Nachruf auf Ted Kennedy Eine Ikone, ein Gigant - ein Präsidentenmacher

Sein Leben hatte die Spannweite einer Shakespeare-Tragödie: Er wurde geboren in eine vorgezeichnete Laufbahn aus Ruhm, Reichtum und Macht, verfolgt von Verlust und Skandalen, und blieb aufrecht bis in den Tod. Jetzt ist Edward Kennedy im Alter von 77 Jahren gestorben.

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Hamburg - Präsident konnte er selbst nicht mehr werden, dieser Lebenstraum war schon vor vielen Jahrzehnten in einem Skandal gestorben. Also griff Ted Kennedy am Ende zur zweitbesten Möglichkeit: Er half mit, einen Präsidenten zu küren.

Im Januar 2008 war das, als sich das Vorwahlduell zwischen Hillary Clinton und Barack Obama aufheizte. Da ergriff Kennedy, Bruder des 1963 ermordeten John F. Kennedy und Patriarch einer der großen Polit-Dynastien Amerikas, Partei - nicht für die andere Dynastie, die der Clintons, sondern für den Underdog aus Chicago. "Es ist wieder Zeit für eine neue Generation", sagte er, und warb mit seinem gesamten politischen Gewicht für Obama.

Es war ein entscheidender Moment auf dessen Weg ins Weiße Haus. Ein "Stabwechsel", wie die Kommentatoren gerne schrieben, der sich später bei Kennedys letztem Auftritt vor einer großen Öffentlichkeit vollzog. Gestützt von Nichte Caroline schlurfte der "Löwe des Senats", damals schon vom Tod gezeichnet, bei Obamas Wahlparteitag in Denver auf die Bühne. "Der Traum lebt weiter!", rief er mit brüchiger, doch weiterhin unverkennbarer Stimme.

Da gaben ihm die Ärzte schon nicht mehr viel Zeit. Doch Kennedy hielt durch, allen Prognosen zum Trotz. Als er in der Nacht zum Mittwoch schließlich mit 77 einem Gehirntumor erlag, auf den Tag genau ein Jahr nach seinem Parteitagsabschied, trauerte das politische Amerika, wie es es seit Ronald Reagans Tod nicht mehr getan hatte.

Denn dass die Nation hier nicht nur einen hoch angesehenen Staatsmann verloren hat, sondern das Symbol einer vergangenen, größeren Zeit, das zeigte sich allein an einer der ersten Reaktionen. Diese kam von Orrin Hatch, Kennedys erzkonservativem Senatskollegen: "Ich habe einen geschätzten Freund verloren", klagte der Mann, der ihm ideologisch wohl kaum ferner hätte sein können. Kennedy, so Hatch, sei "ikonisch" gewesen, "überlebensgroß", ein "Gigant".

"Fluch der Kennedys"

Da geht im Pathos der Trauer natürlich manche Feinheit der Realität verloren. "Hochbegabt und voller Makel", so nannte die "New York Times" ihn vielmehr in ihrer Frühausgabe. Und das umreißt Kennedys Leben wohl etwas besser: Geboren in eine geradezu vorgezeichnete Laufbahn aus Ruhm, Reichtum und Macht, verfolgt von Skandalen und Tragödien, trotzdem unverbiegbar bis in den Tod - eine Figur von Shakespeare'scher Größe.

Anfangs waren es seine älteren Brüder, die mehr im Rampenlicht standen, John und Robert. Ted war Wahlkampfmanager für JFK, und zwei Jahre, nachdem der 1960 ins Weiße Haus eingezogen war und Robert zum Justizminister gemacht hatte, "erbte" Ted Johns Senatssitz. Doch es dauerte nicht lange, bis der grausige "Kennedy-Fluch" erneut zuschlug: Ted Kennedy verlor beide Brüder durch Attentate, 1963 und 1968.

Der vierte im Bunde, Joe Kennedy, war schon im Zweiten Weltkrieg gefallen, Schwester Kathleen starb bei einem Flugzeugabsturz 1948. Plötzlich war Ted, das schwarze Schaf, die letzte Hoffnung des Clans, der damals von Ex-Botschafter Joseph Kennedy mit harter Hand geführt wurde. Der Einzige seiner Generation, wie "Vanity Fair" kürzlich in einer Eloge den irischen Poeten William Butler Yeats zitierte, der lange genug leben würde, "um sich graues Haar zu kämmen".

Das Ende vom Traum als nächster US-Präsident

Es war eine viel zu schwere Last für den nicht einmal 40-Jährigen: Kennedy war sperrig, fehlerhaft, - und kaum so glamourös wie John F., dessen kurze Ära die Amerikaner schnell als "Camelot" verklärten, nach dem Hofstaat des legendären Königs Arthur. Und wie dessen Sage im Unheil endet, hatte das Schicksal auch für Ted Kennedy noch viele Rückschläge parat, die anderen schnell den Mut geraubt hätten. Doch nicht ihm.

