Nach Wahl Bis zu 400 Tote bei den religiösen Unruhen in Nigeria

Bei den blutigen Zusammenstößen zwischen Christen und Muslimen sind in Nigeria bis zu 400 Menschen getötet worden. Tausende sind auf der Flucht. Die Unruhen waren nach einer Kommunalwahl ausgebrochen.


Lagos - Hunderte Menschen sind in Nigeria ums Leben gekommen, wie viele genau ist jedoch noch ungewiss. Ein Vertreter des Roten Kreuzes in Jos, der Hauptstadt des Bundesstaats Plateau, sprach von 300, der Imam der Moschee von Jos von 400 Toten. Der Informationsminister des Bundesstaats bestätigte den Tod von mindestens 200 Menschen. Dabei handle es sich jedoch nur um vorläufige Zahlen der Polizei, ein Rettungsteam suche die Stadt nach weiteren Leichen ab. Nach den Wahlen am Donnerstag war die Gewalt in Jos eskaliert. Erst am Sonntag beruhigte sich die Lage laut Armee wieder.

Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Nigeria kümmern sich um Verletzte: Hunderte Menschen kamen ums Leben, Tausende sind auf der Flucht
AFP

Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Nigeria kümmern sich um Verletzte: Hunderte Menschen kamen ums Leben, Tausende sind auf der Flucht

Der Streit war eskaliert, als Gerüchte über eine Wahlniederlage der mehrheitlich muslimischen Partei ANPP gegen die christlich dominierte PDP die Runde machten. Nach Angaben von Anwohnern wurden mehrere Moscheen und Kirchen zerstört. Laut dem Roten Kreuz flohen mehr als 10.000 Menschen vor den Kämpfen aus ihren Häusern, mehr als 300 wurden bei den Ausschreitungen verletzt.

Nigerias Präsident Umaru Yar'Adua zeigte sich entsetzt über die Ereignisse. Er entsandte am Samstag die Armee in die Region. Die Regierung des Bundesstaats Plateau verhängte eine 24-stündige Ausgangssperre über Teile der Stadt. Die Armee eröffnete das Feuer auf jeden, der sich dennoch draußen aufhielt. Die Straßen nach Jos waren nach Angaben eines Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP am Samstag gesperrt, auch aus der Luft war die Stadt nicht erreichbar.

Ein Reporter des Rundfunksenders Radio France International sagte, viele Verletzte hätten berichtet, sie seien von Schüssen der Polizei oder Armee getroffen worden. Am Sonntag hatte sich die Lage nach Angaben des Armeesprechers wieder beruhigt. Rund 1500 bewaffnete Jugendliche seien festgenommen worden.

Jos liegt im Zentrum Nigerias; dessen Norden wird vorwiegend von Muslimen, der Süden mehrheitlich von Christen bewohnt. Die Stadt war 2001 bereits einmal Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen. Damals wurden innerhalb einer Woche ebenfalls hunderte Menschen getötet. In Nigeria ist die christlich dominierte PDP an der Regierung.

tno/AFP



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