat besser schützen als andere Berufe. Das sagte Medwedew am Montag nach Angaben der Agentur Interfax bei einem Treffen mit Journalisten der Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta".

In Russland werden jedes Jahr Dutzende Journalisten Opfer brutaler Überfälle. Die EU und internationale Organisationen verurteilten die jüngste Bluttat. Hunderte Journalisten hatten Medwedew nach der Attacke auf ihren Kollegen in einem offenen Brief dazu aufgefordert, kritische Journalisten besser zu schützen.

Medwedew zeigte sich überzeugt, dass der versuchte Mord an dem kritischen "Kommersant"-Reporter Kaschin aufgeklärt werde. "Journalisten sind Menschen, die sich in einer erhöhten Gefahrenzone bewegen", räumte Medwedew ein. Weil sie die Wahrheit über Menschen und Vorgänge im Land erzählten, seien sie einem hohen Risiko ausgesetzt. "Die Regierung sollte sich aufmerksamer gegenüber der beruflichen Arbeit von Journalisten verhalten", sagte er. Es sei Aufgabe des Staates, ihre Sicherheit zu gewährleisten, selbst wenn die Wahrheit oft unangenehm sei - auch für ihn selbst.

Diesen Schutz scheinen kritische Journalisten in Russland auch dringend zu benötigen. Nach dem brutalen Angriff auf den Kaschin kam es erneut zu einem gewaltsamen Übergriff gegen einen Journalisten. Anatoli Adamtschuk sei in der Nacht zu Montag attackiert worden und habe ein Schädeltrauma und eine Gehirnerschütterung erlitten, berichtete der Radiosender Moskauer Echo. Zwei Unbekannte hätten Adamtschuk in einem Vorort von Moskau aufgelauert, sagte sein Kollege Sergej Grammatin dem Radiosender. Der Journalist der Zeitung "Schukowski Westi" hatte den Angaben zufolge mehrere kritische Artikel über den Bau einer Autobahn zu einem Flughafen bei Moskau geschrieben

Journalist liegt weiterhin im Koma

Die EU verurteilte den Angriff auf Kaschin als neuen Versuch, Journalisten in Russland mundtot zu machen. Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und die Organisation Reporter ohne Grenzen verlangten mehr Sicherheit für die Journalisten sowie die Aufklärung zurückliegender Verbrechen. Zu den bekanntesten Fällen gehört der Mord an der Kreml-kritischen Journalistin Anna Politkowskaja, die 2006 vor ihrer Wohnung erschossen wurde.

Der fast zu Tode geprügelte Kaschin liegt weiter im Koma. Die Staatsanwaltschaft ruft Augenzeugen und Medien auf, bei der Aufklärung des Verbrechens zu helfen. Auch in den Unterlagen des Reporters der liberalen Tageszeitung "Kommersant" werde nach Hinweisen auf die Täter gesucht, sagte Behördensprecher Wladimir Markin. Zwei Männer hatten dem 30- Jährigen Kiefer, Beine und Finger gebrochen und ihm eine schwere Gehirnerschütterung zugefügt.

Mehrere Moskauer Medien widmeten dem Überfall ganze Sonderseiten. In den Beiträgen ging es auch darum, dass sich Kaschin mit seiner Kritik an den undemokratischen Zuständen in Russland viele Feinde gemacht habe. Kaschins Zeitung "Kommersant" erinnerte daran, dass die als radikal verschriene Kreml-treue Jugendbewegung Naschi ein Foto des Reporters veröffentlicht hatte mit einem Aufruf, ihn zu bestrafen. Manche Medien veröffentlichten im Internet ein Video von dem Überfall. Zu sehen ist, wie zwei Männer zwei Minuten lang auf Kaschin einprügeln, bevor sie vom Tatort flüchten.

dis/dpa

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Lebesque, 08.11.2010
1. Das ist dach wohl so ziehmlich lächerlich
der Tötungsbefehl gegen diesen Mann kam doch mehr oder weniger direkt aus dem Kreml d.h von Putin, der der Herr des offiziell amtierenden Kremelchefs Medjedev ist. Putin baut in Russland einen Faschismus auf, der in der heutigen Welt einzigartig ist.
meisterschlau 08.11.2010
2. ...
Zitat von Lebesqueder Tötungsbefehl gegen diesen Mann kam doch mehr oder weniger direkt aus dem Kreml d.h von Putin, der der Herr des offiziell amtierenden Kremelchefs Medjedev ist. Putin baut in Russland einen Faschismus auf, der in der heutigen Welt einzigartig ist.
dieser beitrag ist wohl so ziehmlich lächerlich...
kushi 08.11.2010
3. auf Verlangen
Zitat von Lebesqueder Tötungsbefehl gegen diesen Mann kam doch mehr oder weniger direkt aus dem Kreml d.h von Putin, der der Herr des offiziell amtierenden Kremelchefs Medjedev ist. Putin baut in Russland einen Faschismus auf, der in der heutigen Welt einzigartig ist.
Das hat Putin mittlerweile gar nicht mehr nötig. Er hat in den letzten 10 Jahren tausende von strammen Gefolgsleuten installiert, die solche und andere Sauereien auf Eigeninitiative verüben. Der Befehl, Politkowskaja zu ermorden, der kam allerdings aus dem unmittelbaren Umfeld Putins. Das stimmt. Und deshalb ist der Mord bis heute nicht aufgeklärt und wird auch nicht aufgeklärt werden solange Diktator Putin Rußland regiert. Richtig. Der erste faschistische Staat der Postmoderne. Die erste Orwellsche Dystopie der Welt. Und Putin muß sein Volk dazu nicht einmal zwingen. Der kriminelle Wahnsinn geschieht auf Verlangen des Volkes. Die Mehrheit in Rußland ist schlicht barbarisch. Die ukrainische Sozialpsychologin spricht aus, wovor sich westliche Beobachter meist drücken, wenn die Rede auf den Demokratieabbau in der Russischen Föderation kommt: nicht Putin ist das Problem, sondern dass sich die hinter ihm stehende Mehrzahl seiner Untertanen einen mit eiserner Hand regierenden Führer wünscht. Kornyeyeva beschreibt die Ursachen für die Renaissance des Stalinismus in Russland und für die Sehnsucht vieler Russen nach einem Übervater. http://www.pnn.de/politik/282330/
Baracke Osama, 08.11.2010
4. --
Zitat von Lebesqueder Tötungsbefehl gegen diesen Mann kam doch mehr oder weniger direkt aus dem Kreml d.h von Putin, der der Herr des offiziell amtierenden Kremelchefs Medjedev ist. Putin baut in Russland einen Faschismus auf, der in der heutigen Welt einzigartig ist.
Das Einzige was der Putin macht, ist, die Zionisten die das Land mit billigen Dollars überfluten wollen und Russlands Schätze rauben wollen von der Politik fern zu halten. Dafür, dass der Tötungsbefehl von Putin bzw. Medvedev kam, haben Sie sicherliche belege.
Lebesque, 08.11.2010
5. Dieser Heuchlerr ..
.. kann ja fordern, was er will. Was man beobachten kann in Russland, ist nur , dass eine faschistische Putinn-Diktatur dort eingeführt worden ist.
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