1964 wurde er selbst bei einem Flugzeugabsturz schwer verletzt, seither litt er lebenslang an Rückenschmerzen. 1969 fuhr er mit seinem Wagen auf der kleinen Insel Chappaquiddick, unweit des Kennedy-Familiensitzes in Massachusetts, nach einer Party von einer Brücke ins Wasser, er selbst rettete sich, seine junge Beifahrerin Mary Jo Kopechne jedoch, hilflos zurückgelassen, starb.

Kennedy wurde wegen Fahrerflucht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, Zweifel an seiner Version des Unfalls hielten sich aber weiter, und seine Aussichten auf eine Präsidentschaftskandidatur waren ein für allemal dahin. Einmal noch versuchte er es, 1980, doch unterlag schon im Vorwahlkampf dem Parteirivalen Jimmy Carter.



insgesamt 117 Beiträge
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Seite 1
Michael KaiRo 26.08.2009
1. Tod einer Lichtgestalt ???
Zitat von sysopEdward Kennedy ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Sein Leben hatte die Spannweite einer Shakespeare-Tragödie: Er wurde geboren in eine vorgezeichnete Laufbahn aus Ruhm, Reichtum und Macht, verfolgt von Verlust und Skandalen, und blieb aufrecht bis in den Tod. Wie geht es nun für die Demokraten weiter?
Dieser Senator hat (höchstwahrscheinlich im betrunkenen Zustand) den Tod eines Menschen auf dem Gewissen! Seine 29-jährige Sekretärin (gabs nicht auch Spekulationen darüber, dass sie seine Geliebte war?) Mary Jo Kopechne hätte gerettet bergen können, wenn sofort Hilfskräfte hinzugerufen worden wären. Doch DIESER Senator wollte lieber seinen Rausch ausschlafen (hätt ja auch ne Strafe geben können) und rief erst 10 Stunden später Hilfe herbei. Auch DIESER Senator ist vorbestraft (er erhielt für dieses Vergehen ein paar Monate auf Bewährung) Aber das scheint ja in Deutschland inzwischen auch hoffähig zu werden. Zur letzten Frage des Sysops: Das interessiert die "Demokraten" nur peripher.
Palmstroem, 26.08.2009
2. Liebesgeflüster
Zitat von sysopEdward Kennedy ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Sein Leben hatte die Spannweite einer Shakespeare-Tragödie: Er wurde geboren in eine vorgezeichnete Laufbahn aus Ruhm, Reichtum und Macht, verfolgt von Verlust und Skandalen, und blieb aufrecht bis in den Tod. Wie geht es nun für die Demokraten weiter?
Ted Kennedy war ein hervorragender Politiker - nur Lichtgestalt war er sicher keine!
liborum 26.08.2009
3.
Edward Kennedy war ein Mensch- mit allen Fehlern und Schwächen. Aber er war auch einer der wenigen sozial und liberal eingestellten Senatoren. Und er hat sich (soweit ich weiß) nie korrumpieren lassen. Damit ist auch der letzte der "großen" Kennedy - Brüder tot - und damit eine Legende gestorben. Farewell + RIP
Softship 26.08.2009
4.
Zitat von Michael KaiRoDieser Senator hat (höchstwahrscheinlich im betrunkenen Zustand) den Tod eines Menschen auf dem Gewissen! Seine 29-jährige Sekretärin (gabs nicht auch Spekulationen darüber, dass sie seine Geliebte war?) Mary Jo Kopechne hätte gerettet bergen können, wenn sofort Hilfskräfte hinzugerufen worden wären. Doch DIESER Senator wollte lieber seinen Rausch ausschlafen (hätt ja auch ne Strafe geben können) und rief erst 10 Stunden später Hilfe herbei. Auch DIESER Senator ist vorbestraft (er erhielt für dieses Vergehen ein paar Monate auf Bewährung) Aber das scheint ja in Deutschland inzwischen auch hoffähig zu werden. Zur letzten Frage des Sysops: Das interessiert die "Demokraten" nur peripher.
Stimmt. Beweis? Bedenken Sie bitte, dass es damals keine Handys gab, Hilfe wäre wohl nicht innerhalb von wenigen Minuten da sein können. Aber die Frau war mit aller Wahrscheinlichkeit innerhalb von wenigen Minuten tot. Ertrinken geht ziemlich schnell. Damals gabe es auch viel weniger Möglichkeiten der Reanimation. Auch das mit den 10 Stunden stimmt nicht. Er ist zur Party zurückgeeilt und hat Freunde um Hilfe gebeten. Als diese Hilfe gescheitert ist, ist er dann "abgehauen" und hat erst 10 Stunden später die Polizei benachrichtigt. Bitte immer bei der Wahrheit bleiben.
mbberlin, 26.08.2009
5. ...
Bekommen wir jetzt den Rest der Woche ständig Kennedy-Nachrufe? Sonst nichts los?
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