Nadschaf Sadr lässt Vermittler aus Bagdad abblitzen

Erfolglos musste eine Verhandlungsdelegation der irakischen Nationalkonferenz aus Nadschaf abziehen, die Muktada al-Sadr zum Einlenken im Konflikt mit den USA bewegen wollte. Der radikale Schiitenführer weigerte sich, die acht Gesandten zu treffen.


Hussein al-Sadr versucht bei seiner Ankunft in Nadschaf seinen Cousin zu treffen
AP

Hussein al-Sadr versucht bei seiner Ankunft in Nadschaf seinen Cousin zu treffen

Bagdad/Amman - Acht Delegierte des Kongresses flogen am Nachmittag von Bagdad zu einem US-Militärstützpunkt in Nadschaf und begaben sich zur Imam-Ali-Moschee. Sadr, der sich mit seinen Anhängern in dem Schiitenheiligtum verschanzt hat, lehnte nach Angaben der britischen BBC ein Treffen ab. Ein Sprecher Sadrs sagte dem arabischen Sender al-Dschasira dagegen, der Schiitenprediger habe die Delegation willkommen geheißen. Die "Sicherheitsatmosphäre" habe aber kein Treffen zugelassen. Erst am Samstag waren Verhandlungen zwischen Regierung und Sadr gescheitert.

Die Delegation der Nationalkonferenz sollte dem Vernehmen nach eine Auflösung der Miliz und ihre Umwandlung in eine politische Partei vorschlagen. Außerdem wollte sie von der "Mahdi-Armee" verlangen, die Imam-Ali-Moschee zu verlassen. Im Gegenzug sollten die Kämpfer demnach Straffreiheit erhalten. Der Leiter der Delegation, Sadrs Cousin Hussein al-Sadr, betonte laut BBC, sein Auftrag sei es nicht zu verhandeln, sondern nur eine Nachricht der Nationalkonferenz zu überbringen.

Unterdessen gingen die Kämpfe weiter. Der amerikanische Nachrichtensender CNN berichtete, US-Kampfflugzeuge hätten am Abend Ziele nahe dem großen Friedhof bombardiert, auf dem sich ein Teil von Sadrs Kämpfern verschanzt hat. Die Kämpfe in Nadschaf, ein blutiger Anschlag und Machtkämpfe hatten den von vielen erhofften politischen Neuanfang mit einem irakischen Übergangsparlament gestern belastet. Bei einem Mörsergranatenanschlag wurden am dritten Sitzungstag der Nationalkonferenz in Bagdads Innenstadt sieben Iraker getötet und 42 weitere Menschen verletzt.

Bei einem Gefecht in der Provinz Anbar wurde ein US-Marineinfanterist getötet, wie die Streitkräfte mitteilten. Nach Informationen von al-Arabija kam es gestern auch in Basra erneut zu Angriffen von Sadr-Anhängern. Dabei starb am Abend in der südirakischen Stadt ein britischer Soldat, wie ein britischer Militärsprecher in London mitteilte. Ein weiterer Brite wurde den Angaben nach verletzt. Laut Augenzeugen kam auch einer der Aufständischen ums Leben.

Nach dem vergeblichen Vermittlungsversuch setzt die irakische Nationalkonferenz heute ihre Beratungen in Bagdad fort. Auf dem Programm steht die Wahl von 81 Mitgliedern des Nationalrats, der bis zu den ersten freien Wahlen Ende Januar als Übergangsparlament fungieren soll.



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